Deutsche Revolution, Teil X

Der Rückfluss der revolutionären Welle und die Entartung der Kommunistischen
Internationalen

Mit der erfolgreichen Machtübernahme im Oktober 1917
hatte die russische Arbeiterklasse ein Zeichen gesetzt, das weltweite
Ausstrahlungskraft haben sollte. Sofort griffen die Arbeiter der benachbarten
Länder das Beispiel der russischen Arbeiterklasse auf. Schon im November 1917
traten die finnischen Arbeiter in den Kampf. Die tschechischen Provinzen, Polen
Österreich, Rumänien und Bulgarien wurden im Laufe des Jahres 1918 von einer
Streikwelle nach der anderen erschüttert. Als dann im November die deutschen
Arbeiter auf die Bühne traten, hatte die revolutionäre Welle ein Land erfasst,
das für den weiteren Verlauf der Kämpfe, für Sieg oder Niederlage der
Weltrevolution von ausschlaggebender Bedeutung war.

Durch die unverzügliche Beendigung des Krieges im November
1918, durch die Sabotage von Sozialdemokratie und Gewerkschaften in engster
Abstimmung mit dem Militär und schließlich durch die Provokation eines
verfrühten Aufstandes gelang es der deutschen Bourgeoisie und ihren
“demokratischen” Kräften, eine erfolgreiche Machtübernahme durch die deutsche
Arbeiterklasse und somit die weitere Ausdehnung der russischen Revolution zu
verhindern.

Die Vereinigung der internationalen Bourgeoisie gegen die revolutionäre Welle

Die Gründung einer Räterepublik in Ungarn im März, die
Streikwelle in Frankreich im Frühjahr, die Erhebungen in der slowakischen
Republik im Juni und die schweren Kämpfe in den USA und in Argentinien – alle
diese Erhebungen in Europa und auf anderen Kontinenten im Jahre 1919 fanden
erst statt, nachdem die Revolution in Deutschland bereits einen herben
Rückschlag erlitten hatte. Da es dem Dreh- und Angelpunkt bei der weltweiten
Ausdehnung der Revolution, der Arbeiterklasse in Deutschland, nicht gelang, die
Kapitalistenklasse in einem schnellen Sturmlauf wegzufegen, verlor diese Welle
ab 1919 langsam ihre Dynamik. Zwar leisteten die Arbeiter in einer Reihe von
Konfrontationen – so in Deutschland selbst (Kapp-Putsch im März 1920), so in
Italien im Herbst 1920 – noch heldenhaften Widerstand gegen die Offensive der
Bourgeoisie, doch konnten diese Kämpfe die Bewegung nicht mehr vorwärts tragen.

Zuvorderst hatten es diese Kämpfe nicht vermocht, die
Offensive des Kapitals gegen die isolierte russische Bastion der Weltrevolution
zu durchbrechen. Im Frühjahr 1918 hatte dieselbe russische Bourgeoisie, die
noch im Oktober 1917 so schnell und nahezu gewaltlos davongejagt worden war,
mit der Unterstützung von 14 Armeen der “demokratischen” Staaten begonnen,
einen Bürgerkrieg gegen die russische Revolution zu entfachen. In einem mehr
als dreijährigen Krieg, bei gleichzeitiger Wirtschaftsblockade mit dem Ziel des
Aushungerns, wurde die russische Arbeiterklasse von den “weißen” Armeen der
kapitalistischen Staaten ausgeblutet. Zwar blieb die militärische Offensive der
“Roten Armee” im Laufe dieses Krieges siegreich, doch wurden die russischen
Arbeiter zu einem Krieg gezwungen, in dessen Verlauf sie isoliert sengenden und
mordenden imperialistischen Armeen gegenüberstanden. Am Ende der jahrelangen
Blockade und des Bürgerkrieges, Ende 1920, war die russische Arbeiterklasse
ausgeblutet (eine Million Tote in ihren Reihen), erschöpft und vor allem
politisch enorm geschwächt.

Ende 1920, als die deutschen Arbeiter bereits ihre erste Niederlage
eingesteckt hatten, als die italienischen Arbeiter in die Falle der
Fabrikbesetzungen gelaufen waren, als die Rote Armee auf ihrem Vormarsch in
Polen zurückgeschlagen worden war, wurde den Kommunisten klar, dass die
Hoffnung auf eine schnelle Ausdehnung der Revolution sich nicht erfüllen
sollte. Auch die Kapitalistenklasse spürte, dass die unmittelbare Todesgefahr,
die die Erhebung der deutschen Arbeiterklasse für sie bedeutete, einstweilen
gebannt war.

Die Ausdehnung der revolutionären Welle war vor allem
vereitelt worden, weil die Kapitalistenklasse rasch die Lehren aus der
Machtergreifung durch die russischen Arbeiter gezogen hatte.

