Wer kann die Welt verändern? Das Proletariat ist die revolutionäre Klasse

Submitted by InternationaleRevue on Sam, 25/02/2006 - 11:55.

Wer kann die Welt verändern?

 Das Proletariat ist die revolutionäre Klasse

 "Der Kommunismus ist tot. Der Kapitalismus hat gesiegt, weil er das einzige System ist, das wirklich funktionieren kann. Es ist nutzlos und gar gefährlich, von einer anderen Gesellschaft zu träumen". Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der angeblich "kommunistischen" Regime wurde von der herrschenden Klasse eine beispiellose Kampagne angeleiert. Und gleichzeitig hat die Propaganda der Herrschenden zwei Fliegen mit der gleichen Klappe schlagen wollen, als sie nämlich erneut alles daran gesetzt hat, die Arbeiterklasse zu demoralisieren, indem sie ihr einzureden versucht, daß sie keine Kraft mehr in der Gesellschaft sei, daß sie nicht mehr zähle und eigentlich gar nicht mehr existiere. Die Herrschenden haben die Bedeutung und das Ausmaß der zurückgegangenen Kampfbereitschaft vollkommen übertrieben, die sich infolge der Umwälzungen der letzten Jahre abgeschwächt hatte. Das Wiedererstarken des Klassenkampfes, das jetzt wieder festzustellen ist, wird solche Lügen entblößen; aber selbst während der großen Arbeiterkämpfe wird die Bourgeoisie weiter die Idee einzutrichtern versuchen, daß diese Kämpfe auf keinen Fall zu einer Überwindung des Kapitalismus und der Errichtung einer Gesellschaft führen können, die von all den Geißeln befreit ist, die durch den Kapitalismus auf der Menschheit lasten. So bleibt heute auf dem Hintergrund all der Lügen der Herrschenden aber auch in Anbetracht der Skepsis einiger möchte-gern Revolutionärer die Verteidigung des revolutionären Wesens der Arbeiterklasse eine Hauptverantwortung der Revolutionäre. Dieses Ziel verfolgt dieser Artikel.  

In den Kampagnen, die in den letzten Jahren aufgelegt wurden, war eines der Hauptthemen, daß der Marxismus "widerlegt" worden sei. Die von der herrschenden Klasse bezahlten Ideologen behaupten, der Marxismus sei gescheitert. Die Praxis und das Scheitern des Kommunismus in Osteuropa bewiesen, daß er bankrott gegangen sei. Wir haben immer wieder in unserer Presse aufgezeigt, daß der Stalinismus mit dem Kommunismus, so wie Marx und die gesamte Arbeiterbewegung ihn aufgefaßt hatten, nichts zu tun hat (1). Es ist heute eine Aufgabe der Kommunisten, die marxistische Position hinsichtlich der revolutionären Eigenschaften und Fähigkeiten der Arbeiterklasse zu untermauern, und insbesondere müssen wir dabei in Erinnerung rufen, was der Marxismus unter revolutionärer Klasse versteht. 

 

WAS IST FÜR DEN MARXISMUS EINE REVOLUTIONÄRE KLASSE'?

"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen"

 So fängt einer der wichtigsten Texte des Marxismus und der Arbeiterbewegung an: "Das kommunistische Manifest". Diese These wird nicht nur vom Marxismus vertreten, sondern sie stellt einen grundsätzlichen Beitrag der kommunistischen Theorie dar. Sie besagt, daß der Zusammenstoß zwischen den Klassen in der kapitalistischen Gesellschaft letzten Endes die Perspektive des Umsturzes der Bourgeoisie durch die Arbeiterklasse und die Errichtung der Macht der Arbeiterklasse über die gesamte Gesellschaft in sich birgt. Natürlich wurde diese These immer von den Verteidigern des kapitalistischen Systems verworfen. Wenn Angehörige der bürgerlichen Klasse in der aufsteigenden Phase des Systems einige Gesetze der Gesellschaft auf decken konnten (natürlich geschah dies nur sehr unvollständig und auf eine verschleiernde Weise) (4) gibt es kaum Aussichten, daß sich dies heute wiederholt: in der dekadenten Phase ist die herrschende Klasse völlig unfähig geworden, solche Denker hervorzubringen. Den Ideologen der herrschenden Klasse kommt es darauf an, ja das Hauptstreben all ihres "Denkens" besteht darin aufzuzeigen, daß die marxistische Theorie verworfen werden müsse (obgleich der eine oder andere sich auf Beiträge Marxens beruft). Und der Eckpfeiler ihrer "Theorien" ist die Behauptung, daß der Klassenkampf keine Rolle mehr in der Geschichte spiele, ja manchmal wird ganz einfach das Vorhandensein von Kämpfen oder noch schlimmer gar die Existenz von gesellschaftlichen Klassen geleugnet. Nicht nur die offenen Verteidiger der bürgerlichen Gesellschaft behaupten solche Sachen. Auch einige "radikale Köpfe", die eine Karriere bei der Kritik der herrschenden Ordnung gemacht haben, haben sich ihnen seit einigen Jahrzehnten angeschlossen. Der Guru der Gruppe "Socialisme ou Barbarie" (und der geistige Führer der Gruppe Solidarity in Großbritannien), Cornelius Castoriadis, hatte vor nahezu 40 Jahren gemeint, daß der Kapitalismus durch ein drittes System, die "bürokratische Gesellschaft" ersetzt werden würde, und daß anstelle des Gegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten der Gegensatz zwischen "Führern und Geführten" (5) treten würde. In der jüngeren Geschichte haben andere "Köpfe", deren Ruhm aber wieder verblaßt ist, wie Marcuse, gemeint, daß die Arbeiterklasse in die kapitalistische Gesellschaft "integriert" worden sei, und daß die einzigen Kräfte, die diese Gesellschaft infrage stellen könnten, jetzt gesellschaftliche Randgruppen wie die Schwarzen in den USA, die Studenten oder auch die Bauern der unterentwickelten Staaten seien. So stellen also die Theorien über das "Ende der Arbeiterklasse", die heute wieder auftauchen, keine Neuigkeit dar. Eine der Eigenschaften des "Denkens" der dekadenten Bourgeoisie, und die sehr wohl das geistige Absterben dieser Klasse verdeutlicht, ist die Unfähigkeit, irgendeine neue Idee hervorzubringen. Sie ist nur dazu in der Lage, in den Abfalleimern der Geschichte herumzustochern, um daraus alte Schablonen hervorzuzaubern, die in neue Formen gesteckt und als "Neuentdeckungen" dargestellt werden.

 Ein bevorzugtes Mittel seitens der Bürgerlichen zur Verschleierung der Wirklichkeit der Klassengegensätze, ja der Existenz von Gesellschaftsklassen überhaupt, sind die soziologischen "Untersuchungen". Sich auf eine Reihe von Statistiken stützend und berufend, versucht man aufzuzeigen, daß die gesellschaftlichen "Unterschiede" und "Spaltungen" nichts mit Klassenunterschieden zu tun hätten, sondern auf Kriterien wie unterschiedliche Schulbildung, unterschiedliche Wohnorte, Altersgruppen, ethnischen Ursprung, unterschiedliche Religionszugehörigkeit usw. (6) zurückzuführen sei. Als Beweis für solche Unterscheidungen werden Beispiele an Land gezogen wie z.B. die Stimmabgabe eines "Staatsbürgers" für rechte oder linke Parteien, das weniger auf die jeweilige wirtschaftliche Lage als auf andere Kriterien zurückzuführen sei. In den Neuenglandstaaten in den USA wählen die Schwarzen und Juden traditionell die Demokratische Partei, in Frankreich wählen die praktizierenden Katholiken, die Elsässer und die Einwohner von Lyon traditionell rechts. Man verschweigt aber vor allem dabei, daß viele amerikanische Arbeiter nie wählen, und daß während Streiks französische Arbeiter, die auch noch in die Kirche gehen, nicht notwendigerweise die am wenigsten kämpferischen sind. Im allgemeinen unterläßt es die "Soziologie" immer, ihre Behauptungen mit einer historischen Dimension zu versehen. So verschweigt man, daß dieselben russischen Arbeiter, die die erste proletarische Revolution dieses Jahrhunderts, die von 1905, in Gang setzten, die Bewegung am 9. Jan. 1905 (der "rote Sonntag") mit einer Demonstration anfing, an deren Spitze ein Pope (Priester) marschierte, und sie alle das Wohlwollen des Zars ersuchten, damit er ihre Armut überwinden helfe (7).

 Wenn sich die "Experten" der Soziologie auf die Geschichte beziehen, behaupten sie jeweils, daß sich die Lage seit dem letzten Jahrhundert grundlegend geändert habe. Damals, meinen sie, hätten der Marxismus und die Theorie des Klassenkampfes einen Sinn gehabt, denn die Arbeitsbedingungen und das Leben der Industriearbeiter waren in der Tat schrecklich. Aber seitdem hätten sich die Arbeiter "verbürgerlicht", und sie hätten sich in die "Konsumgesellschaft" soweit integriert, so daß sie gar ihre "Identität verloren" hätten. Auch seien die dickbäuchigen, Zigarren rauchenden Bourgeois durch die "bezahlten Manager" ersetzt worden. All diese Aussagen sollen die Tatsache verwischen, daß die Grundstruktur der Gesellschaft sich überhaupt nicht geändert hat. Tatsächlich sind nämlich die Bedingungen, die die Arbeiterklasse schon im vorigen Jahrhundert zu einer revolutionären Klasse machten, weiterhin vorhanden. Die Tatsache, daß heute der Lebensstandard über dem ihrer Klassenbrüder des vorigen Jahrhunderts liege, ändert aber nichts an der Stellung in den Produktionsverhältnissen, die die kapitalistische Gesellschaft beherrschen. Die Gesellschaftsklassen bestehen weiterhin, auch stellen die Kämpfe zwischen ihnen weiterhin den Hauptmotor der geschichtlichen Entwicklung dar.

 Es ist wirklich eine Ironie der Geschichte, daß die offiziellen Ideologen der Bourgeoisie einerseits behaupten, daß die Klasse keine besondere Rolle mehr spielen (gar nicht mehr existieren) und andererseits anerkennen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Welt die ausschlaggebende Hauptfrage sind, vor der die dieselbe herrschende Klasse steht.

 In Wirklichkeit rührt die grundlegende Bedeutung der Klassen in der Gesellschaft gerade aus der herausragenden Stellung der wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen. Eine der zentralen Aussagen des historischen Materialismus besteht darin, daß die Wirtschaft letzten Endes die anderen Bereiche der Gesellschaft bestimmt: die juristischen Verhältnisse, die Regierungsform, die Denkweise. Diese materialistische Auffassung der Geschichte prallt natürlich mit der der Philosophen zusammen, aus deren Sicht die Ereignisse der Geschichte entweder reine Zufallsergebnisse oder der Ausdruck eines überirdischen Willens oder das einfache Ergebnis von Leidenschaften oder von Denkweisen der Menschen sind. Aber wie Marx schon damals sagte, übernimmt die Krise die Aufgabe, die Dialektik in die Köpfe der Bürgerlichen zu treiben. Die heute offensichtliche Tatsache der Vorherrschaft der Wirtschaft in der Gesellschaft ist entscheidend für die Wichtigkeit der Gesellschaftsklassen, weil sie im Gegensatz zu den anderen soziologischen Kategorien von den wirtschaftlichen Verhältnissen bestimmt werden. Dies war schon immer seit dem Bestehen von Klassen ausschlaggebend, aber im Kapitalismus wird dies am deutlichsten.