Die historische Erklärung sowohl der explosiven Entwicklung
der Revolution als auch ihrer schnellen Niederlage liegt in der Tatsache
begründet, dass diese revolutionäre Welle, entgegen der Erwartung von Marx,
nicht aus einer allgemeinen Wirtschaftskrise, sondern aus einem
imperialistischen Krieg hervorgegangen war. Anders als 1939 war die
Arbeiterklasse vor dem I. Weltkrieg nicht entscheidend geschlagen worden. So
war sie, trotz des gegenseitigen Abschlachtens an der Front, in der Lage, eine
revolutionäre Antwort auf die vom Imperialismus verursachte Barbarei zu
liefern. Doch dem Krieg und der Fortsetzung der Massaker konnte nur ein Ende
gemacht werden, indem die Arbeiterklasse schnell und entschlossen die Macht
ergriff. Daher hatte sich die Revolution, sobald sie einmal ausgelöst war, mit
großer Schnelligkeit entwickelt und ausgeweitet. Infolgedessen erwartete das revolutionäre
Lager zumindest in Europa einen schnellen Erfolg der Revolution.

Nun ist die Bourgeoisie zwar unfähig, die Wirtschaftskrise
ihres Systems zu beenden, doch ist sie allemal in der Lage, einen
imperialistischen Krieg zu beenden, sofern die Revolution droht. Und genau dies
tat sie, als die revolutionäre Welle im November 1918 das Herz des
Weltproletariats, die deutsche Arbeiterklasse, erreicht hatte. Auf diese Weise
vermochten die Ausbeuter die Dynamik der revolutionären Ausdehnung zu bremsen.

Die Bilanz der revolutionären Welle von 1917 bis 1923 zeigt
sehr deutlich, dass der Weltkrieg schon lange vor der Entwicklung der
Atomwaffen mit ihrem zerstörerischen Potenzial relativ ungünstige
Rahmenbedingungen für den Erfolg der proletarischen Revolution schuf. Wie Rosa
Luxemburg in der Junius-Broschüre aufzeigte, bedeutete das Abschlachten
von Millionen von Arbeitern, auch und gerade der Erfahrensten und Bewusstesten
unter ihnen, in einem modernen Krieg eine unmittelbare Bedrohung der Grundlagen
für den Sieg des Sozialismus. Darüber hinaus schafft der Krieg unterschiedliche
Kampfbedingungen für die Arbeiter – je nachdem, ob sie in einem Siegerland,
einem neutralen oder einem besiegten Land leben. Es war kein Zufall, dass die
revolutionäre Welle am stärksten in den besiegten Ländern, in Russland,
Deutschland, Österreich-Ungarn, aber auch in Italien (das nur formell dem Lager
der Sieger angehörte), zum Ausdruck kam und weit weniger stark war in Ländern
wie Frankreich, England und den USA. Den Siegermächten gelang es nicht nur,
ihre Wirtschaft durch Beutegut aus den besiegten Ländern zu stabilisieren,
sondern sie vermochten auch viele Arbeiter mit dem Bazillus der
‚Siegeseuphorie‘ zu infizieren. In gewisser Weise gelang es ihnen sogar, das
Feuer des Chauvinismus neu zu entfachen. So richtete das nationalistische Gift,
das während des Krieges von der herrschenden Klasse gegen die weltweite
Solidarität mit der Oktoberrevolution und gegen den wachsenden Einfluss der
internationalistischen Revolutionäre verbreitet wurde, noch nach Beginn der
Revolution große Schäden an. Die revolutionäre Bewegung in Deutschland liefert
hierfür klare Beweise: der Einfluss des extremistischen Nationalismus, für den
die “Nationalbolschewisten” unter dem Etikett des “Linkskommunismus” während
des Krieges in Hamburg eintraten und antisemitische Flugblätter gegen die
Spartakisten verteilten, weil diese eine internationalistische Position
verteidigten; die patriotischen Gefühlsaufwallungen, die nach der
Unterzeichnung des Versailler Vertrages aufgekommen waren; der nach der
Ruhrgebietsbesetzung von 1923 gegen Frankreich gerichtete Chauvinismus usw. Wie
wir in weiteren Folgen dieser Artikelserie zeigen werden, schickte sich die
Kommunistische Internationale in ihrer opportunistischen Niedergangsphase an,
diese Welle des Nationalismus noch zu übertreffen, statt ihr entgegenzutreten.

Aber die Intelligenz und Hinterlist der deutschen
Bourgeoisie wurde nicht nur darin deutlich, dass sie sofort den Krieg beendete,
nachdem die Arbeiter zum Sturm gegen den bürgerlichen Staat antraten. Im
Gegensatz zur russischen Arbeiterklasse, die es mit einer unerfahrenen und
schwachen Bourgeoisie zu tun hatte, stand die deutsche Arbeiterklasse einer
vereinten Front des Kapitals, mit der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften
als Speerspitze, gegenüber. 