 In der Feudalgesellschaft z.B. war die Aufteilung der Gesellschaft per Gesetz festgelegt. Es gab einen grundlegenden juristischen Unterschied zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten: die Adligen hatten per Gesetz einen offiziellen Status und Privilegien (sie waren von der Pflicht entbunden, Steuern abzuführen, sie erhielten von ihren Leibeigenen einen Tribut), während die ausgebeuteten Bauern an ein Stück Land gefesselt waren, und dem Lehnsherren einen Teil ihrer Einnahmen abführen mußten (oder gar für sie eine Zeitlang kostenlos zu arbeiten hatten). In solchen gesellschaftlichen Verhältnissen schien die Ausbeutung, weil sie leicht meßbar, greifbar war (z.B. in Gestalt des von dem Leibeigenen abzuführenden Tributes) aus dem jeweiligen juristischen Status hervorzugehen. In der kapitalistischen Gesellschaft wiederum bewirken die Abschaffung der Privilegien, die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes die von der Verfassung proklamierte Gleichheit und Freiheit, daß die Ausbeutung und die Unterscheidung in Klassen durch unterschiedliche juristische Statuten, Positionen übertüncht werden. Je nachdem, ob man Produktionsmittel besitzt oder nicht (8) sowie die Art, diese in Bewegung zu setzen, entscheidet im wesentlichen über die Stellung der Menschen in der Gesellschaft, d.h. die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaftsklasse und das Vorhandensein von gemeinsamen Interessen mit anderen Mitgliedern der gleichen Klasse. Grob gesagt kann man hervorheben, daß der Besitz von Produktionsmitteln und, daß man sie individuell "betreibt", darüber entscheidet, ob man dem Kleinbürgertum angehört (Handwerker, Bauern, freiberuflich Tätige usw.) (9). Zur Arbeiterklasse gehört, wer über keine Produktionsmittel verfügt und um zu überleben gezwungen ist, seine Arbeitskraft an Unternehmer zu verkaufen die diesen 'Tausch" somit benutzen, um einen Mehrwert aus der Arbeitskraft herauszupressen. Und damit gehören diejenigen zur Bourgeoisie, die (im rein juristischen Sinne oder im globalen Sinne der Kontrolle ob individuell oder kollektiv) über die Produktionsmittel verfügen, deren Funktionieren die Lohnarbeit voraussetzt, und die von der Ausbeutung derselben Lohnarbeit mittels der Aneignung des produzierten Mehrwertes leben. Im Wesentlichen gibt es heute die gleiche Unterscheidung in Klassen wie im letzten Jahrhundert. Auch die jeweiligen spezifischen Interessen der Klassen und der Interessenskonflikte zwischen ihnen bestehen weiterhin. Deshalb befinden sich die Interessensgegensätze zwischen den Hauptbestandteilen der Gesellschaft - die weiterhin von der Wirtschaft bestimmt werden immer noch im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

 Auch wenn der Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten weiterhin einen Hauptmotor der Geschichte darstellt, wirkt dies nicht auf die beiden Klassen auf die gleiche Art. In der Feudalgesellschaft haben die oft brutalen blutigen und weit reichenden Kämpfe zwischen den Leibeigenen und den Gutsbesitzern nie zu einem radikalen Sturz der letzteren geführt. Der Klassengegensatz, der zum Sturz der alten Herrschaftssysteme führt, die alten Privilegien des Adels abschaffte, war nicht der, bei dem sich Adel und die unterworfene Bauernschaft gegenüberstanden, sondern der Zusammenprall zwischen dem gleichen Adel und einer neuen ausbeutenden Klasse, der Bourgeoisie (die englische Revolution Mitte des 17. Jahrhunderts, die französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts). Auch wurde die Sklavengesellschaft des römischen Reiches nicht durch die Sklavenklasse überwunden (ungeachtet der oft phantastischen Kämpfe derselben, wie z.B. der Aufstand von Spartakus und seinen Anhängern im Jahre 73 vor Jesus Christus), sondern sie wurde durch den Adel überwunden, der über ein Jahrtausend den christlichen Westen beherrschen sollte.

 In Wirklichkeit waren in den früheren Gesellschaften die revolutionären Klassen nie ausgebeutete Klassen, sondern neue ausbeutende Klassen. Dies ist natürlich kein Zufall. Der Marxismus unterscheidet die revolutionären Klassen (die er auch als "historische" Klassen bezeichnet) der Gesellschaft von den anderen Klassen der Gesellschaft durch die Tatsache, daß sie die Fähigkeit besitzen, die Führung in der Gesellschaft zu übernehmen. Und solange wie die Entwicklung der Produktivkräfte noch unzureichend gediehen war, um einen Überfluß von Gütern in der ganzen Gesellschaft anzubieten, wodurch das Aufrechterhalten von wirtschaftlichen Ungleichheiten notwendig wurde, solange konnte nur eine ausbeutende Klasse die Führung in dieser Art Gesellschaft übernehmen. Ihre historische Rolle bestand darin, das Heranreifen und die Entwicklung der Produktionsverhältnisse, deren Träger sie war zu begünstigen. Sie besaß nämlich die Aufgabe, durch die Ersetzung der alten, überholten Produktionsverhältnisse die Widersprüche zu überwinden.

 So war die dekadente römische Sklavengesellschaft durch die Tatsache gekennzeichnet, daß die "Zufuhr" von Sklaven, die durch die Eroberung neuer Gebiete sichergestellt wurde, auf die Schwierigkeit stieß, daß Rom die immer weiter entfernt gelegenen Grenzen nicht mehr kontrollieren konnte. Auch gingen die Sklaven nicht ausreichend achtsam mit den neuen Agrartechniken um. In solch einer Lage, in der die Ausgebeuteten nicht mehr den gleichen Status hatten wie das Vieh (wie im Falle der Sklaven) (10); in der sie an einer größeren Produktivität des bestellten Bodens interessiert waren, weil sie von dessen Ertrag leben mußten, waren die feudalen Herrschaftsverhältnisse am besten dazu geeignet, die Gesellschaft aus dieser Situation herauszuführen. Deshalb haben sich diese Verhältnisse insbesondere dank der Befreiung der Sklaven entwickelt (was an bestimmten Orten durch das Auftreten der "Barbareien" beschleunigt wurde, von denen einige schon unter feudalen Verhältnissen lebten). Auch besteht der Marxismus (angefangen schon im KOMMUNISTISCHEN MANIFEST) auf der herausragenden revolutionären Rolle, die die Bourgeoisie im Laufe der Geschichte gespielt hat. Diese Klasse, die innerhalb der Feudalgesellschaft entstanden war und sich entfaltete, konnte einen gewaltigen Machtzuwachs gegenüber dem Adel und der Monarchie verzeichnen, die immer mehr von ihr abhingen, sowohl hinsichtlich der Lieferung von allen möglichen Gütern (Textilien, Möbeln, Gewürze, Waffen usw.), sowie bei der Finanzierung ihrer Ausgaben. Während es nicht mehr möglich war, neue Landstücke urbar zu machen und mit der auslaufenden Ausdehnung der bestellbaren Böden eine der Quellen der Dynamik der feudalen Produktionsverhältnisse versiegte, und mit der Bildung der großen Königreiche die Rolle des Beschützers der Bevölkerung, die vorher vom Adel übernommen worden war, nicht mehr erfüllt werden konnte, wurde die Kontrolle des Feudaladels über die Gesellschaft zu einer Fessel für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte. Die Bourgeoisie war zum Hauptfaktor des Wachstums des Handels, der Banken und des Handwerkes in den Städten geworden, wo es einen gewaltigen Fortschritt der Produktivkräfte gab.

 Indem sie sich an die Spitze der Gesellschaft stellte, zunächst im wirtschaftlichen, dann im politischen Bereich, befreite die Bourgeoisie die Gesellschaft aus den Fesseln des Feudalismus. Und damit schuf sie die Voraussetzungen für das gewaltigste Wachstum des Reichtums, den es je in der Welt gegeben hatte. Aber gleichzeitig ersetzte sie nur eine Form der Ausbeutung, die mittelalterliche Leibeigenschaft durch eine neue Form der Ausbeutung, die Lohnarbeit. Um dies durchzusetzen, mußte sie in der Phase die Marx die primitive Akkumulation nannte, Maßnahmen ergreifen, die eine ungeheure Barbarei darstellten. Und diese war gleichzusetzen der Barbarei, in der die Sklaven hatten leben müssen. Das Ziel der Bourgeoisie: die Bauern dazu zwingen, das Land zu verlassen und ihre Arbeitskraft in den Städten zu verkaufen (siehe dazu die eindrucksvollen Schilderungen im ersten Band des Kapital). Und diese Barbarei gegenüber den Bauern kündigte nur die Barbarei an, in die das Kapital die Proletarier stürzen sollte (Kinderarbeit, Nachtarbeit für Frauen und Kinder, Arbeitstage von bis zu 18 Stunden, Einsperren der Arbeiter in "workhouses" usw.) und die solange dieses Ausmaß annehmen konnte, bis die Kämpfe der Arbeiter es schafften, die Kapitalisten dazu zu zwingen, die Brutalität ihrer Methoden abzuschwächen.

 Seit ihrer Entstehung gab es seitens der Arbeiterklasse Revolten gegen ihre Ausbeutung. Gleichzeitig tauchte bei diesen Revolten immer ein neues Gesellschaftsprojekt auf wie die Abschaffung der Ungleichheit, Verteilung aller gesellschaftlichen Güter usw.. In dieser Hinsicht unterschied sie sich nicht grundlegend von den früheren ausgebeuteten Klassen, insbesondere macht von den Leibeigenen, die sich auch manchmal in ihren Revolten für eine gesellschaftliche Umwälzung mobilisierten. Dies traf insbesondere im Fall des Bauernkrieges im

 16. Jahrhundert in Deutschland zu, als der Mönch Thomas Münzer zum Sprecher der Ausgebeuteten aufgestiegen war und eine Form des Kommunismus unterstützte (11). Aber im Gegensatz zu den früheren ausgebeuteten Klassen ist das Ziel der Arbeiterklasse, eine ausbeutungsfreie Gesellschaft zu errichten, keine bloße, nicht realisierbare Utopie. Der Traum von einer Gesellschaft in Gleichheit, ohne Herrscher und ohne Ausbeutung, den die Sklaven und Leibeigenen haben konnten, konnte nur eine einfache Traumvorstellung bleiben, denn der Grad der Entwicklung der Produktivkräfte in der Gesellschaft zum damaligen Zeitpunkt ermöglichte nicht die Abschaffung der Ausbeutung. Aber das kommunistische  Gesellschaftsprojekt der Arbeiterklasse ist dagegen keine Utopie, nicht nur weil der Kapitalismus selber die Grundlagen für eine solche Gesellschaft gelegt hat, sondern auch weil er das einzige Gesellschaftsprojekt ist, das die Menschheit aus der Barbarei retten kann, in der sie versinkt.

 WARUM DIE ARBEITERKLASSE DIE REVOLUTIONÄRE KLASSE UNSERER ZEIT IST

 Sobald die Arbeiterklasse versucht hatte, ihr eigenes Gesellschaftsprojekt zu verteidigen, zeigte die Bourgeoisie nur Verachtung für solche Vorstellungen, die sie als geistige Ausarbeitungen von isolierten verzweifelten Propheten darstellte. Aber wenn sie über diese einfache Verachtung hinausging, konnte sie sich nur vorstellen, daß die Arbeiter sich genauso verhalten würden wie die früheren Ausgebeuteten, daß diese nämlich nur unrealistische Utopien entwerfen könnten. Scheinbar scheint die Geschichte der herrschenden Klasse recht zu geben, und diese faßte ihre Philosophie mit den folgenden Worten zusammen: "Es hat immer Arme und Reiche gegeben, und es wird auch immer welche geben. Die Armen können durch ihre Revolten gar nichts gewinnen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Reichen keinen Mißbrauch ihres Reichtums betreiben und sich darum kümmern, daß die Armut der Ärmsten gelindert wird". Die Priester und die Damen der Wohltätigkeitsorganisationen haben sich zu Fürsprechern und Praktikern dieser "Philosophie" gemacht. Die Bourgeoisie wollte und konnte nämlich nicht sehen, daß ihr Wirtschafts- und Gesellschaftssystem genauso wenig wie alle früheren Systeme kein ewig bestehendes war, und daß es genauso wie die Sklavengesellschaft oder der Feudalismus eines Tages von einer neuen Gesellschaft ersetzt werden würde. Und genauso wie die Wesenszüge des Kapitalismus die Überwindung der Widersprüche ermöglicht hatte, die zuvor als Fesseln im Feudalismus gewirkt hatten (im gleichen Maße hatte der Feudalismus die Fesseln der Sklavengesellschaft überwunden), entspringen die Charakteristiken der Gesellschaft, die die tödlichen Widersprüche des Kapitalismus überwinden muß, der gleichen Notwendigkeit. Wenn man von diesen Widersprüchen ausgeht, kann man die Wesenszüge der zukünftigen Gesellschaft bestimmen.

 Natürlich können wir im Rahmen dieses Artikels nicht auf die Widersprüche im Einzelnen eingehen. Seit mehr als einem Jahrhundert hat der Marxismus dies systematisch gemacht, und auch unsere eigene Organisation hat in vielen Texten dazu beigetragen (12). Aber die Wurzeln dieser Widersprüche lassen sich in groben Zügen umreißen. Sie bestehen in den Hauptcharakteristiken des kapitalistischen Systems: es handelt sich um eine Produktionsform, die den Tausch von Waren mit allen Gütern eingeführt hat, während in den davor liegenden Gesellschaften nur ein Teil dieser Güter, oft nur ein ganz geringer, zu Waren geworden war. Dieser Einzug der Waren in die Wirtschaft hat im Kapitalismus auch die menschliche Arbeitskraft bei all ihren Produktionstätigkeiten erfaßt. Da er nicht im Besitz von Produktionsmitteln ist, muß der Produzent für sein Überleben seine Arbeitskraft an die Besitzer dieser Produktionsmittel verkaufen: die Kapitalistenklasse. Dagegen sah es in der Feudalgesellschaft z.B. - in der es schon eine Warenwirtschaft gab - so aus, daß der Handwerker oder Bauer das Ergebnis seiner Arbeit, die Erzeugnisse verkaufte. Und diese Ausdehnung der Warenwirtschaft in alle Bereiche der Gesellschaft ist die Wurzel all der Widersprüche des Kapitalismus: die Überproduktionskrise ist darauf zurückzuführen, daß das Ziel des Systems nicht in der Produktion von Gebrauchsgütern besteht, sondern in der Produktion von Tauschwerten, die Käufer finden müssen. Weil die Gesellschaft nicht in der Lage ist, alle produzierten Waren zu kaufen (obgleich natürlich überhaupt nicht die Bedürfnisse der Menschen befriedigt sind), taucht dieses wahnwitzige Problem auf, das als eine wahre Absurdität erscheint: der Kapitalismus bricht zusammen, nicht weil er zu wenig produzieren würde, nein, weil er zuviel produziert (13).

 Ein erstes Charakteristikum des Kommunismus wird somit die Abschaffung der Warenwirtschaft sein, die Entfaltung der Produktion von Gebrauchswerten und nicht von Tauschwerten.

 Darüber hinaus haben der Marxismus und insbesondere Rosa Luxemburg aufgezeigt, daß die Wurzel der Überproduktion in folgender Tatsache besteht: Für das Kapital ist es, als eine Gesamtheit gesehen, notwendig, durch den Verkauf außerhalb seiner eigenen Wirtschaft, den Teil der Waren zu realisieren, der dem aus den Arbeitern herausgepreßten Mehrwert entspricht und für die Akkumulation bestimmt ist. Aber in dem Maße, wie diese außerkapitalistischen Gebiete abnehmen, werden die Erschütterungen der Wirtschaft immer gewalttätiger.

 So besteht der einzige Weg zur Überwindung der Widersprüche des Kapitalismus in der Abschaffung all der Warenformen, insbesondere in der Abschaffung der Ware Arbeitskraft, d.h. der Lohnarbeit.

 Die Abschaffung des Warentauschs setzt voraus, daß ebenfalls dessen Grundlage, das Privateigentum, abgeschafft wird. Nur wenn die Reichtümer der Gesellschaft von dieser auf kollektive Art und Weise angeeignet werden, können der Kauf und Verkauf dieser Reichtümer verschwinden (dies gab es schon im Ansatz in gewissen Formen in den sog. primitiven Gesellschaften). Solch eine kollektive Aneignung der produzierten Reichtümer durch die Gesellschaft und insbesondere der Produktionsmittel bedeutet, daß es nicht mehr möglich sein wird, daß ein Teil der Gesellschaft, eine gesellschaftliche Klasse (auch nicht einer besonderen Form, die Staatsbürokratie) über die Mittel verfügt, einen anderen Teil der Gesellschaft ausbeuten. So wird die Abschaffung der Lohnarbeit nur möglich, nicht indem eine neue Form der Ausbeutung eingeführt wird, sondern nur durch die Abschaffung der Ausbeutung in all ihren Formen. Und im Gegensatz zur Vergangenheit darf die Umwälzung der Gesellschaft, die heute die Menschheit erlösen kann, nicht zu neuen Ausbeutungsformen führen, sondern der Kapitalismus selber hat die materiellen Grundlagen für einen Überfluß geschaffen, der die Überwindung der Ausbeutung ermöglicht. Diese Bedingungen eines Überflusses werden durch die Überproduktionskrisen deutlich (wie es seinerzeit schon das Kommunistische Manifest aufzeigte).

 Die Frage, vor der wir stehen, ist also folgende: welche Kraft in der Gesellschaft ist in der Lage, diese Umwälzung durchzuführen, das Privateigentum und jegliche Form der Ausbeutung abzuschaffen?

 Der erste Wesenszug dieser Klasse besteht darin, ausgebeutet zu werden, denn nur eine ausgebeutete Klasse kann ein Interesse an der Abschaffung der Ausbeutung haben. Während in der Vergangenheit eine revolutionäre Klasse keinesfalls eine ausgebeutete Klasse sein konnte, weil die neuen Produktionsverhältnisse notwendigerweise neue Ausbeutungsverhältnisse waren, ist heute genau das Gegenteil der Fall. Seinerzeit hatten die utopischen Sozialisten (wie Fourier, SaintSimon, Owen) (14) mit der Illusion gespielt, daß die Revolution von Mitgliedern der Bourgeoisie selber in die Hand genommen, durchgeführt werden könnte. Sie hofften darauf, daß es innerhalb der herrschenden Klasse aufgeklärte und wohlhabende Menschenfreunde gäbe, die die Überlegenheit des Kommunismus gegenüber dem Kapitalismus erkannt hätten und bereit wären, Projekte von idealen Gemeinschaften zu finanzieren, die sich dann später weiter ausdehnen würden. Da die Geschichte nicht von Individuen, sondern von Klassen gemacht wird, wurden diese Hoffnungen schnell innerhalb weniger Jahrzehnte enttäuscht. Selbst wenn es einige wenige Mitglieder der Bourgeoisie gab, die sich den großmütigen Ideen der Utopisten anschlossen (15), hat sich natürlich die gesamte herrschende Klasse von solchen Projekten abgewandt, ja hat sie bekämpft, denn sie verfolgten ja das Ziel der Abschaffung der herrschenden Klassen überhaupt.

 Aber eine ausgebeutete Klasse zu sein, reicht keineswegs, um eine revolutionäre Klasse zu sein. Es gibt zum Beispiel heute noch auf der Welt und insbesondere in den unterentwickelten Ländern eine Vielzahl von armen Bauern, die ausgebeutet werden, weil sie einen Teil ihrer Arbeit an die herrschende Klasse abführen müssen, entweder direkt, oder in Form von Steuern, oder in Gestalt von Zinsen, die sie an Banken oder Wucherer abführen müssen, bei denen sie verschuldet sind. Auf diese oft unerträgliche Armut dieser Bauernschichten stützten sich all die Verschleierungen der Ideologien der 3. Welt, der Maoisten, der Anhänger Che Guevaras usw. Als diese Bauern zu den Waffen griffen, taten sie dies nur als das Fußvolk dieser oder jener Clique der Bourgeoisie, die sobald sie selber an der Macht waren, die Ausbeutung nur noch verstärkte - oft unter besonders schrecklichen Bedingungen (siehe z.B. die Aktivitäten der Roten Khmer in Kambodscha in der 2.Hälfte der 70er Jahre). Die Abschwächung dieser Verschleierungen (die ebenso von den Stalinisten wie den Trotzkisten und einigen "radikalen Denkern" wie Marcuse verbreitet wurde) spiegelt somit das Scheitern der sog. "revolutionären Perspektive" der armen Bauern wider. Obgleich die Bauern auf die verschiedenste Art ausgebeutet werden, und sie auch manchmal die gewalttätigsten Kämpfe führen, um ihre Ausbeutung zu begrenzen, können sie sich nie zum Ziel setzen, daß das Privateigentum abgeschafft wird, da sie selbst zum Großteil Besitzer von kleinen Landstücken sind, oder wenn sie als Nachbarn derselben leben, streben sie danach, zu solchen zu werden (16).

 Und selbst wenn die Bauern kollektive Strukturen errichten, um ihr Einkommen durch Produktivitätsverbesserungen oder den Verkauf ihrer Erzeugnisse zu verbessern, nimmt dies normalerweise die Gestalt von Genossenschaften an, die das Privateigentum oder den Warentausch nicht infragestellen (17). Um es zusammenzufassen: die Klassen und Schichten, die als Überreste der Vergangenheit weiter existieren (Bauern, Handwerker, freiberuflich Tätige usw.) (18), und die es nur noch gibt, weil der Kapitalismus unabhängig davon, daß er die Weltwirtschaft vollständig beherrscht, unfähig ist, alle Produzenten in Lohnabhängige zu verwandeln, all diese Klassen können nicht Träger eines revolutionären Gesellschaftsprojektes sein. Im Gegenteil: die einzige Perspektive, von der sie eventuell träumen können, ist die einer Rückkehr in ein mythisches "goldenes Zeitalter" der Vergangenheit. Die Dynamik ihrer Kämpfe kann als solche nur eine reaktionäre, rückwärtsgewandte sein.

 Da die Abschaffung der Ausbeutung im wesentlichen einhergeht mit der Abschaffung der Lohnarbeit, kann nur die Klasse, die unter dieser besonderen Form der Ausbeutung leidet, d.h. das Proletariat, dazu in der Lage, ein revolutionäres Gesellschaftsprojekt aufzustellen und es zu verwirklichen. Nur die unter den kapitalistischen Produktionsverhältnissen ausgebeutete Klasse, die das Ergebnis dieser Produktionsverhältnisse ist, kann die Perspektive der Überwindung dieser Verhältnisse aufstellen.  

Als Ergebnis der Entwicklung der großen Industrie, einer Vergesellschaftung des Produktionsprozesses, wie sie es noch nie in der Geschichte der Menschheit gegeben hatte, kann die Arbeiterklasse nicht davon träumen, irgendwie in die Vergangenheit zurückzukehren (19). Während zum Beispiel die Umverteilung oder die Aufteilung der Böden eine "realistische" Forderung der armen Bauern sein kann, wäre es absurd, daß die Arbeiter, die assoziiert Waren herstellen, die zu einem Ganzen zusammengebracht werden und Teile, Rohstoffe, und eine Technologie verwenden, die aus der ganzen Welt kommen, fordern, daß ihre Firma in Stücke zerlegt und unter ihnen aufgeteilt werde. Selbst die Illusionen über die Selbstverwaltung, d.h. ein gemeinsamer Besitz eines Betriebes durch die in dem Betrieb Beschäftigten (es handelt sich eigentlich nur um die "moderne" Auffassung von Arbeitergenossenschaften) verlieren an Einfluß.