Unter Ausnutzung der noch vorhandenen demokratischen
Illusionen unter den Arbeitern und der durch das Kriegsende eingetretenen
Spaltung zwischen “Siegermächten” und “Besiegten” vermochte die
Kapitalistenklasse mit einer Reihe von politischen Schachzügen und
Provokationen die Arbeiterklasse in die Sackgasse zu führen und zu besiegen.

Die Ausdehnung der Revolution war gestoppt worden. Die
Bourgeoisie konnte, nachdem sie die erste Welle von Erschütterungen überlebt
hatte, zur Offensive übergehen. Sie setzte alles daran, das Kräfteverhältnis zu
ihren Gunsten zu wenden. Untersuchen wir, wie die Revolutionäre auf den Rückzug
des Klassenkampfes reagierten und welche Konsequenzen dies für die
Arbeiterklasse in Russland hatte.

Die Entwicklung der Komintern vom II. zum III. Kongress

Nachdem die deutsche Arbeiterklasse im November 1918 in
Bewegung geraten war, ergriffen die Bolschewiki bereits einen Monat später die
Initiative, um eine internationale Konferenz einzuberufen. Damals gingen die
meisten Revolutionäre davon aus, dass die Machtergreifung in Deutschland
ähnlich schnell und erfolgreich durchgeführt werden könne wie in Russland. So
wurde im Einladungsschreiben der Tagungsort Deutschland (legal) bzw. Holland
(illegal) für den 1. Februar 1919 ins Auge gefasst. Niemand dachte zur
damaligen Zeit daran, die Konferenz in Moskau abzuhalten. Erst die
Niederschlagung der Berliner Arbeiter im Januar, die Ermordung der
revolutionären Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und die damit
verbundene Repression der sozialdemokratisch angeführten Freikorps gegen die
Revolutionäre machten ein Treffen in Berlin unmöglich. Erst daraufhin wurde
Moskau als Tagungsort ins Spiel gebracht. Als im März 1919 die Komintern
gegründet wurde, schrieb Trotzki in der Iswestija: “Wenn sich heute
das Zentrum der Internationalen in Moskau befindet, so wird es morgen – wir
sind davon zutiefst überzeugt – sich gegen Westen, in Richtung Berlin, Paris,
London verlagern.”
(29. April 1919)

Gemäß aller revolutionären Organisationen sollte die Politik
der Kommunistischen Internationale von den Interessen der Weltrevolution
bestimmt werden. Die ersten Debatten auf dem Kongress waren durch die Situation
in Deutschland geprägt. Im Vordergrund stand die Rolle der Sozialdemokratie bei
der Niederschlagung der Arbeiterkämpfe im Januar und die Notwendigkeit, diese
Partei als eine kapitalistische Partei zu bekämpfen.

Trotzki schrieb im oben zitierten Artikel ferner: “Das
revolutionäre
‚Erstgeburtsrecht‘ des russischen Proletariats ist nur
vorübergehend (...) Die Diktatur des russischen Proletariats wird erst
endgültig abgeschafft und sich in einen tatsächlichen allgemeinen
sozialistischen Aufbau verwandeln können, wenn die europäische Arbeiterklasse
uns vom wirtschaftlichen und vor allem militärischen Joch der europäischen
Bourgeoisie befreien wird (...)”
(Trotzki, Iswestija, 29. April / 1.
Mai 1919) Und: “Wenn sich die Völker Europas nicht erheben und den
Imperialismus zerschmettern, werden wir zerschmettert werden – das steht außer
Zweifel. Entweder die russische Revolution entfesselt den Wirbelsturm des
Kampfes im Westen – oder die Kapitalisten aller Länder ersticken unseren
Kampf.”
(II. Weltkongress)

Nachdem binnen kürzester Zeit etliche Parteien der Komintern
beigetreten waren, stellte man auf dem II. Weltkongress fest: “(...) unter
gewissen Umständen kann für die Komintern die Gefahr entstehen, dass sie durch
wankelmütige Gruppen verwässert wird, die eine Politik der Halbheiten treiben
und sich von der Ideologie der 2. Internationalen noch nicht frei gemacht haben
(...) Deshalb erachtet es der II. Weltkongress der Komintern für notwendig,
ganz genaue Bedingungen für die Aufnahme von neuen Parteien festzusetzen.”

Auch wenn die Komintern in der Hitze des Feuers gegründet
wurde, machte sie in den zentralen Themen wie der Ausdehnung der Revolution,
der Machtübernahme, der schärfsten Abgrenzung von der Sozialdemokratie oder der
Entlarvung der bürgerlichen Demokratie klare Aussagen. Dagegen ließ sie Fragen
wie die Gewerkschafts- oder Parlamentarismusfrage offen.

Die Mehrheit in der Komintern trat für die Teilnahme an den
Parlamentswahlen ein. Gleichwohl gab es keine ausdrückliche Verpflichtung dazu,
da eine starke Minderheit (insbesondere die Gruppe um Bordiga, die damals unter
dem Namen ‚Abstentionistische Fraktion‘ bekannt wurde) sich vehement gegen
diese Orientierung ausgesprochen hatte.