 Nach zahlreichen, such jüngsten Erfahrungen (wie die LIP-Werke in FrankreichAnfang der 70er Jahre), die im allgemeinen darauf hinausliefen, daß die Arbeiter mit denen zusammenstießen, die sie vorher als Verwalter ernannt hatten, ist die Mehrheit der Arbeiter sich heute bewußt, daß in Anbetracht der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Unterehmens auf dem kapitalistischen Weltmarkt, die Selbstverwaltung nur Selbstausbeutung heißt. Die Arbeiterklasse kann nur nach vorne blicken, wenn sich ihr historischer Kampf entwickelt: sie kann keine Zerstückelung des Eigentums und der kapitalistischen Produktion anstreben, sondern sie kann nur die Vergesellschaftung der Produktion vervollständigen, die der Kapitalismus beträchtlich vorangetrieben hat, die er aber aufgrund seines Wesens nicht vervollständigen kann, selbst wenn er alle Produktionsmittel in den Händen des Staates (wie im Fall der stalinistischen Regime) zusammenfaßt.

 Für die Erfüllung dieser Aufgabe besitzt das Proletariat ein beträchtliches Potential.

 Einerseits wird in der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft der Hauptteil des gesellschaftlichen Reichtums durch die Arbeit der Arbeiterklasse selber hergestellt, auch wenn diese heute noch eine Minderheit in der Weltbevölkerung ist. In den Industriestaaten ist der Anteil der produzierten Güter, der von den "unabhängig Schaffenden" (Bauern, Handwerker usw.) hergestellt wird, unerheblich. Selbst in den rückständigen Ländern ist er verschwindend gering, obgleich die Mehrheit der Bevölkerung von der Bearbeitung des Bodens lebt oder besser überlebt.

 Andererseits hat das Kapital aus Notwendigkeit die Arbeiterklasse in gigantischen Produktionseinheiten zusammengefaßt, die nichts gemeinsam haben mit der Zeit Marxens. Auch sind diese Produktionseinheiten selber im allgemeinen mitten in oder in der Nähe von immer mehr bevölkerten Städten gelegen. Die Zusammenfassung der Arbeiterklasse sowohl am Arbeitsplatz wie an den Wohnorten bietet potentiell eine gewaltige Kraft, sobald sie wirklich wirksam eingesetzt wird, insbesondere durch die Entwicklung ihres gemeinsamen Kampfes und ihre Solidarität.

 Schließlich besteht eine der Hauptstärken der Arbeiterklasse in ihrer Fähigkeit der Bewußtseinsentwicklung. Alle Klassen - und insbesondere die revolutionären Klassen - haben eine bestimmte Bewußtseinsform entwickelt. Aber sie konnten jeweils nur eine Form der Verschleierung sein, entweder weil die gewünschte Gesellschaft nicht möglich war (das war beim Bauernkrieg in Deutschland so), oder weil die revolutionäre Klasse dazu gezwungen war, zu lügen, die Wirklichkeit gegenüber jenen zu vertuschen, die sie auf ihre Seite ziehen wollte, die sie aber weiter ausbeuten mußte (dies war in den bürgerlichen Revolutionen der Fall mit ihrem Schlachtruf "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"). Da das Proletariat als eine ausgebeutete Klasse und als Trägerin einer zukünftigen revolutionären Gesellschaft, die jede Form der Ausbeutung abschaffen wird, die Ziele ihrer Handlungen gegenüber den anderen Klassen und sich selbst nicht zu verheimlichen hat, kann es im Laufe seiner Kämpfe ein Bewußtsein entwickeln, das von jeder Verschleierung frei ist. So kann dieses Bewußtsein Stufen erreichen, die weit höher sind als es seine Feindesklasse, die Bourgeoisie jemals erreichen konnte. Und diese Fähigkeit zur Bewußtseinsentwicklung sowie ihre Organisierung als Klasse ist die ausschlaggebende, entscheidende Kraft des Proletariats.

 *** Im 2. Teil dieses Artikels werden wir sehen, warum und wie das Proletariat all seine grundlegenden Eigenschaften ungeachtet all der Kampagnen, die von dem "Verschwinden" oder der Integration der Arbeiterklasse sprechen, aufrechterhalten hat, die es weiterhin zur revolutionären Klasse in unserer Zeit machen.  FM

 1) Siehe insbesondere den Artikel "Die russische Erfahrung – Privat und Gemeineigentum ' in Internationale Revue Nr. 12, sowie unsere Artikelreihe: Der Kommunismus ist keine schöne Idee, sondern eine materielle Notwendigkeit".

 2) Marx und Engels präzisierten später, daß diese Aussage nur von der Auslösung der primitiven Gesellschaften an gültig war, deren Vorhandensein durch die Forschungsarbeiten der Ethnologie in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts bestätigt wurde, wie z.B. durch die Arbeiten Morgans über die Indianer Amerikas.

 3) Einige "Denker" der Bourgeoisie (wie der französische Politiker des 19. Jahrhunderts Guizot, der unter Louis-Philippe Regierungschef war) stießen auch auf diese Idee.

 4) Dies trifft ebenfalls auf die "klassischen" Ökonomen zu wie Smith und Ricardo, deren Erkenntnisse besonders nützlich für die Entwicklung der marxistischen Theorie waren.

 5) Wir müssen Cäsar geben, was ihm gebührt, und auch Cornelius Castoriadis, was ihm gehört... Die Voraussagen von Cornelius wurden alle von der Wirklichkeit widerlegt: hatte er nicht "vorausgesagt", daß der Kapitalismus nunmehr seine Krisen überwunden hatte (siehe seine Artikel zu "Die Dynamik des Kapitalismus" Anfang der 60er (siehe sein Buch "Devant la guerre" (Vor dem Krieg), deren 2. Teil schon im Herbst 1981 hätte veröffentlicht werden sollen), daß die UdSSR endgültig den "kalten Krieg" gewonnen hätte ("massives Ungleichgewicht zugunsten Rußlands, einen für die USA nicht wieder einzuholenden Vorsprung"). Solche Voraussagen waren seinerzeit Wasser auf die Mühlen der Propaganda, denn damals versuchten Reagan und die CIA uns mit der UdSSR Angst einzujagen. Nichtsdestotrotz befragen ihn die Medien weiter als "Experten" zu den großen Ereignissen unserer Zeit. Trotz der Ansammlung von Falschen Prognosen ist die Bourgeoisie ihm weiter dankbar wegen seiner Überzeugungen und seiner verachtenden Reden über den Marxismus; und diese Auffassungen sind such dafür verantwortlich, daß er jeweils so viele falsche Prognosen machte.

 6) Es stimmt, daß in vielen Ländern diese Charakteristiken teilweise mit der Zugehörigkeit einer Klasse übereinstimmen. So rekrutiert in vielen Ländern der 3. Welt, insbesondere in Afrika, die herrschende Klasse die meisten ihrer Mitglieder aus dieser oder jener ethnischen Gruppe: dies bedeutet jedoch nicht, daß alle Mitglieder dieser ethnischen Gruppe Ausbeuter wären. Im Gegenteil. Auch sind in den USA die WASP (White Anglo-Saxon Protestants) proportional gesehen in den Reihen der Bourgeoisie am stärksten vertreten. Dies hat aber nicht die Existenz einer schwarzen Bourgeoisie verhindern können (Colin Powell, US-Generalstabschef ist Schwarzer), auch nicht, daß es viele Weiße gibt, die sich gegen die Misere wehren.

 7) "Herrscher, wir sind zu dir gekommen, um Gerechtigkeit und Schutz von dir zu verlangen. Stelle sicher, daß unsere Bedürfnisse erfüllt werden, und dann werden wir deinen Namen in unserem Herzen für immer bewahren, sowie auch im Herzen unserer Kinder und unserer Enkel". Dies waren die Worte, in der die Arbeiter ihre Petition an den Zar von Rußland richteten. Aber wir sollten auch sagen, daß die Resolution hinzufügte: "Unsere Grenzen der Geduld sind erreicht, für uns ist ein furchtbarer Augenblick gekommen, wenn der Tod besser wäre als die Verlängerung untragbarer Leiden. Wenn du unsere Bitten nicht erfüllst, werden wir hier auf der Stelle sterben, vor deinem Palast" .

 8) Dieser Besitz nimmt nicht notwendigerweise die Form eines individuellen, persönlichen Eigentums an (und zum Beispiel durch Erbschaft übertragbaren Besitz)- dies zeigte die Entwicklung des Staatskapitalismus insbesondere in seiner stalinistischen Form. Die Kapitalistenklasse "besitzt" das Eigentum, die Verfügung über die Produktionsmittel immer mehr in "kollektiver" Form (im Sinne von verfügen, kontrollieren und daraus Nutzen schlagen), auch dann wenn die Produktionsmittel verstaatlicht sind.

 9) Das Kleinbürgertum ist keine homogene Klasse. Es gibt verschiedene Varianten, die nicht alle materielle Produktionsmittel besitzen. So gehören beispielsweise die Schauspieler, Schriftsteller, Rechtsanwälte dieser gesellschaftlichen Gruppe an, ohne jedoch über besondere Werkzeuge zu verfügen. Ihre Produktionsmittel" liegen in einem Wissen oder einem "Talent", das sie in ihre Arbeit einbringen. 10) Der Leibeigene war kein einfacher "Gegenstand" für den Lehnherrn. Mit dem Land verbunden, wurde er mit ihm verkauft (worin er sich mit dem Sklaven gleicht). Aber am Anfang gab es einen "Vertrag" zwischen dem Leibeigenen und dem Gutsherrn: der Gutsherr besaß nämlich Waffen, die er zum Schutz des Leibeigenen einsetzte, wofür dieser wiederum seine Arbeitserzeugnisse abliefern mußte, oder er mußte auf dem Land des Gutsherrn arbeiten, bzw. einen Teil seiner Ernte abliefern. 

11) Siehe "Der Kommunismus ist kein Ideal..." in unserer Artikelserie zum Kommunismus.

 12) Siehe unsere Broschüre "Die Dekadenz des Kapitalismus" 13) Siehe unsere Aitikelserie zum Kommunismus

 14) s.o.

 15) Owen selber war ursprünglich ein großer Textilfabrikbesitzer, der viele Versuche sowohl in Amerika als auch in Großbritannien unternommen hatte, um ideale Gemeinschaften aufzubauen, die alle durch die Gesetze des Kapitalismus zerschlagen wurden. Aber er leistete einen wichtigen Beitrag zur Entfaltung der Gewerkschaften. Die französischen Utopisten waren weniger erfolgreich bei ihren Versuchen. Jahrelang wartete Fourier vergeblich auf einen Geldgeber zur Finanzierung seiner idealen Stadt. Und die Anläufe seiner Anhänger, Versuchsprojekte aufzubauen, endeten alle in einer wirtschaftlichen Katastrophe. Auch die Auffassungen von Saint-Simon hatten nur insoweit Erfolg, als sie von einer Reihe von Bourgeois wie den PereireBrüdern, die Besitzer einer Bank waren, oder von Ferdinand de Lesseps, dem Architekten des Suez-Kanals getragen wurden.

 16) Es gibt ein Agrarproletariat, dessen einziges Existenzmittel darin besteht, seine Arbeitskraft den Landbesitzern gegen Geld zu verkaufen. Dieser Teil der Bauernbevölkerung gehört zur Arbeiterklasse und stellt zum Zeitpunkt der Revolution den Stützpunkt der Arbeiterklasse auf dem Lande dar. Aber da er seine Ausbeutung als Folge eines "mangelnden Glücks" auffaßt, durch das ihm die Erbschaft eines Landstücks vorenthalten wurde, oder daß ihm ein zu kleines Stück Land zugeteilt wurde, neigt der Landarbeiter, der oft nur Saisonarbeiter ist oder in einem Familienbetrieb steckt, meistens dazu, von dem Erwerb von Eigentum und einer besseren Landaufteilung zu träumen. Nur der Kampf des städtischen Proletariats kann in einer fortgeschrittenen Stufe diese Illusionen zerstören, indem ihm die Vergesellschaftung des Bodens genau wie die Vergesellschaftung der anderen Produktionsmittel angeboten wird. 

17) Das heißt nicht, daß in der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Kommunismus die Zusammenfassung von kleinen Landbesitzern in Genossenschaften keinen Schritt hin zur Vergesellschaftung des Lands bedeuten kann; insbesondere weil es ihm ermöglichen würde, den Individualismus zu überwinden, der aus den Arbeitsbedingungen hervorgeht.

 18) Was auf die Bauern zutrifft, trifft noch mehr auf die Handwerker zu, deren Stellung in der Gesellschaft noch mehr reduziert wurde als die der Bauern. Was die "Freiberuflichen" angeht (privaten Ärzte, Rechtsanwälte usw.), so bewirkt deren Status und ihr Einkommen (die oft selbst zum Neidobjekt der Bourgeoisie werden), daß sie überhaupt nicht dazu getrieben werden, die Gesellschaft infrage zu stellen. Und was die Studenten angeht, die noch keine Stellung in der Wirtschaft haben, so werden sie sich verschiedenen Klassen anschließen, je nach ihrer Qualifikation und nach ihrem familiären Ursprung.

 19) Am Anfang der Arbeiterbewegung richteten einige Teile der Klasse, nachdem sie durch die Einführung neuer Maschinen arbeitslos geworden waren, ihre Revolte gegen die Maschinen selber und zerstörten sie. Dieser Versuch einer Rückkehr in die Vergangenheit war nur eine Anfangsphase in der Arbeiterbewegung, und sie wurde schnell durch die wirtschaftliche und politische Entwicklung der Arbeiterklasse überwunden.

 Wer kann die Welt verändern?

 2. Teil

 Das Proletariat ist die revolutionäre Klasse

 Im ersten Teil dieses Artikels haben wir die Gründe aufgezeigt, weshalb das Proletariat die einzige revolutionäre Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft ist. Wir haben gesehen, dass allein das Proletariat die Kraft darstellt, die fähig ist, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und imstande, die Bedürfnisse der Menschheit voll zu befriedigen; die im Kapitalismus unlösbaren Widersprüche zu lösen, welche die heutige Welt zugrunde richten. Diese Fähigkeit des Proletariats, die der Marxismus schon während des letzten Jahrhunderts hervorgehoben hatte, rührt nicht einfach aus dem Grad der Misere und der Unterdrückung, der es tagtäglich ausgesetzt ist. Sie beruht noch weniger auf irgendeiner "göttlichen Eingebung", die das Proletariat zum "Messias der heutigen Zeit" machen würde, so wie das einige bürgerliche Ideologen dem Marxismus unterstellen. Diese Fähigkeit der Arbeiterklasse ist verwurzelt in den materiellen Bedingungen: Dem Platz, den das Proletariat in den kapitalistischen Produktionsverhältnissen einnimmt, seiner Rolle als kollektiver Produzent der gesellschaftlichen Reichtümer und zugleich als ausgebeutete Klasse innerhalb derselben Produktionsverhältnisse. Ihre Rolle im Kapitalismus erlaubt es der Arbeiterklasse nicht, im Gegensatz zu anderen Klassen und unterdrückten Schichten der Gesellschaft (z.B. die Kleinbauern), auf eine Rückkehr in die Vergangenheit zu hoffen. Ganz im Gegenteil ist sie gezwungen, das Rad der Geschichte nicht rückwärts zu drehen, sondern sich der Zukunft zuzuwenden: Der Abschaffung der Lohnarbeit und der Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft.

 *** Alle diese Erkenntnisse sind nichts Neues, sondern Bestandteil der klassischen marxistischen Theorie. Eines der hinterhältigsten Mittel jedoch, mit welchem die bürgerliche Ideologie die Arbeiterklasse von ihrem kommunistischen Projekt abzubringen versucht, ist dem Proletariat einzureden, dass es dabei sei zu verschwinden oder schon gar nicht mehr existiere. Die revolutionäre Perspektive habe einen Sinn gehabt, als die Industriearbeiter eine überwiegende Mehrheit der Lohnempfänger ausmachten. Doch mit dem heutigen zahlenmässigen Schrumpfen dieses Teils verschwindet auch eine revolutionäre Perspektive. Man muss übrigens festhalten, dass dieses Gerede nicht nur auf die weniger bewussten Arbeiter einen Einfluss ausübt, sondern auch auf gewisse Gruppen, die sich auf den Kommunismus berufen. Dies ist ein zusätzlicher Grund, das Aufkommen von solchem Gerede zu bekämpfen.  

DAS ANGEBLICHE "VERSCHWINDEN" DER ARBEITERKLASSE

Die bürgerlichen "Theorien" vom "Verschwinden" der Arbeiterklasse sind altbekannt. Während mehrerer Jahrzehnte behaupteten sie, dass sich der Lebensstandard der Arbeiter in einem gewissen Masse verbessert habe. Die Möglichkeit, dass die Arbeiter Konsumgüter erwerben könnten, die vorher der Bourgeoisie oder dem Kleinbürgertum vorbehalten waren, zeige deutlich das Verschwinden der Arbeiterklasse. Schon zu der damaligen Zeit konnten solche "Theorien" nicht aufrechterhalten werden: Wenn das Automobil, der Fernseher oder Kühlschrank weit verbreitet sind - relativ billige Güter dank der Steigerung der Produktivität der menschlichen Arbeit - wenn ausserdem diese Güter unverzichtbar sind für die Entwicklung der Lebensbedingungen der Arbeiter (1) , heisst die Tatsache, sie zu besitzen, noch lange nicht, dass man sich vom Arbeiterdasein befreien kann oder dass man weniger ausgebeutet ist. In Wirklichkeit ist der Grad der Ausbeutung der Arbeiterklasse nie bestimmt gewesen durch die Menge oder die Art der Konsumgüter, über die sie in einem bestimmten Moment verfügen konnte. Marx und der Marxismus haben auf diese Frage schon vor langer Zeit eine Antwort gegeben: Die Kaufkraft der Lohnempfänger entspricht dem Wert ihrer Arbeitskraft. Mit anderen Worten; sie entspricht der Menge der Güter, die notwendig, sind um diese Arbeitskraft wiederherzustellen. Wenn ein Kapitalist einen Arbeiter einstellt, dann will er damit möglichst viel aus dem Arbeiter im Produktionsprozess herausholen. Dies setzt voraus, dass der Arbeiter nicht nur Nahrung, Kleidung und Wohnung hat, sondern sich erholen und die notwendige Ausbildung aneignen kann, um die Produktionsmittel laufend zu verbessern.

 Aus diesem Grund hat die Einführung und die Verlängerung der Dauer von bezahltem Urlaub, die man in den hochentwickelten Ländern im Verlaufe des 20. Jahrhunderts feststellen konnte, nichts mit "Menschenfreundlichkeit" der Bourgeoisie zu tun. Sie sind absolut notwendig für die kolossale Steigerung der Arbeitsproduktivität und das Tempo, in dem dies geschieht, genauso wie die Gesamtheit der städtischen Lebensbedingungen. Auch das (relative) Verschwinden der Kinderarbeit und die Verlängerung der Schulzeit (bevor dies ein Mittel zur Verschleierung der Arbeitslosigkeit geworden ist), die man uns als weiteres Geschenk der herrschenden Klasse darstellt, erwächst grundsätzlich aus der Notwendigkeit für das Kapital, über Arbeitskräfte verfügen zu können, welche an die Erfordernisse des unaufhörlich wachsenden Qualifizierungsprozesses der Arbeit infolge ständig komplexer werdender technischer Produktionsabläufe angepasst sind. Übrigens muss man bei der "Erhöhung" der Löhne, derer sich die Bourgeoisie vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg rühmt, in Betracht ziehen, dass die Arbeiter nun ihre Kinder während einer viel längeren Zeit unterhalten müssen als in der Vergangenheit. Als die Kinder mit 12 Jahren oder weniger arbeiten gingen, lieferten sie, bevor sie selbst eine Familie gründeten, während mehr als zehn Jahre ein zusätzliches Einkommen an die Familie ab. Mit der Schulpflicht bis hin zu 18 Jahren verschwindet dieser Zuschuss fast gänzlich. Anders ausgedrückt sind die "Lohnerhöhungen" auch (und zum grössten Teil) eines der Mittel, mit welchen der Kapitalismus die neuen Generationen von Arbeitern auf die neuen technologischen Produktionsbedingungen vorbereitet.

 Auch wenn der Kapitalismus der hochentwickelten Länder während einer gewissen Zeit Illusionen über die Reduzierung der Ausbeutung von Lohnabhängigen schüren konnte, so ist das nichts anderes als ein äusserer Schein. Tatsächlich ist der Grad der Ausbeutung, d.h. das Verhältnis 2wischen dem durch den Arbeiter produzierten Mehrwert und dem Lohn, den er erhält (2), ständig gewachsen. Deshalb sprach schon Marx von einer "relativen" Verarmung der Arbeiterklasse als permanenten Tendenz im Kapitalismus.

 Während die Bourgeoisie einiger europäischer Staaten von den "glorreichen 30 Jahren" sprach, womit sie die Jahre des relativen Aufschwungs in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg meinte, verstärkte sich die Ausbeutung der Arbeiter kontinuierlich, auch wenn sich dies nicht in einem Sinken ihres Lebensniveaus ausdrückte. Heute stehen wir nicht mehr nur vor einer Frage der relativen Verarmung. Die "Verbesserungen" der Gehälter der Arbeiter sind im Laufe der Zeit aufgefressen worden, und die absolute Verarmung, deren definitives Ende die Schreiberlinge der bürgerlichen Ökonomie angekündigt hatten, hat in den "reichen" Ländern stark zugenommen. Angesichts der Krise greift die herrschende Klasse in allen Ländern den Lebensstandard der Arbeiter massiv an. Durch die Arbeitslosigkeit, die drastische Kürzung der Sozialleistungen und auch durch die Senkung der Nominallöhne wird dem Gerede über die die "Konsumgesellschaft" und die "Verbürgerlichung" der Arbeiterklasse der Boden entzogen. Aus diesem Grunde werden jetzt beim Gerede vom "Aussterben des Proletariates" andere Argumente vorgebracht. Mehr und mehr ist die Rede von den Veränderungen, welche die verschiedenen Teile der Arbeiterklasse beeinflussen, und besonders vom Rückgang der Industriearbeit und dem sinkenden Anteil der "Handarbeiter" an der Gesamtmasse der bezahlten Arbeiter.