Dagegen verpflichtete die Komintern ihre Mitglieder zur
Arbeit innerhalb der Gewerkschaften. Die KAPD-Delegierten, die in völlig
verantwortungsloser Manier bereits vor der Eröffnung des Kongresses wieder
abgereist waren, versäumten es, es den italienischen Genossen gleich zu tun und
ihren Standpunkt zu diesen Fragen auf dem Kongress vorzubringen.

Dreh- und Angelpunkt der Debatte, die schon vor dem Kongress
mit der Veröffentlichung von Lenins Werk Der Linksradikalismus –
Kinderkrankheit des Kommunismus
eingeleitet worden war, war die Frage der
Kampfmethoden in der neuen Ära der kapitalistischen Dekadenz. In dieser
politischen Auseinandersetzung entstand der Linkskommunismus.

Hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Kämpfe verbreitete
der II. Kongress noch Optimismus. Alle erwarteten im Sommer 1920 ein weiteres
Anwachsen der revolutionären Kämpfe. Doch nach der Niederlage im Herbst 1920
sollte sich das Blatt wenden.

Der rückläufige Klassenkampf verlieh dem Opportunismus Auftrieb

In den “Thesen zur Weltlage und die Aufgaben der
Kommunistischen Internationale” auf dem III. Weltkongress analysierte die
Komintern die Lage folgendermaßen: “Während des Jahres zwischen dem II. und
III. Kongress der Komintern endete eine Reihe von Aufständen und Kämpfen der
Arbeiterklasse z.T. mit Niederlagen (die Offensive der Roten Armee gegen
Warschau im August 1920, die Bewegung des italienischen Proletariats im
September 1920, der Aufstand der deutschen Arbeiter im März 1921). Die erste
Periode der revolutionären Bewegung nach dem Kriege (...) erscheint als im
Wesentlichen abgeschlossen. Die Führer der Bourgeoisie (...) sind in allen
Ländern zur Offensive gegen die Arbeitermassen übergegangen. Infolgedessen
stellt die Kommunistische Internationale sich und der ganzen Arbeiterklasse
folgende Fragen: In welchem Ausmaß entspricht das neue politische Verhältnis
der Bourgeoisie zum Proletariat dem tatsächlichen Kräfteverhältnis? Ist die
Bourgeoisie wirklich nahe daran, das soziale Gleichgewicht wiederherzustellen,
das durch den Krieg zerstört worden ist? Ist es begründet anzunehmen, dass
anstelle politischer Erschütterungen und Klassenkämpfe eine neue, lang
andauernde Epoche der Wiederherstellung und des Wachstums des Kapitalismus
eintreten werde? Folgt daraus nicht die Notwendigkeit der Revision des
Programms oder der Taktik der Kommunistischen Internationalen?” (S. 9)

Und in den Thesen über die Taktik wurde folgende
Vorgehensweise vorgeschlagen: “Die Weltrevolution (...) wird eine längere
Periode von revolutionären Kämpfen in Anspruch nehmen (...) Die Weltrevolution
ist kein gradlinig fortschreitender Prozess.”

Die Komintern versuchte auf verschiedene Weise, sich auf
diese neue Situation einzustellen.

Der Schlachtruf ‚Zu den Massen!‘ – ein Schritt zur opportunistischen
Verwirrung

In einem früheren Artikel sind wir bereits auf die
sogenannte Offensivtheorie eingegangen.

Ein Teil der Komintern und große Kreise der Revolutionäre in
Deutschland drängte auf eine “Offensive”, auf einen “Befreiungsschlag”
zugunsten Russlands. Diese Kräfte ummantelten ihre abenteuerlichen Handlungen
mit einer “Offensivtheorie”, derzufolge die Partei, wenn sie nur entschlossen
und mutig genug sei, sich ungeachtet des Kräfteverhältnisses und der
Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit in einen Ansturm auf
das Kapital stürzen könne.

Doch die Geschichte hat gezeigt, dass man die proletarische
Revolution nicht künstlich entfachen und die mangelnde Initiative und fehlende
Kampfbereitschaft der Klasse nicht durch die Partei ersetzen kann. Auch wenn
die Komintern auf ihrem III. Weltkongress im Juli 1921 das Abenteurertum der
KPD schließlich verwarf, so benutzte sie dennoch selbst opportunistische
Mittel, um größeren Einfluss unter den rückständigen Arbeitern zu erlangen. “‘Zu
den Massen‘ – das ist die erste Kampflosung, die der III. Kongress den
Kommunisten aller Länder zuruft.”
Wenn die Massen weiter auf der Stelle
träten, müsse man sich eben selbst zu den Massen hin bewegen.

Um einen größeren “Masseneinfluss” zu erlangen, hatte die
Komintern im Herbst 1920 auf die Gründung von Massenparteien in etlichen
Ländern gedrängt. In Deutschland wurde im Dezember 1920 der linke Flügel der
zentristischen USPD mit der KPD zur VKPD zusammengeschlossen (die somit etwa
400.000 Mitglieder umfasste); im Herbst 1920 wurde die tschechische KP mit
350.000 Mitgliedern und die französische KP mit ca. 120.000 Mitgliedern in die
Komintern aufgenommen.