 Solche Reden beruhen auf einer plumpen Verfälschung des Marxismus. Der Marxismus hat das Proletariat nie einfach mit dem Industriearbeiter im "Blaumann" gleichgesetzt. Es stimmt zwar, dass zu Marxens Zeit die grössten Teile der Arbeiterklasse sogenannte "Hand-Arbeiter" waren, aber es hat im Proletariat schon immer Arbeiter gegeben, welche mit hochentwickelten Technologien arbeiteten oder wichtige wissenschaftliche Fähigkeiten aufweisen mussten. So beispielsweise gewisse traditionelle Berufe, bei denen die "Gesellen" eine lange Lehrzeit absolvieren mussten. Desgleichen Berufe wie Korrektoren in Druckereien, die über unverzichtbare Kenntnisse verfügen mussten, und so fast "intellektuelle Arbeiter" waren. Diese Tatsache hat nicht verhindert, dass diese Branche oft an der Spitze von Arbeiterkämpfen stand. Der vermeintliche Gegensatz zwischen den Arbeitern, die z.B. im englischen als "blue bzw. white collar" bezeichnet werden, entspricht einer Aufteilung, wie sie die Soziologen und ihre bürgerlichen Auftraggeber gerne sehen, und die dazu bestimmt ist, die Arbeiter zu spalten. Solche Gegensätze zu konstruieren, ist absolut nichts Neues, denn die herrschende Klasse hat schon lange begriffen, dass es in ihrem Interesse liegt, viele Angestellte glauben zu machen, sie gehörten nicht der Arbeiterklasse an. In Wirklichkeit hängt die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse nicht von soziologischen und noch weniger von ideologischen Kriterien ab, d.h. den Überlegungen, die sich dieser oder jener Arbeiter oder gar ganze Teile der Arbeiterklasse, über ihr Leben machen. Es sind grundsätzlich ökonomische Kriterien, die für eine solche Zugehörigkeit gelten.

 DIE KRITERIEN: WER GEHÖRT ZUR ARBEITERKLASSE?Grundsätzlich ist das Proletariat die durch die spezifisch kapitalistischen Produktionsverhältnisse ausgebeutete Klasse. Daraus leiten sich, wie wir schon im ersten Teil dieses Artikels gesehen haben, folgende Kriterien ab: "Zur Arbeiterklasse gehört, wer über keine Produktionsmittel verfügt und, um zu überleben, gezwungen ist, seine Arbeitskraft an Unternehmer zu verkaufen, die diesen "Tausch" benutzen, um einen Mehrwert aus der Arbeitskraft herauszupressen". Es ist notwendig, gegenüber allen Verfälschungen, die über diese Frage in die Welt gesetzt worden sind, diese Kriterien genauer zu bestimmen.

 An erster Stelle ist zu bemerken, dass die Tatsache, lohnabhängig zu sein, allein nicht genügt, um der Arbeiterklasse anzugehören. Andernfalls wären Polizisten, Pfarrer, Direktoren grosser Unternehmen (besonders die der öffentlichen Betriebe) oder sogar die Minister Ausgebeutete und somit potentielle Kampfgefährten derer, die sie selber unterdrücken, verdummen, sich abrackern lassen, und all das füur einen zehn- oder hundertfach niedrigeren Lohn als diese (3) Deshalb ist es unerlässlich, darauf hinzuweisen, dass es ein Charakteristikum der Arbeiterklasse ist, Mehrwert zu produzieren. Dies bedeutet im besonderen zwei Sachen:

 - Das Gehalt eines Arbeiters übersteigt ein gewisses Niveau nicht, über das hinaus es nur noch vom herausabgepressten Mehrwert anderer Arbeiter herstammen könnte. (4)

 - Ein Proletarier ist ein wirklicher Produzent von Mehrwert und kein bezahlter Funktionär des Kapitals, der für die Aufrechterhaltung der Mehrwertproduktion zuständig ist.

 Unter den Beschäftigten einer Firma kann es such Techniker und gar Ingenieure geben, deren Gehalt dem eines Facharbeiters entsprechen mag. Sie alle gehören der gleichen Klasse an.

 Umgekehrt gibt es auch welche, deren Einkommen eher dem eines Chefs ähnelt (wenn sie nicht sogar die Rolle der Führung und Kontrolle der Arbeitskraft haben), und die man nicht als zur Arbeiterklasse gehörig zählen kann.

 Ebensowenig kann in diesem Betrieb dieser oder jener "kleine Chef' oder "Sicherheitsbeamte", dessen Lohn niedriger sein mag als derjenige eines Technikers oder sogar eines qualifizierten Arbeiters, aber dessen Rolle diejenige eines "Kapos" im industriellen Knast ist, als Teil des Proletariats angesehen werden.

 Umgekehrt bedeutet die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse nicht zwangsläufig eine direkte und unmittelbare Beteiligung an der Mehrwertproduktion. Der Lehrer, der den zukünftigen Produzenten ausbildet, die Krankenschwester - oder sogar der Lohn empfangende Arzt (der heute manchmal weniger verdient als ein qualifizierter Arbeiter) (es gibt große Lohnunterschiede zwischen den verschiedenen Ländern)  - die die Arbeitskraft des Proletariers "repariert" (such wenn sie gleichzeitig Bullen, Pfaffen oder Gewerkschaftsfunktionäre, ja sogar Minister pflegt) gehören unbestreitbar zur Arbeiterklasse genauso wie ein Koch in einer Betriebskantine. Selbstverständlich heisst das nicht, dass der einflussreiche Professor an der Universität oder die Krankenschwester, die sich selbständig gemacht haben, gleich zu beurteilen wären. Es ist aber notwendig zu präzisieren, dass die Tatsache, dass die Mitglieder der Lehrerschaft, eingeschlossen die GrundschullehrerInnen (deren ökonomische Situation nun wirklich im allgemeinen nicht gerade glänzend ist), ob bewusst oder unbewusst, freiwillig oder nicht, die bürgerlichen ideologischen Werte vermitteln, sie nicht von der ausgebeuteten und revolutionären Klasse ausschliesst, ebensowenig wie die Metallarbeiter, die Waffen produzieren (5). Im übrigen kann man feststellen, dass im Laufe der Geschichte der Arbeiterbewegung die Lehrer (insbesondere die Grundschullehrer) eine beträchtliche Anzahl von Revolutionären gestellt haben. So wie auch die Arbeiter der Kriegswerften in Kronstadt Teil der Vorhut der Arbeiterklasse während der Russischen Revolution 1917 waren.

 Es ist gleichzeitig zu unterstreichen, dass die grosse Mehrheit der Angestellten auch zur Arbeiterklasse gehört. Wenn wir den Fall einer Verwaltung nehmen wie die Post, so würde niemand auf den Gedanken kommen vorzugeben, dass die Mechaniker, die die Postwagen unterhalten, und die Angestellten, die sie fahren, und ebensowenig diejenigen, die die Postsäcke umladen, nicht zum Proletariat gehörten. Davon ausgehend ist es nicht schwierig zu verstehen, dass sich die Kollegen, die die Briefe austragen oder an den Schaltern arbeiten, um Pakete zu frankieren oder Zahlungsanweisungen entgegenzunehmen, in der gleichen Situation befinden. Deshalb gehören die Angestellten von Banken, Versicherungen, die kleinen Angestellten der Sozialversicherungskassen oder der Steuerverwaltung, deren Status vollkommen gleichwertig mit dem der vorher erwähnten ist, ebenfalls zur Arbeiterklasse. Und man kann nicht einmal ins Feld führen, dass die Letzteren bessere Arbeitsbedingungen hätten als Industriearbeiter, als ein Schlosser oder ein Fräser beispielsweise. Den ganzen Tag hinter einem Schalter oder vor einem Bildschirm eines Computers zu arbeiten, ist nicht weniger mühsam, als eine Werkzeugmaschine zu bedienen, auch wenn man sich dort die Hände nicht schmutzig macht. Zudem wird das, was einer der objektiven Faktoren der Fähigkeit des Proletariates sowohl zum Führen seines Klassenkampfes als auch zum Umsturz des Kapitalismus ausmacht, nämlich der gesellschaftliche Charakter seiner Arbeit, durch die modernen Produktionsbedingungen überhaupt nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil, er wird immer ausgeprägter.

 Weiter erfordert das sich ständig hebende technische Niveau der Produktion eine steigende Anzahl von Leuten, welche die Soziologen "Führungskräfte" (Techniker oder sogar Ingenieure) nennen. Bei den meisten nähert sich ihr sozialer Status und sogar ihr Einkommen demjenigen von qualifizierten Arbeitern an. Es geht dabei überhaupt nicht um ein Phänomen des Verschwindens der Arbeiterklasse zugunsten der "Mittelschichten", sondern umgekehrt um ein Phänomen der Proletarisierung derselben (6) . Deshalb haben die Reden über das "Verschwinden des Proletariats", das aus der steigenden Anzahl von Angestellten oder "Führungskräften" im Vergleich zur Anzahl der "Hand"arbeiter der Industrie resultieren soll, keinen anderen Sinn als zu versuchen, für Verschleierung und Demoralisierung zu sorgen. Ob die Autoren dieser Reden daran glauben oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle: Sie können der Bourgeoisie einen durchaus nützlichen Dienst erweisen auch als Trottel, die nicht einmal fähig sind, sich zu fragen, wer wohl den Kugelschreiber hergestellt hat, mit dem sie ihren Blödsinn verzapfen.

 DIE ANGEBLICHE "KRISE" DER ARBEITERKLASSE

Wenn die Bourgeoisie die Arbeiter demoralisieren will, kann sie nicht alles auf eine Karte setzen. Deshalb paukt sie denjenigen, die der Kampagne vom "Verschwinden der Arbeiterklasse" nicht auf den Leim gehen, ein, die Arbeiterklasse sei "in der Krise". Und eines der Argumente, das für den Beweis dieser Krise entscheidend sein soll, ist der Verlust an Anhängern, den die Gewerkschaften in den letzten zwei Jahrzehnten erlitten. Im Rahmen dieses Artikels können wir nicht auf unsere Analyse zu sprechen kommen, die den bürgerlichen Charakter jeder Form von Gewerkschaft aufzeigt. Gerade die tägliche Erfahrung der Arbeiterklasse, die systematische Sabotage ihrer Kämpfe durch die Organisationen, die vorgeben, sie zu "verteidigen", liefern diesen Beweis (7) . Und gerade diese Erfahrung der Arbeiter ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass sie die Gewerkschaften ablehnen. In diesem Sinn ist diese Ablehnung nicht ein "Beweis" irgendeiner Krise der Arbeiterklasse, sondern im Gegenteil und vor allem ein Ausdruck eines in der Klasse ablaufenden Bewusstseinsprozesses. Eine Veranschaulichung dieser Tatsache - nur eine von tausenden - wird uns geliefert durch die Haltung der Arbeiter während zweier grosser Bewegungen, die in Frankreich im Abstand von 30 Jahren stattgefunden haben.

 Am Ende der Streiks von Mai/Juni 1936, inmitten der tiefsten Konterrevolution, die auf die weltrevolutionäre Welle der ersten Nachkriegszeit folgte, verzeichneten die Gewerkschaften eine Beitrittsbewegung wie nie zuvor. Umgekehrt war das Ende des Generalstreiks im Mai 1968, der das historische Wiederaufleben des Klassenkampfes und den Abschluss jener konterrevolutionären Periode darstellte, gekennzeichnet von zahlreichen Austritten aus den Gewerkschaften, viele Tausende Arbeiter zerrissen ihre Mitgliederkarten.

 Wenn jemand den Mitgliederschwund der Gewerkschaften als Beweis für die Schwierigkeiten der Arbeiterklasse darstellt, dann ist dies eines der sichersten Indizien für die Zugehörigkeit zum bürgerlichen Lager. Dasselbe tritt zu für das angebliche "sozialistische" Wesen der stalinistischen Regimes. Die Geschichte hat gezeigt - u.a. mit dem 2. Weltkrieg -, wie verheerend diese Lüge auf das Bewusstsein der Arbeiter gewirkt hat, die von allen Teilen der Bourgeoisie verbreitet wurde: vom rechten, vom linken und auch dem extrem linken Flügel (Stalinisten und Trotzkisten). In den letzten Jahren haben wir sehen können, wie der Zusammenbruch des Stalinismus als "Beweis" für den endgültigen Bankrott jeder kommunistischen Perspektive gebraucht wurde. Die Lüge vom "proletarischen Charakter der Gewerkschaften" ist im Wesentlichen von der gleichen Art: Zuerst dient sie dazu, die Arbeiter hinter den kapitalistischen Staat zu scharen; dann versucht man, daraus ein Instrument zu machen, das sie demoralisieren und verwirren soll. Es gibt jedoch einen Unterschied hinsichtlich des Einflusses der beiden Lügen: Da es zum Bankrott der stalinistischen Regimes nicht als Folge von Arbeiterkämpfen kam konnte er effizient gegen das Proletariat benützt werden; umgekehrt resultiert das Mißtrauen gegenüber den Gewerkschaften gerade aus den Arbeiterkämpfen, was den Einfluß als demoralisierenden Faktor stark einschränkt. Genau deshalb hat die Bourgeoisie ja auch eine "Basisgewerkschaftsbewegung" aufbauen müssen, die den traditionellen Syndikalismus abzulösen hat. Genau deshalb muss sie Ideologen mit "radikaleren" Allüren fördern, die die gleiche Art von Botschaft übermitteln sollen.