“Die Komintern hat vom ersten Tage ihrer Bildung an klar und
unzweideutig sich zum Zwecke gesetzt nicht die Bildung kleiner, kommunistischer
Sekten, (...) sondern die Teilnahme an dem Kampfe der Arbeitermassen, die
Leitung dieses Kampfes in kommunistischem Sinne und die Bildung im Kampfe
erprobter, großer revolutionärer, kommunistischer Massenparteien. Die Komintern
hat schon im ersten Jahre ihrer Existenz die sektiererischen Tendenzen
abgelehnt, indem sie die ihr angeschlossenen Parteien – mochten sie noch so
klein sein – aufforderte, sich an den Gewerkschaften zu beteiligen, um deren
reaktionäre Bürokratie von innen heraus zu überwinden und die Gewerkschaften zu
revolutionären Massenorganisationen des Proletariats, zu Organen seines Kampfes
zu machen. (...) Auf ihrem II. Weltkongress hat die Komintern die
sektiererischen Tendenzen in ihren Resolutionen über die Gewerkschaftsfrage und
über die Ausnützung des Parlamentarismus offen abgelehnt (...) Der deutsche Kommunismus
wurde dank der Taktik der Komintern (revolutionäre Arbeit in den
Gewerkschaften, Offener Brief usw.) (...) 
zu einer großen, revolutionären Massenpartei (...) In der
Tschechoslowakei ist es den Kommunisten gelungen, die Mehrheit der politisch organisierten
Arbeiter auf ihre Seite zu bringen (...) Die sektiererischen kommunistischen
Gruppen (wie die KAPD usw.) konnten dagegen auf ihrem Wege nicht die geringsten
Erfolge erreichen.”
(“Thesen
zur Taktik”
, S. 37)

Die Auseinandersetzung über die Mittel des Kampfes und über
die Möglichkeit der Existenz einer Massenpartei im neuen Zeitalter der
kapitalistischen Dekadenz hatte schon auf dem Gründungsparteitag der KPD im
Dezember 1918/Januar 1919 begonnen. Schon damals ging es um die Frage, ob die
Kommunisten auch weiterhin in den Gewerkschaften arbeiten und das Parlament als
Tribüne verwenden können.

Auch wenn Rosa Luxemburg in der Debatte des
Gründungsparteitages über die Gewerkschafts- und Parlamentarismusfrage noch für
eine Mitarbeit in diesen Institutionen gestimmt hatte, so bewies sie dennoch
einen außerordentlichen Weitblick, als sie erkannte, dass neue Kampfbedingungen
entstanden waren, unter denen die Revolutionäre nur mit großer Ausdauer und
ohne jegliche naive Hoffnung auf eine “schnelle” Lösung ihrer Arbeit nachgehen
können. Den Kongress vor Ungeduld und überstürztem Handeln warnend, betonte sie
mit Nachdruck: “Wenn ich es so schildere, nimmt sich der Prozess vielleicht
etwas langwieriger aus, als man geneigt wäre, ihn sich im ersten Moment vorzustellen.”
Noch in ihrem letzten Artikel für die Rote Fahne vor ihrer Ermordung
warnte sie: “Aus alledem ergibt sich, dass auf einen endgültigen, dauernden
Sieg in diesem Augenblick noch nicht gerechnet werden konnte.”
(Die
Ordnung herrscht in Berlin
)

Die Analyse der aktuellen Lage und die Einschätzung des
Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der
Kommunisten. Wenn sie dieser Verantwortung nicht gerecht werden und einen Sturm
erwarten, wo doch alles bereits wieder abflaut, besteht die Gefahr, voller
Ungeduld abenteuerlichen Aktionen anheim zu fallen und danach zu trachten, die
reale Klassenbewegung durch künstlich stimulierte Versuche zu ersetzen.

Auf dem Heidelberger Parteitag der KPD im Oktober 1919 hatte
die Führung um Levi angesichts des ersten Abebbens der Kämpfe in Deutschland
gegen das Mehrheitsvotum vorgeschlagen, die KPD solle, um ihren Einfluss auf
die Arbeitermassen zu vergrößern, ihre Arbeit darauf ausrichten, in die
Gewerkschaften und Parlamente einzudringen. Keine zwei Jahre später sollte auf
dem III. Weltkongress der Komintern erneut diese Debatte stattfinden.

Die italienische Linke um Bordiga hatte schon auf dem II.
Weltkongress heftig die Teilnahme am Parlamentarismus attackiert (s. Thesen
zum Abstentionismus
) und vor dieser Ausrichtung gewarnt, da sie ein
fruchtbarer Nährboden für den Opportunismus sei. Und die KAPD, die es auf dem
II. Weltkongress noch versäumt hatte, ihre Stimme zu erheben, sollte dafür auf
dem III. Weltkongress unter schwierigsten Bedingungen intervenieren und Kritik
an dieser opportunistischen Entwicklung üben.

Während die KAPD-Delegation hervorhob, “das Proletariat
braucht dann eine durchgebildete Kernpartei”
(Jan Appel auf dem III.
Weltkongress, S. 497), suchte die Komintern Zuflucht im Aufbau von
Massenparteien. Die Position der KAPD wurde mehrheitlich abgelehnt.

Die opportunistische Ausrichtung nach dem Motto: “Zu den
Massen”
erleichterte wiederum die Durchsetzung  der “Einheitsfronttaktik”, die einige Monate
später auf dem III. Kongress offiziell angenommen wurde.

Entscheidend hierbei ist, dass die Komintern diesen Kurs
erst einschlagen konnte, als sich die Welle der revolutionären Kämpfe in Europa
nicht mehr ausdehnte, sondern zurückzog. So wie die russische Revolution 1917
nur der Auftakt einer internationalen Welle von Kämpfen gewesen war, so war der
Rückgang in den revolutionären Kämpfen und der politische Rückzug der Komintern
Ergebnis und Ausdruck eines veränderten Kräfteverhältnisses. Es waren die
historisch ungünstigen Bedingungen einer Revolution, die aus einem Weltkrieg
hervorging, sowie die Intelligenz der Bourgeoisie, die den Krieg rechtzeitig
beendete und die “demokratische Karte” ausspielte, welche die Bedingungen für
den wachsenden Opportunismus innerhalb der Komintern förderten, als die
Ausdehnung der revolutionären Welle gestoppt wurde.

Die Debatte über die Entwicklung in Russland

Um die Reaktionen der Revolutionäre gegenüber der Isolierung
der russischen Arbeiterklasse und dem veränderten Kräfteverhältnis zwischen
Bourgeoisie und Proletariat zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die
Entwicklung in Russland selbst werfen.

Als im Oktober 1917 die Arbeiter unter der Führung der
bolschewistischen Partei die Macht ergriffen, gab es keine Illusionen über die
Möglichkeit eines Aufbaus des Sozialismus in einem Land. Alle Blicke richteten
sich auf die Hilfe aus dem Ausland. Angesichts der spontanen Maßnahmen vieler
Arbeiter, die Produktion mittels Enteignungen sofort in die eigenen Hände zu
nehmen, warnten die Bolschewiki vor falschen Erwartungen. Sie verstanden am
klarsten, wie lebenswichtig die politischen Maßnahmen waren, d.h. die
Konzentration auf die Ausweitung der Revolution. Gerade den Bolschewiki war
klar, dass mit der Machtergreifung in einem Land der Kapitalismus natürlich
noch längst nicht aus der Welt geschafft war. Solange die herrschende Klasse
noch nicht weltweit bzw. in den wichtigsten Regionen dieser Erde gestürzt
worden war, standen die politischen Maßnahmen an erster und entscheidender
Stelle. Dort, wo das Proletariat die Macht ergriffen hatte, musste es sich
darauf beschränken, den durch den Kapitalismus geschaffenen Mangel in seinem
Interesse zu verwalten.

Schlimmer noch: nachdem die kapitalistischen Mächte ab
Frühjahr 1918 ihre Wirtschaftsblockade und, zusammen mit der russischen
Bourgeoisie, den Bürgerkrieg begonnen hatten, sahen sich die russischen
Arbeiter und Bauern einer katastrophalen wirtschaftlichen Lage gegenüber. Wie
sollte man die Versorgung der Bevölkerung trotz der Sabotage durch die
Kapitalistenklasse sicherstellen? Auf welche Weise mussten die militärischen
Anstrengungen koordiniert werden, um die Armeen der bürgerlichen
Konterrevolution abzuwehren? Nur ein Staat konnte diese Aufgaben erfüllen. Es
war der damals aus dem Aufstand neu entstandene, aber auf vielen Ebenen aus der
alten Beamtenschicht zusammengesetzte Staat, der sich der Aufgabe stellte. Und
auch zur Bewältigung von Aufgaben wie dem Bürgerkrieg oder dem Kampf gegen die
innere Sabotage reichten die Arbeitermilizen der ersten Stunde nicht mehr aus.
Es  war notwendig, eine “Rote Armee” und
spezielle Repressionsorgane aufzubauen.

Während die Arbeiterklasse in den Aufstandswochen im Oktober
und danach noch die Zügel fest in ihren Händen gehalten hatte und die
Hauptentscheidungen in den Sowjets gefällt wurden, setzte bald darauf ein
Prozess ein, in dessen Verlauf die Arbeiter zunehmend ihre Macht und ihre
Druckmittel an den neu entstandenen Staatsapparat verloren. Statt von den
Arbeiterräten kontrolliert und als Instrument zu ihren Gunsten eingesetzt zu
werden, schickte sich dieses neue Organ, das von den Bolschewiki
irrtümlicherweise als “Arbeiterstaat” bezeichnet wurde, an, die Macht der
Arbeiterräte zu untergraben und ihnen seine Direktiven aufzuzwingen. Diese
Entwicklung, deren eigentliche, materielle Wurzel in den noch vorhandenen
kapitalistischen Verhältnissen lag, war auch möglich, weil der nach der
Machtergreifung entstandene Staat keine Anstalten machte, abzusterben und Macht
abzugeben, sondern sich im Gegenteil immer mehr aufblähte.