 So sind "Analysen" weit verbreitet worden, werden von den Medien (8) gefördert - wie die von Herrn Alain Bihr, Doktor der Soziologie und Autor u.a. eines Buches mit dem Titel "Du grand soir ä 1'alternative: la crise du mouvement ouvrier europeen" (Die Krise der europäischen Arbeiterbewegung).

 An sich sind die Thesen von Alain Bihr nicht sehr interessant. Der Umstand aber, dass sie seit einiger Zeit Einfluß in Kreisen gewinnen, die sich auf die Kommunistische Linke berufen, von denen wiederum einige nicht davor zurückschrecken, seine "Analysen" (9) ("kritisch",versteht sich) zu übernehmen, veranlasst uns, die Gefahr, die diese darstellen, zu entblößen.

 Alain Bihr präsentiert sich als ein "wahrer" Verteidiger der Arbeiterinteressen. Deshalb behauptet er nicht, dass die Arbeiterklasse dabei sei zu verschwinden. Im Gegenteil, er beginnt mit der Aussage: ".... die Grenzen des Proletariats erstrecken sich heute weit über die traditionelle "Arbeiterschaft" hinaus." Dies tut er aber nur, um seine zentrale Botschaft besser rüberzubringen: "Nun hat man aber im Verlaufe der letzten ca. 15 Jahre der Krise in Frankreich wie in den meisten westlichen Ländern eine zunehmende Zersplitterung des Proletariates beobachtet, die, weil sie dessen Einheit in Frage stellt, darauf hinausläuft, es als gesellschaftliche Kraft zu lähmen." (10)

 So ist das Hauptvorhaben unseres Autoren, aufzuzeigen, dass das Proletariat "in der Krise ist", und dass verantwortlich für diese Situation die Krise des Kapitalismus selber sei, ein Grund, dem man natürlich die soziologischen Änderungen hinzufügen müsse, die die Zusammensetzung der Arbeiterklasse erfahren habe: "Tatsächlich tendieren die laufenden Umwälzungen des Lohnverhältnisses mit ihren globalen Wirkungen der Fragmentierung und des zahlenmäßigen Rückgangs des Proletariats (....) dazu, die beiden proletarischen Charaktere aufzulösen, die ihm seine grossen Bataillone während der fordistischen Periode geliefert haben: einerseits denjenigen des gelernter Arbeiters, den die gegenwärtigen Transformationen tiefgreifend umgestalten, indem die alten Kategorien des gelernten Arbeiters tendenziell verschwinden und gleichzeitig erscheinen neue Kategorien von "Gelernten" in Verbindung mit den neuen automatisierten Arbeitsprozessen; andererseits denjenigen des nicht-qualifizierten bzw. angelernten Arbeiters, der Speerspitze der proletarischen Offensive der 60er und 70er Jahre, indem die angelernten Arbeiter immer mehr durch prekäre Arbeiter in diesen automatisierten Arbeitsprozessen eliminiert und verdrängt wurden" (11). Abgesehen von der schulmeisterlichen Sprache (die den Kleinbürgern, die sich für "Marxisten" halten, Vergnügen bereitet) tischt uns Bihr die gleichen Klischees suf, die uns schon Generationen von Soziologen zugemutet haben: Die Automatisierung der Produktion sei verantwortlich für die Schwächung des Proletariates (da er sich als "Marxist" verstehen will, sagt er nicht das "Verschwinden"), usw. Und er tritt ebenso in ihre Fussstapfen, wenn er vorgibt, dass der Misskredit der Gewerkschaften auch ein Zeichen der "Krise der Arbeiterklasse" sei, da: "Alle Studien, die über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und die prekären Arbeitsbedingungen erstellt wurden, zeigen, dass diese dazu tendieren, die alten Spaltungen und Ungleichheiten im Proletariat (...) zu reaktivieren und zu verstärken. Diese Zersplitterung in derart heterogene Status' hat fatale Auswirkungen auf die Organisations- und Kampfbedingungen gehabt. Das lässt sich zuerst einmal am Scheitern verschiedener Versuche v.a. der Gewerkschaftsbewegung, die Prekarisierten und die Arbeitslosen zu organisieren, (...) erkennen." (12) So setzt uns Bihr, getarnt mit radikaleren Phrasen, mit seinem angeblichen "Marxismus", den gleichen falschen Ramsch vor, mit dem uns alle Flügel der Bourgeoisie bedienen: Die Gewerkschaften seien immer noch "Organisationen der Arbeiterbewegung." (12)

 Hier sieht man, von welchem "Spezialistentypus" Leute wie GS und die Publikationen wie "Perspective Internationaliste (PI)", die mit Sympathie seine Schriften begrüssen ihre Inspirationen beziehen. Es stimmt, dass Bihr, der trotz allem schlau ist, sich bemüht, und um seine Ware durchzuschmuggeln behauptet, das Proletariat könne trotz allen seinen aktuellen Schwierigkeiten diese überwinden, indem es sich "neuzusammensetzt". Aber die Art, wie er dies vorträgt, zielt eher darauf ab, vom Gegenteil zu überzeugen. "Die Veränderungen im Lohnabhängigkeitsverhältnis stellen die Arbeiterbewegung also vor eine doppelte Herausforderung: Es zwingt sie gleichzeitig, sich einer neuen gesellschaftlichen Basis anzupassen (an eine neue "technische" und "politische" Zusammensetzung der Klasse) und eine Synthese zu vollziehen zwischen heterogenen Kategorien wie den "neuen Fachkräften" und den "Prekarisierten", eine Synthese, die viel schwieriger ist, als die zwischen angelernten und gelernten Arbeitern während der fordistischen Periode".(13) "Die faktische Schwächung des Proletariats und des Gefühls der Klassenzugehörigkeit, kann so Wege der Neuzusammensetzung einer auf anderen Grundlagen vorstellbaren kollektiven Identität öffnen."(14)

 Nach den Tonnen von Argumenten - in ihrer Mehrzahl speziell aufgeführt, um den Leser zu überzeugen, dass alles schlecht gehe für die Arbeiterklasse - nachdem die Gründe "aufgezeigt" wurden für diese "Krise", welche zu suchen seien in der Automatisierung sowie im Zusammenbrechen der kapitalistischen Produktion und un Anstieg der Arbeitslosigkeit, alles Phänomene, die sich nur verschlimmern können, schliesst er mit der lapidaren Behauptung: "Es wird besser ... vielleicht! Aber es stellt eine sehr schwere Herausforderung dar". Wenn man das Geschwätz von Bihr heruntergeschluckt hat und immer noch glaubt, dass es für die Arbeiterklasse und ihren Kampf eine Zukunft gibt, kann man nur ein glücklicher und unverbesserlicher Optimist sein. Gut gespielt Doktor Bihr: Eure grosse Schlauheit hat die Einfaltspinsel, die "PI" publizieren, eingefangen, die sich als die wahren Verteidiger der kommunistischen Prinzipien aufspielen, welche die IKS in den Abfall geworfen haben soll.

 Es stimmt, dass die Arbeiterklasse während den letzten Jahren bei der Entwicklung ihrer Kämpfe und ihres Bewusstseins auf einige Schwierigkeiten gestossen ist. Unsererseits haben wir nie gezögert, auf diese Schwierigkeiten einzugehen entgegen den Vorwürfen, die uns die Skeptiker vom Dienst anlasten, die FECCI heissen - die ihre Arbeit als Verwirrungstifter leisten - aber auch "Battaglia Comunista" - die dies weniger tun, weil sie eine Organisation vom politisch-proletarischen Millieu sind. Aber gleichzeitig haben wir, und dies ist das Mindeste was man von Revolutionären erwarten kann, auf der Basis einer Analyse des Ursprungs der Schwierigkeiten, denen das Proletariat begegnet, hervorgehoben, was die Voraussetzungen sind, um sie zu überwinden. Und wenn man einigermassen ernsthaft die Entwicklung der Arbeiterkämpfe im letzten Jahrzehnt untersucht, springt es einem in die Augen, dass die jetzige Schwäche sich nicht mit der Abnahme der Bestände des "traditionellen" Arbeiters, der "Blaukragen", erklären lässt. So sind in den meisten Ländern die Arbeiter von der Post oder der Telekommunikation vielfach die kämpferischsten. Das Gleiche gilt für die Arbeiter des Gesundheitswesens. In Italien waren es 1987 die Arbeiter in den Schulen, die die wichtigsten Kämpfe ausfochten. Wir könnten weitere Beispiele aufführen, die aufzeigen, dass nicht nur das Proletariat sich nicht auf die "Blaukragen" , auf die "Traditionellen" der Industrie, sondern auch seine Kampfkraft sich nicht auf jene beschränkt.

 Aus diesen Gründen haben wir unsere Analyse nicht auf die soziologischen Betrachtungen ausgerichtet, die gut sind für Akademiker oder Kleinbürger, die damit wenig über die Schwierigkeiten der Arbeiterklasse aussagen, dafür umso mehr über ihre eigenen.

 DIE WIRKLICHEN SCHWIERIGKEITEN DER ARBEITERKLASSE UND DIE VORAUSSETZUNGEN ZU IHRER ÜBERWINDUNG

 Wir können im Rahmen dieses Artikels nicht auf die gesamte Analyse zurückkommen, die wir im Verlauf der letzten Jahre über die internationale Situation erstellt haben. Der Leser kann sie in praktisch allen Nummern unserer Revue während dieser Periode und insbesondere in den Thesen und Beschlüssen unserer Organisation nach 1989 wiederfinden (15). Die Schwierigkeiten, die das Proletariat heute durchmacht, der Rückgang seiner Kampfbereitschaft und der Rückfluss seines Bewusstseins (Schwierigkeiten, auf die sich einige stützen, um die "Krise" der Arbeiterklasse zu diagnostizieren) sind der IKS nicht entgangen. Insbesondere haben wir hervorgehoben, dass die Arbeiterklasse während den ganzen 80er Jahren dem schwerer drückenden allgemeinen Zerfall der kapitalistischen Gesellschaft ausgesetzt war. Dies begünstigte die Verzweiflung, die Atomisierung, das "jeder für sich", und versetzte der allgemeinen Perspektive des proletarischen Kampfes und der Klassensolidarität harte Schläge. Das wiederum erleichterte die gewerkschaftlichen Manöver, die die Arbeiterkämpfe korporatistisch einbinden. Trotzdem, und das ist ein Ausdruck der Lebendigkeit des Arbeiterkampfes, ist es dem ständigen Gewicht des Zerfalls bis 1989 nicht gelungen, die Kampfwelle, die 1983 in Belgien im öffentlichen Dienst ausgelöst wurde, zu meistern. Ganz im Gegenteil beobachteten wir in dieser Phase eine zunehmende Tendenz, die Gewerkschaften über Bord zu werfen, die umgekehrt gezwungen wurden, die Hauptrolle mehr und mehr den radikaleren "Basisgewerkschaften" zu überlassen, um ihre Sabotagearbeit weiterführen zu können.(16)

 Diese Welle der Arbeiterkämpfe wurde während den weltverändernden Umwälzungen des Jahres 1989 zum Versiegen gebracht. Einige (im allgemeinen die Gleichen, die während der 80er Jahre keine Kämpfe gesehen haben) haben die Auffassung vertreten, dass der Zusammenbruch des Ostblockes 1989 (bis heute der wichtigste Ausdruck der Zerfalls des Kapitalismus) die Bewusstwerdung der Arbeiterklasse begünstigen würde. Wir haben nicht gezögert, auf das Gegenteil hinzuweisen.(17) In der Folge, vor allem 1990-91 während der Golf-Krise und des Krieges, nachher beim Putsch in Moskau, der auf den Zusammenbruch der UdSSR folgte, haben wir aufgezeigt, dass diese Ereignisse den Klassenkampf beeinflussen, die Widerstandsfähigkeit des Proletariats gegenüber den wachsenden Angriffen des Kapitals schwächen.  

Aus diesen Gründen sind die Schwierigkeiten, die die Arbeiterklasse in dieser Periode durchmacht, uns weder entgangen, noch haben sie unsere Organisation überrascht. Trotzdem haben wir bei der Analyse der Gründe (die nichts zu tun haben mit dem mythologischen Bedürfnis "der Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse"), gleichzeitig die Mittel hervorgehoben, die der Arbeiterklasse ermöglichen, diese Schwierigkeiten zu überwinden.  

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf ein Argument zurückzukommen, das Herr Bihr benutzt, um die Vorstellung glaubwürdig zu machen, die Arbeiterklasse stecke in einer Krise: Die Krise und die Arbeitslosigkeit hätten "das Proletariat fragmentiert" , indem "die alten Spaltungen und Ungleichheiten verstärkt". Um sein Vorhaben darzustellen und "das Mass vollzumachen", liefert uns Bihr eine ganze Liste dieser "Fragmente": "Diejenigen, die noch einen "festen und garantierten" Arbeitsplatz haben", "die von der Arbeit bzw. vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen", "die fliessende Masse der prekären Arbeiter". Bei letzteren unterscheidet er genüsslich noch einige Unterkategorien: "die Arbeiter der Subunternehmen, "die Teilzeitbeschäftigten, "die Temporärarbeiter", "die Umschüler, Auszubildenden und Schwarzarbeiter"(18). Was der Herr Doktor Bihr uns als Argument vorträgt, ist nichts anderes als eine fotografische Feststellung, die mit seiner reformistischen Anschauung gut zusammenpasst.(19) Es stimmt, dass die herrschende Klasse vorerst ihre Angriffe selektiv ausführte, um das Ausmass der Antwort der Arbeiterklasse einzuschränken. Es stimmt weiter, dass die Arbeitslosigkeit, insbesondere die der Jungen, ein Faktor der Erpressung für einige Sektoren der Arbeiterklasse gewesen ist. Während einer Passivität verstärkt sie die zerstörerische Stimmung der sozialen Zersetzung und des "jeder für sich". Inzwischen wird die Krise selber, ihre unvermeidliche Verschärfung, die Aufgabe übernehmen, die Bedingungen der verschiedenen Sektoren der Arbeiterklasse mehr und mehr nach unten auszugleichen. Insbesondere die "Spitzen"-Sektoren (Informatik, Telekommunikation, etc.), die scheinbar der Krise entronnen waren, werden heute voll durchgeschüttelt, und ihre Arbeiter werden in die gleiche Situation geschleudert, wie jene der Eisenhüttenindustrie und der Automobilbranche. Es sind heute die grössten Unternehmen (wie IBM), die massenhaft entlassen. Gleichzeitig und entgegen der Tendenz des letzten Jahrzehnts nimmt die Arbeitslosigkeit der reiferen Arbeiter, die schon eine kollektive Erfahrung der Arbeit und des Kampfes haben, schneller zu als die der Jungen. Diese Entwicklung der Arbeitslosigkeit schränkt die damit verbundene bisherige Atomisierung . Selbst wenn der Zerfall ein Hindernis für die Entwicklung der Kämpfe und des Bewusstseins in der Klasse darstellt, stellt das offensichtliche und immer brutaler werdende Scheitern der kapitalistischen Wirtschaft mit der Folge von Angriffen auf die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse, das bestimmende Element der aktuellen Situation dar für die Wiederaufnahme der Kämpfe und für die Bewusstwerdung seiner selbst. Offensichtlich kann man dies nicht verstehen, wenn man sich, wie es die reformistische Ideologie tut, weigert, jegliche revolutionäre Perspektive in Betracht zu ziehen, und meint, dass die Krise eine "Krise der Arbeiterklasse" auslöse. Aber noch einmal haben die Ereignisse selbst die Aufgabe übernommen, die Gültigkeit des Marxismus und die Nichtigkeit der Ausgeburten der Soziologen, zu unterstreichen. Die riesigen Kämpfe des italienischen Proletariats 1992 gegenüber gewaltsamen ökonomischen Angriffen ohnegleichen haben einmal mehr bewiesen, dass das Proletariat nicht tot ist. Es ist noch nicht verschwunden und hat auch nicht auf den Kampf verzichtet, selbst wenn es wie vorrausehbar, die Schläge, die ihm in den letzten Jahren zugesetzt wurden, noch nicht verdaut hat. Diese Kämpfe sind nicht dazu bestimmt, Strohfeuer zu bleiben. Sie kündigen nur (wie es die Arbeiterkämpfe im Mai 1968 in Frankreich getan hatten, gerade vor einem Vierteljahrhundert) eine Erneuerung der allgemeinen Kampfhereitschaft der Arbeiter an. Ein Wiederbeginn des Vorwärtschreitens des Proletariats in Richtung Bewusstwerdung der Bedingungen und der Ziele für die Abschaffung des Kapitalismus. Zum Missfallen all derer, die ehrlich oder heuchlerisch über die "Krise der Arbeiterklasse" und ihre "notwendige Neuzusammensetzung" jammern.

 FM, aus International Review Nr. 74, 1993

 (1) Das Auto ist unverzichtbar, um zur Arbeit zu gelangen oder Einkäufe zu machen, denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind unzureichend und die zurückzulegenden Distanzen immer grösser. Auf einen Kühlschrank kann man nicht verzichten, da Nahrungsmittel zu günstigen Preisen oft nur in grossen Mengen zu kaufen sind und man dies nicht täglich machen kann. Was den Fernseher betrifft, der dargestellt wurde als das Symbol für den Eintritt in die "Konsumgesellschaft", und der ausserdem vor allem ein Instrument der Propaganda und Verdummung in den Händen der Bourgeoisie ist (als "Opium für das Volk" hat er vortrefflich die Religion abgelöst), ihn findet man heute in vielen Wohnungen in den Slums der Dritten Welt, was genug besagt über den Wertverlust eines Artikels wie diesen.

(2) Marx bezeichnete als Mehrwertrate oder Ausbeutungsrate das Verhältnis zwischen M und V. M stellt den Mehrwert in Arbeitswert dar (die Anzahl Stunden pro Arbeitstag, die sich der Kapitalist aneignet), und V das variable Kapital, das heisst der Lohn (die Anzahl Stunden, während denen ein Arbeiter den Gegenwert seines Lohnes produziert). Dies ist ein Indiz, welches erlaubt, den Grad der Ausbeutung in objektiven ökonomischen Begriffen und nicht subjektiv festzulegen.

 (3) Selbstverständlich richtet sich diese Behauptung gegen die Lügen der angeblichen "Verteidiger der Arbeiterklasse" wie der Sozialdemokraten und Stalinisten, die durch ihre Ministerposten eine lange Erfahrung der Repression und Mystifizierung gegenüber den Arbeitern haben. Wenn ein Arbeiter "seinen Stand verlässt", einen Gewerkschaftsposten annimmt, Stadtrat, Bürgermeister, Abgeordneter oder Minister wird, dann hat er mit seiner ursprünglichen Klasse nichts Gemeinsames mehr.

 (4)Es ist selbstverständlich sehr schwierig (wenn nicht sogar unmöglich), dieses Niveau genau festzulegen, da es in den verschiedenen Ländern oder Zeitabschnitten unterschiedlich sein kann. Das Wichtige jedoch ist zu wissen, dass in jedem Land (oder einer Gemeinschaft von Ländern mit etwa gleichgestellter ökonomischer Entwicklung und Produktivität der Arbeit) eine solche Schwelle existiert, die zwischen dem Gehalt eines qualifizierten Arbeiters und dem der Führungskräfte liegt.

 (5) Für eine breiter dargelegte Analyse über produktive und unproduktive Arbeit sei auf unsere Broschüre "Die Dekadenz des Kapitalismus" (S. 30 ff. in der deutschsprachigen Ausgabe) verwiesen.

 (6) Es ist hingegen festzuhalten, dass gleichzeitig ein bestimmter Anteil des Kaders mit steigenden Einkommen entlöhnt wird, was schliesslich zu seiner Integration in die herrschende Klasse führt.

 (7)Für die vertiefte Analyse über den bürgerlichen Charakter der Gewerkschaften siehe unsere Broschüre "Die Gewerkschaften gegen Arbeiterklasse ".

 (8)Z.B. Le Monde Diplomatique, eine humanistische französische Monatszeitung, die auf die Befürwortung eines Kapitalismus "mit menschlichem Antlitz" spezialisiert ist, publiziert oft Artikel von Alain Bihr. So findet man in der Ausgabe vom März 91 einen Text dieses Autors mit dem Titel "Regression des droits sociaux, a~`'aiblissement des syndicats, le prol~tariat dans tous ses eclats" (Rückgang der sozialen Rechte, Schwächung der Gewerkschaften, das Proletariat am einanderfliegen).~So kann man in der Nr. 22 von Perspective Internationaliste, dem Organ der "Externen (sic!) Fraktion der IKS", einen Beitrag von GS lesen (der, ohne dass sein Autor Mitglied der EFIKS wäre, im Wesentlichen ihre Zustimmung findet) mit dem Titel "La necessaire recomposition du proletariat" (Die notwendige Neuzusammensetzung des Proletariats), einen Artikel, der ausführlich aus dem meistgelesenen Buch von Bihr zitiert, um seine Behauptungen zu stützen.

 (10) Le Monde Diplomatique, März 1991. (11) “Du Grand Soir ...

 (12) Le Monde Diplomatique, März 1991. (13) “Du grand soir ...

 (14) Le Monde Diplomatique, März 1991

 (15) Nachzulesen in Internationale Revue (engl., franz., span.) Nr. ~O6)63 67, 70 und in dieser Nummer

 (16) Offensichtlich, wenn man die Gewerkschaften, wie das Dr. Bihr macht, für Organe der Arbeiterklasse hält und nicht der Bourgeoisie, werden die Fortschritte, die der Arbeiterkampf gemacht hat, in Rückschritte verwandelt. Es ist allerdings seltsam, dass Leute wie die Mitglieder der FECCI, die den bürgerlichen Charakter der Gewerkschaften anerkennen, ihm bei dieser Einschätzung folgen.

 Zu lesen in 'Zunahme der Schwierigkeiten für die Arbeiterklasse", in der lnternationalen Revue, Nr. 60 (engl., franz., span.), auf deutsch in Internationale Revue Nr. 11.

 (18) Le Monde Diplomatique, März 1991

 (19) Eine der beliebtesten Phrasen von Alain Bihr ist: "Der Reformismus ist eine zu ernste Sache um sie den Reformisten zu überlassen ". Wenn er sich zufällig für einen Revolutionär hält, legen wir hier Wert darauf, ihn zu widerlegen.

 Internationale Revue Nr. 14 & 15

1993 & 1994

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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