Diese Tendenz konnte sich in dem Maße verstärken, wie die
revolutionäre Welle sich nicht mehr ausdehnte, gar zurückwich und die russische
Arbeiterklasse isoliert blieb.

Doch je weniger die Arbeiterklasse international imstande
war, das Kapital unter Druck zu setzen, desto unentschlossener konnte sie
seinen Plänen entgegentreten. Vor allem konnte sie es nicht an seinen
militärischen Feldzügen gegen die russische Revolution hindern. So besaß die
Bourgeoisie weiteren Spielraum, um die russische Revolution in den Würgegriff
zu nehmen, und der infolge dieses Kräfteverhältnisses entstandene Staat in
Russland erhielt weiteren Auftrieb. Dadurch, dass es der Bourgeoisie gelang,
die Ausdehnung der Revolution zu stoppen, wurde dieser Staat in die Lage
versetzt, immer mehr zum alles beherrschenden Faktor in Russland zu werden und
sich zu verselbständigen.

Aufgrund der vom internationalen Kapital erzwungenen,
wachsenden Unterversorgung, der schlechten Ernteergebnisse, der Sabotage durch
die Bauern, der großen Zerstörungen durch den Bürgerkrieg und den daraus
resultierenden Hungersnöten und Epidemien war der von den Bolschewiki
angeführte Staat gezwungen, immer mehr Zwangsmaßnahmen aller Art zu ergreifen,
wie z.B. die Beschlagnahmung der Ernten oder die Rationierung nahezu aller
Güter. Er war auch dazu gezwungen, an die alten Handelsbeziehungen zu den
kapitalistischen Staaten wieder anzuknüpfen, wobei es sich hier nicht um eine
Frage der Moral, sondern um eine Überlebensfrage handelte. Der Mangel und der
Handel – beides konnte nur von einem Staat verwaltet und gesteuert werden. Doch
wer sollte diesen Staat kontrollieren?

Partei oder Räte – Wer übt die Kontrolle über den Staat aus?

Zum damaligen Zeitpunkt war es in der revolutionären
Bewegung gängige Auffassung, dass die Partei im Namen der Arbeiterklasse die
Macht übernimmt und somit an die Schalthebel dieses neuen, postrevolutionären
Staates rückt. So hatten ab Oktober 1917 die führenden Mitglieder der
bolschewistischen Partei die zentralen Positionen dieses Staates übernommen und
angefangen, sich mit selbigem zu identifizieren.

Diese von der gesamten revolutionären Bewegung vertretene
Auffassung wäre im Falle erfolgreicher Aufstände in anderen Ländern und vor
allem in Deutschland sicherlich in Frage gestellt und über Bord geworfen
worden. In einem solchen Fall hätten die Arbeiterklasse und ihre Revolutionäre
die Differenzen und Interessenskonflikt zwischen Staat und Revolution ans
Tageslicht geholt und somit die Fehler der Bolschewiki korrigieren können. Doch
die Isolierung der Revolution führte dazu, dass die bolschewistische Partei
immer öfter Stellung zugunsten des Staates bezog, statt die Interessen des
internationalen Proletariats zu verteidigen. Zug um Zug entriss der Staat den
Arbeitern die Initiative und verselbständigte sich. Und die bolschewistische
Partei war gleichermaßen Getriebene wie treibende Kraft beim Wiedererstarken
des Staates.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges kam es im Winter 1920/21 zu
einer weiteren Verschärfung der Hungersnot, was dazu führte, dass infolge des
Exodus der vor dem Hunger fliehenden Menschen die Bevölkerung Moskaus um die
Hälfte, die Petrograds um zwei Drittel dezimiert wurde. Vielerorts brachen
Bauernrevolten und Arbeiterproteste aus.

Vor allem in der Gegend von Petrograd brach eine Streikwelle
aus. Die Arbeiter und Matrosen von Kronstadt erwiesen sich dabei schnell als
die Speerspitze des Widerstandes gegen die Verschlechterung der
Lebensbedingungen und gegen den Staat. Neben ökonomischen stellten sie auch
politische Forderungen auf. Abgesehen von der Ablehnung der Parteidiktatur
wurde vor allem die Notwendigkeit der Erneuerung der Sowjets in den Vordergrund
gestellt.

Der von den Bolschewiki angeführte Staat entschloss sich,
den Widerstand der Arbeiter mit Gewalt zu brechen. Er bezeichnete letztere als
vom Ausland manipulierte konterrevolutionäre Kräfte.

Damit stellte sich die bolschewistische Partei zum ersten
Mal an die Spitze einer gewaltsamen Niederschlagung eines Teils der
Arbeiterklasse. Dies geschah ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die
bolschewistische Partei selbst den 50. Jahrestag der Pariser Kommune feierte,
und zwei Jahre nach dem Gründungskongress der Komintern, als Lenin noch die
Parole “Alle Macht den Räten” auf das Banner der Kommunisten geschrieben
hatte. Nicht nur, dass die bolschewistische Partei tatkräftig die Zerschlagung
des Kronstädter Aufstandes übernahm, die gesamte revolutionäre Bewegung befand
sich damals über den Charakter dieses Aufstandes in Irrtum. Sowohl die
russische Arbeiteropposition als auch die Mitgliedsparteien der Komintern
verurteilten ihn unmissverständlich.

Als Reaktion auf die wachsende Unzufriedenheit und mit dem
Ziel, die weiterhin hortenden Bauern zur Produktion und Ablieferung ihrer
Ernten zu bewegen, wurde im März 1921 die Einführung der “Neuen Ökonomischen
Politik” beschlossen, die keine “Rückkehr” zum Kapitalismus bedeutete
(schließlich war dieser nie abgeschafft worden),  sondern nur eine Anpassung an die Mangelerscheinungen
und Marktverhältnisse. Noch im gleichen Monat wurde ein Handelsabkommen
zwischen Großbritannien und Russland abgeschlossen.

Hinsichtlich der Frage des Staates und der Identifizierung
der Partei mit ihm gab es innerhalb der bolschewistischen Partei Divergenzen.
Wie wir in der Internationalen Revue Nr. 8 und 9 geschrieben haben,
schlugen linkskommunistische Stimmen in Russland schon früh Alarm und warnten
vor dem Aufbau eines staatskapitalistischen Regimes. So sprach sich die Zeitung
Kommunist im Jahre 1918 gegen die Versuche der Disziplinierung der
Arbeiterklasse aus. Obwohl sich nach dem Beginn des Bürgerkrieges die Reihen
der Partei unter dem Druck der konterrevolutionären Aggression schlossen und
der größte Teil der Kritik zurückgehalten wurde, wuchs die Opposition gegen das
wachsende Gewicht bürokratischer Strukturen in der Partei. Die 1919 gegründete
Gruppe Demokratische Zentralisten um Ossinski sprach sich gegen den
Verlust der Initiative der Arbeiter aus und rief zur Wiederherstellung der innerparteilichen
Demokratie auf, insbesondere während der 9. Parteikonferenz im Herbst 1920, als
sie die wachsende Bürokratisierung der Partei an den Pranger stellte.

Obgleich Lenin selbst die höchste staatliche Verantwortung
mit repräsentierte, erkannte er in gewisser Weise am deutlichsten die Gefahr
für die Revolution, die von diesem Staat ausging. Oft war er es, der die
Arbeiter am entschiedensten zur Verteidigung gegen diesen Staat aufrief und
ermunterte.

In der Debatte über die Gewerkschaftsfrage hob Lenin hervor,
dass die Gewerkschaften auch weiterhin als Verteidigungsorgane der Klasse zu
handeln hätten, auch gegen einen Arbeiterstaat, der an “bürokratischen
Deformationen” leide, womit Lenin prinzipiell die Möglichkeit eines Konfliktes
zwischen Staat und Arbeiterklasse anerkannte. Dagegen plädierte Trotzki für die
totale Integration der Gewerkschaften in den “Arbeiterstaat”. Er wollte die
Militarisierung der Produktion auch nach der Beendigung des Bürgerkrieges
fortsetzen. Die auf dem 10. Kongress im März 1921 erstmals in Erscheinung
tretende Arbeiteropposition befürwortete hingegen staatsabhängige
Industriegewerkschaften, welche die Leitung der Produktion übernehmen sollten.

Die Entscheidungen innerhalb der Partei verlagerten sich
immer mehr vom Parteitag auf das Zentralkomitee und das neu geschaffene
Politbüro. Die Militarisierung der Gesellschaft, die vom Bürgerkrieg ausgelöst
worden war, erfasste über den Staat auch die Partei. Statt die Initiative der
örtlichen Parteikomitees zu fördern, wurden sämtliche Aktivitäten der Partei
einer strengen Kontrolle mittels sog. politischer Abteilungen unterzogen und
auf dem 10. Parteitag ein allgemeines Fraktionsverbot erlassen.

Im zweiten Teil dieses Artikels werden wir den Widerstand
der Linkskommunisten gegen die opportunistische Tendenz untersuchen und
aufzeigen, wie die Kommunistische Internationale mehr und mehr zu einem
Instrument des russischen Staates wurde.

Dv

Geographisch: 

Theorie und Praxis: 

Geschichte der Arbeiterbewegung: 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: 

Theoretische Fragen: 

Erbe der kommunistischen Linke: