Anmerkungen zur Geschichte der imperialistischen Konflikte im Nahen Osten, 3. Teil

Die ersten zwei Artikel dieser Serie über die imperialistischen
Konflikte im Nahen Osten (veröffentlicht in der Internationalen Revue Nr. 34, 35)
verdeutlichten die Manipulation des arabischen und zionistischen Nationalismus
durch die Großmächte, besonders durch Großbritannien, mit dem Zweck, die Region
zu dominieren. Sie wurden ebenso benutzt als eine Waffe gegen die Drohung
seitens der Arbeiterklasse zu einem Zeitpunkt, der direkt auf die Russische
Revolution folgte. In diesem Artikel setzen wir die Studie der
imperialistischen Rivalitäten in der Region im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges
und des Krieges selbst fort, um den blanken Zynismus der imperialistischen
Politik jeder Fraktion der Bourgeoisie zu enthüllen.

Zionisten und arabische Nationalisten
wählten ihr Lager im imperialistischen Krieg

Sowohl die palästinensischen Bauern und Arbeiter wie auch die jüdischen
Arbeiter wurden mit der falschen Alternative, nämlich sich auf die Seite des
einen oder anderen Flügels der Bourgeoisie (palästinensisch oder jüdisch) zu
stellen, konfrontiert. Diese falsche Alternative bedeutete, dass die Arbeiter
auf das Terrain der militärischen Konfrontation gezogen wurden für rein
bürgerliche Forderungen. Während der 1920er Jahre gab es eine Reihe von
gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern und zwischen Arabern
und den britischen Besatzungstruppen.

Diese Zusammenstöße verstärkten sich nach der Weltwirtschaftskrise von
1929. Ein Faktor, der für diese Intensivierung verantwortlich war, war die
zunehmende Einwanderung von jüdischen Flüchtlingen, die vor den Auswirkungen
der Weltwirtschaftskrise und der Unterdrückung flohen, die die Nazis begonnen
hatten gegen die Juden in Szene zu setzen. Dazu kam noch die vom Stalinismus
durchgeführte Repression. Zwischen 1920 und 1930 verdoppelte sich die Zahl der
Einwanderer, zwischen 1933-39 erreichten einige 200’00 neue Einwanderer
Palästina, so dass 1939 die Juden 30% der Bevölkerung ausmachten.

Der breitere historische und internationale Rahmen war die allgemeine,
weltweite Verschärfung der imperialistischen Konflikte. Palästina und der Nahe
Osten im Ganzen waren tiefgreifend betroffen von der weltweiten Neuausrichtung
der imperialistischen Kräftekonstellation während der 1930er Jahre.

Einerseits machte es die katastrophale Niederlage des Proletariats
(Sieg der stalinistischen Konterrevolution in Russland, des Faschismus und
Nazismus in Italien und Deutschland, Einreihung der Arbeiter unter das Banner
des “Antifaschismus” und der Volksfront in Frankreich und Spanien 1936) sowohl
jüdischen als auch arabischen Arbeitern nahezu unmöglich, den zunehmend blutigen
Kämpfen zwischen den jüdischen und arabischen Bourgeoisien eine
internationalistische Klassenfront entgegenzustellen. Die weltweite Niederlage
der Arbeiterklasse öffnete der Bourgeoisie den Spielraum, um den Weg für einen
neuen generalisierten Weltkrieg frei zu machen. Zur gleichen Zeit entflohen
immer mehr Juden der Unterdrückung und den Pogromen in Europa und verschärften
so die Konflikte zwischen Arabern und Juden in Palästina.

Andererseits begannen die traditionellen imperialistischen Rivalitäten
in der Gegend (zwischen den Franzosen und Briten) zu verschwinden, als neue und
für die alten Banditen gefährlichere Rivalen die Gegend betraten. Italien,
bereits in Libyen anwesend nach einem Krieg mit der Türkei 1911, begann 1936
eine Invasion Abessiniens (heute Äthiopien) und drohte damit, Ägypten und den
strategischen Suez-Kanal einzukreisen. Deutschland, das mächtigste Mitglied der
faschistischen Achse, arbeitete im Hintergrund, um seinen Einfluss auszubauen,
indem es Unterstützung für örtliche nationalistische und imperialistische
Ambitionen anbot, besonders in der Türkei, im Irak und Iran

[1]

.

Der historische Kurs in Richtung generalisierter Krieg sollte den Nahen
Osten verschlingen. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges hatten die Zionisten
die allgemeine Bewaffnung der Juden gefordert. In der Tat hatte man mit dieser
Bewaffnung schon zuvor im Geheimen begonnen. Die zionistische
“Selbstverteidigungs”organisation, Hagan, die während des Ersten Weltkrieges
gegründet worden war, wurde in eine richtige militärische Einheit umgewandelt.
1935 wurde eine getrennte Terroristengruppe, Irgun Zwai Leumi - bekannt als
Ezel – mit etwa 3-5000 Kämpfern gegründet. Die “allgemeine Wehrpflicht” wurde
in der jüdischen Gemeinschaft eingeführt; alle jungen Männer und Frauen
zwischen 17 und 18 Jahren mussten an diesem Militärdienst im Untergrund
teilnehmen.

Die palästinensische Bourgeoisie ihrerseits erhielt bewaffnete
Unterstützung von Nachbarländern. 1936 gab es eine weitere Eskalation von
Zusammenstößen zwischen zionistischen und arabischen Nationalisten. Im April
1936 rief die palästinensische Bourgeoisie einen Generalstreik gegen die
britischen Herrscher aus. Diese sollten gezwungen werden, ihren
pro-zionistischen Standpunkt aufzugeben. Die arabischen Nationalisten mit Amin
Hussein an der Spitze riefen die Bauern und Arbeiter auf, ihren Kampf gegen die
Juden und Briten zu unterstützen. Der Generalstreik dauerte bis Oktober 1936 –
und wurde erst abgeblasen nach einem Appell von Nachbarstaaten wie
Transjordanien, Saudi-Arabien und Irak, die begonnen hatten, eine
palästinensische Guerilla zu bewaffnen.

Die gewalttätigen Zusammenstöße dauerten bis 1938 an. Die britischen
“Beschützer” mobilisierten Truppen von 25’000 Mann, um ihren strategischen
palästinensischen Außenposten zu verteidigen.

Angesichts der allgemeinen Destabilisierung der Lage schlug die
britische Bourgeoisie 1937 eine Teilung von Palästina in zwei Sektoren vor
(Bericht der Peel Kommission). Die Juden sollten den fruchtbaren Nordteil
Palästinas, die Palästinenser den weniger fruchtbaren Südosten bekommen,
Jerusalem sollte unter internationales Mandat gestellt werden und mit dem
Mittelmeer durch einen Korridor verbunden sein. Sowohl zionistische als auch
palästinensische Nationalisten wiesen den Plan der Peel-Kommission zurück. Ein
Flügel der Zionisten bestand auf völliger Unabhängigkeit von Großbritannien,
sie bewaffneten sich weiterhin selbst und intensivierten ihre Guerillaaktionen
gegen die britischen Besatzungskräfte.

Indem es einen Plan präsentierte, der Palästina in zwei Teile trennen
sollte, hoffte Großbritannien seine Vorherrschaft in diesem strategisch
lebenswichtigen Teil der Welt beizubehalten. Einem Teil der Welt, der zudem ein
starkes Ansteigen imperialistischer Spannungen erlebte – besonders mit
Deutschland und Italien, die versuchten in die Region einzudringen.

Während die Französische Volksfront Syrien 1936 die Unabhängigkeit
gewährte, die jedoch erst drei Jahre später umgesetzt werden sollte, erklärte
Frankreich 1939 Syrien erneut zu einem Französischen Protektorat.

Diese neue Ausrichtung der imperialistischen Kräfte war eine
tatsächliche Quelle von Schwierigkeiten für die britische Bourgeoisie, die nun
jedes Interesse daran hatte, die Situation in Palästina zu beruhigen und jede
Konfliktpartei davon abzuhalten, Unterstützung bei einem von Großbritanniens
Hauptrivalen zu suchen. Aber als der Konflikt zwischen jüdischen Einwanderern
und Arabern immer bitterer wurde, begannen die Parteigänger der Politik nach
dem alten Grundsatz “teile und herrsche” ihre Projekte einer Revision zu
unterziehen.

Großbritannien musste versuchen, die arabischen Nationalisten zu
“neutralisieren” und die Zionisten dazu zu zwingen, sich bei ihrer Forderung
nach einer “nationalen Heimat” für die Juden etwas zurück zu halten.

Großbritannien verabschiedete ein Weißbuch, das die von Juden besetzten
Territorien zu einer “Nationalen Heimstätte” der Juden erklärte und bestimmte,
dass weiterhin nach einem Zeitraum von 5 Jahren, während dem die jährliche
Einwanderung von Juden die Zahl von 75’000 nicht überschreiten sollte, die
jüdische Einwanderung ganz aufhören sollte – und das zu einer Zeit, als die
Massaker am jüdischen Volk in Europa in die Millionen gingen ... Gleichzeitig
sollte der Landkauf durch Juden begrenzt werden.

Diese Erklärungen waren dazu gedacht, die zunehmenden arabischen Proteste
zu zügeln und die Araber davon abzuhalten, sich gegen die Briten zu wenden.

Angesichts der steigenden Gewalt zwischen Zionisten und arabischen
Nationalisten wurde eine weitere Eskalation des Konflikts nur dadurch
vereitelt, weil ein übergeordneter Konflikt – die Konfrontation zwischen
Deutschland, Italien und ihren Feinden, d.h. die Formation der Achse in Europa
– diesen Konflikt für weitere 10 Jahre in den Hintergrund drängte.

Und der bedrohlich näher rückende Weltkrieg zwang die Nationalisten auf
beiden Seiten – die arabische Bourgeoisie und die Zionisten – erneut, sich ihr
imperialistisches Lager auszusuchen.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entschlossen sich die Zionisten,
sich auf die Seite Großbritanniens zu begeben und Stellung gegen den deutschen
Imperialismus zu beziehen. Sie stellten ihre Forderung nach einem eigenen
jüdischen Staat zurück, solange Großbritannien von deutschen Angriffen bedroht
war.

Innerhalb der arabischen Bourgeoisie führte der Krieg zu einer Spaltung
– einige Fraktionen schlugen sich auf die britische Seite, andere auf die
deutsche.

Der Nahe Osten und seine Rolle im Zweiten
Weltkrieg

Sogar als die hauptsächlichen Schlachtfelder während des Zweiten
Weltkrieges Europa und der Ferne Osten waren, spielte der Nahe und Mittlere
Osten eine entscheidende Rolle für Großbritanniens und Deutschlands lang
angelegte strategische Planung.

Für Großbritannien blieb die Verteidigung seiner Positionen im Nahen
Osten eine Angelegenheit von Leben und Tod, um sein Kolonialreich zu bewahren,
denn, sollte Ägypten verloren gehen, war Indien in Gefahr, in deutsche oder
japanische Hände zu fallen. Am Vorabend der deutschen Versuche 1940
Großbritannien mit einer Invasion zu bedrohen, mobilisierte Großbritannien ca.
250’000 Mann zur Verteidigung des Suezkanals.

Die deutsche militärische Planung in Bezug auf den Nahen Osten sah
mehrere Kehrtwendungen. Zu Beginn des Krieges, zumindest für eine gewisse Zeit,
war es Deutschlands Strategie, mit Russland ein geheimes Abkommen über das
östliche Anatolien zu treffen. Vergleichbar mit den Geheimabkommen zwischen
Stalin und Hitler über Polen (Russland und Deutschland vereinbarten, Polen
unter sich aufzuteilen), schlug der deutsche Außenminister Ribbentrop im
November Stalin gegenüber vor, dass Russland und Deutschland ihre
Interessensphären an der iranischen Grenze und entlang der nördlichen und
südöstlichen anatolischen Flanke unter sich aufteilen sollten. (Die
Palästinensische Frage 1917-1948, Palästina und die Nahostpolitik der
europäischen Mächte und der USA, 1918-48, Seite 193
) Aber die deutsche
Invasion Russlands im Sommer 1941 beendete schließlich solche Pläne.

Eines der langfristigen militärischen Ziele Deutschlands, das 1941 vom
Führungsstab der Reichswehr formuliert wurde, lautete, sobald Russland erfolgreich
besiegt worden sei, solle Deutschland Großbritannien aus dem Nahen und
Mittleren Osten und Indien vertreiben. Sofort nach der zu erwartenden
Niederlage Russlands plante die Reichswehr eine globale Offensive, um den Irak
zu besetzen, Zugang zu den irakischen Ölquellen zu finden und britische
Positionen im Nahen und Mittleren Osten und im Indischen Ozean zu bedrohen.
Deutschland allein war jedoch nicht in der Lage, eine solche Offensive zu
starten. Um den Irak “erreichen” zu können, musste Deutschland noch einige
Hindernisse aus dem Weg räumen: Es musste die Türkei auf seine Seite ziehen –
die noch zwischen Großbritannien und Deutschland hin- und herschwankte.
Deutsche Truppen mussten durch Syrien (das noch unter französischer Besatzung
war) und den Libanon marschieren. Dies bedeutete, dass Deutschland das Vichy
Regime um Erlaubnis fragen musste, bevor die Reichswehr Syrien und den Libanon
passieren konnte. Und es musste auf die Hilfe schwächerer Teile seiner Allianz
zählen – namentlich auf Italien, das unzureichende militärische Mittel besaß,
um Großbritannien anzugreifen. Solange die deutsche Militärplanung sich in
erster Linie auf die Mobilisierung seiner Truppen gegen Russland konzentrieren
musste, war es unfähig, mehr Truppen im Mittelmeerraum aufmarschieren zu
lassen. Sehr gegen seinen Willen, nachdem italienische Truppen von den
britischen 1940-41 in Libyen besiegt worden waren, intervenierte 1942 das
deutsche Afrika-Korps unter Rommel und versuchte die britische Armee aus
Ägypten zu vertreiben und den Suezkanal zu erobern. Aber Deutschland hatte
nicht die Mittel, um eine weitere Front in Afrika und dem Nahen Osten zu
unterhalten, erst recht, nachdem seine Offensive gegen Russland zum Stehen
gekommen war.

Zur gleichen Zeit wurde das deutsche Kapital mit seinen eigenen
unüberwindlichen Widersprüchen konfrontiert. Einerseits zielte es auf die
“Endlösung” ab (Holocaust, die Verschleppung und Vernichtung aller Juden), was
bedeutete, dass das deutsche Kapital die Juden zur Flucht zwang, wovon folglich
viele von ihnen nach Palästina vertrieben wurden. Nazipolitik war also zu einem
großen Teil verantwortlich für die Zunahme jüdischer Flüchtlinge, die in
Palästina ankamen – eine Situation, die das deutsche Kapital in Widerspruch
brachte mit den Interessen der palästinensischen und arabischen Bourgeoisie.

Andererseits musste der deutsche Imperialismus Ausschau halten nach
Alliierten unter den arabischen Bourgeoisien, um gegen die Briten zu kämpfen.
Deshalb propagierten die Nazis den Ruf der arabischen Bourgeoisie nach
nationaler Einheit und unterstützten deren Ablehnung einer nationalen Heimat
für die Juden

[2]

.

In verschiedenen Ländern gelang es dem deutschen Imperialismus, einige
Fraktionen der arabischen Bourgeoisie auf seine Seite zu ziehen.

Im April 1941 stürzten Teile der Armee die Regierung des Irak und bildeten
eine Regierung der nationalen Verteidigung unter Rachid Ali al-Kailani. Diese
Regierung deportierte all diejenigen, die als pro-britisch betrachtet wurden.
Die palästinensischen Nationalisten, die ins irakische Exil gegangen waren,
bildeten Freiwilligenbrigaden unter der Führung von al-Hussein und diese
Einheiten beteiligten sich am Kampf gegen die Briten.

Als die britische Armee gegen die pro-deutsche Regierung im Irak
intervenierte, entsandte Deutschland zwei Luftwaffenverbände. Die deutsche
Armee hatte jedoch keine ausreichenden logistischen Möglichkeiten zur
Verfügung, um seine Truppen über eine solche Distanz zu unterstützen. Zur
großen Enttäuschung der pro-deutschen irakischen Regierung musste Deutschland
seine Verbände zurückziehen. Die britische Armee dagegen mobilisierte nicht nur
ihre eigenen Truppen, sie benutzten auch eine zionistische Spezialeinheit gegen
Deutschland. Großbritannien entließ den zionistischen Terroristen David Raziel,
einen Führer der zionistischen Organisation Irgun Zvai Leumi aus britischer
Internierung und betraute ihn mit einer Spezialmission. Seine Einheit sollte
Ölfelder im Irak sprengen und Mitglieder der pro-deutschen Regierung ermorden.

In diesem Stadium gelang es jedoch der deutschen Jagdfliegerstaffel,
den zionistischen Terroristen abzuschießen, der in einem britischen Flugzeug
geflogen war. Dieser Vorfall – trotz seiner begrenzten militärischen Bedeutung
– enthüllt, für welche fundamentalen Interessen Großbritannien, als die
absteigende “Supermacht” und Deutschland als der “Herausforderer” kämpften, mit
welchen Beschränkungen sie zu rechnen hatten, und auf welche Verbündete sie
sich in der Region verließen.

Der Mufti von Jerusalem, Amin al-Hussein, war in den Irak geflohen und
der Führer der pro-deutschen irakischen Regierung, Ali al-Keilani musste aus
dem Irak fliehen. Über die Türkei und Italien gelang es ihnen nach Berlin zu
entkommen, wo sie im Exil blieben. Palästinensische und irakische Nationalisten
genossen den Schutz und das Exil, das ihnen von den Nazis angeboten wurde.

Zur selben Zeit neigten die pro-deutschen Teile der arabischen
Bourgeoisie dazu, sich nur solange auf die Seite Deutschlands zu schlagen, wie
der deutsche Imperialismus im Vorteil war. Nach dessen Niederlage bei el-Alamein
1942 und in Stalingrad 1943, als sich der Wind gegen den deutschen
Imperialismus drehte, wechselten die pro-deutschen Teile der arabischen
Bourgeoisie die Seiten oder wurden von den pro-britischen Teilen der örtlichen
Bourgeoisie verdrängt.

Die Niederlage der Deutschen zwang auch die Zionisten dazu, ihre Taktik
zu ändern. Während sie Großbritannien solange unterstützt hatten, wie die
Kolonialmacht unter der Nazibedrohung lag, so nahmen sie jetzt ihre
Terrorkampagne gegen die Briten in Palästina wieder auf. Diese sollte bis 1948
andauern. Eine führende Figur unter den zionistischen Terroristen war Menachem
Begin (der später Premierminister von Israel wurde und der zusammen mit Yasser
Arafat den Friedensnobelpreis verliehen bekam). Unter anderen ermordeten die
Zionisten den englischen Minister Lord Moyne in Kairo.

Um arabische Sympathie zu gewinnen und die arabischen Nationalisten
davon abzuhalten, sich näher in Richtung ihres deutschen imperialistischen
Rivalen zu bewegen, errichtete Großbritannien eine Seeblockade vor Palästina,
um den Zustrom jüdischer Flüchtlinge zu zügeln. Die westliche Demokratie war
bereit, ihrer imperialistischen Interessen willen den Zustrom von Flüchtlingen
zu regulieren. Die Juden mögen sich erleichtert gefühlt haben, dem Tod in den
Nazikonzentrationslagern entkommen zu sein, aber die britische Bourgeoisie war
nicht willens, dass sich die Juden in Palästina niederließen – denn die Ankunft
der Juden in diesem Moment passte nicht in ihre imperialistischen Pläne

[3]

.

Die Ähnlichkeit zwischen der Situation des Ersten und des Zweiten Weltkrieges
ist auffallend. Alle örtlichen imperialistischen Fraktionen mussten zwischen
dem einen und dem anderen imperialistischen Lager wählen. Das dominante
imperialistische Lager, Großbritannien, herausgefordert durch Deutschland,
verteidigte seine Macht mit Zähnen und Klauen.

Deutschland stand jedoch unüberwindlichen Hindernissen in dieser Region
gegenüber: seinen schwächeren militärischen Fähigkeiten (über solch große
Entfernungen intervenieren zu müssen, überforderte seine militärischen und
logistischen Mittel) und sein Mangel an starken und verlässlichen Alliierten.
Deutschland war nicht in der Lage, irgendeinem seiner Alliierten eine Belohnung
anzubieten; weder hatte es die militärischen Mittel, ein Land in seinen Block
zu zwingen noch Schutz gegen den anderen Block anzubieten.

So konnte es nur die Rolle eines “Herausforderers” spielen gegenüber
der vorherrschenden Macht jener Zeit – Großbritannien. Es konnte niemals mehr
tun als die britischen Positionen zu untergraben, und es war unfähig, selbst
einen festen strategischen Außenposten einzurichten oder ein Land standhaft in
seinem Machtbereich zu halten.

Globale imperialistische Umgruppierung im
Nahen und Mittleren Osten

Zur selben Zeit änderte sich im Zweiten Weltkrieg zwischen den
alliierten Mächten das Gleichgewicht der Kräfte.

Die USA stärkten ihre Position auf Kosten Großbritanniens.
Großbritannien, das durch den Krieg ausgeblutet war und am Rand des Bankrotts
stand, verschuldete sich gegenüber den USA. So wie in jedem Krieg veränderte
sich die imperialistische Hackordnung.

Schließlich wandten sich die zionistischen Organisationen ab 1942 in
Richtung der USA, um deren Unterstützung für die Schaffung einer jüdischen
Heimat in Palästina zu gewinnen. Im November traf sich der Jewish Emergency
Council in New York und wies das britische Weißbuch von 1939 zurück. Die
Schlüsselforderung war die Umwandlung Palästinas in einen unabhängigen zionistischen
Staat – eine Forderung, die den britischen Interessen widersprach.

Bis zum Zweiten Weltkrieg waren es hauptsächlich die westeuropäischen
Mächte, die im Nahen und Mittleren Osten zusammenstießen (Großbritannien,
Frankreich, Italien, Deutschland). Und während Frankreich und Großbritannien
die Hauptnutznießer des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches nach dem Ersten
Weltkrieg waren, so wurden diese beiden Länder nun vom amerikanischen und
russischen Imperialismus übertrumpft, die beide danach strebten, den britischen
und französischen kolonialen Einfluss auszubremsen.

Russland unternahm alles, um jede Macht zu unterstützen, die danach
strebte, die britische Position zu schwächen. Über die Tschechoslowakei
lieferte es Waffen an die zionistischen Guerillakräfte. Die USA lieferten
ebenso Waffen und Geld an die Zionisten – obwohl letztere gegen ihren
britischen Kriegsalliierten kämpften.

Nachdem der Ferne Osten ein zweites Zentrum der Kriegführung im Zweiten
Weltkrieg geworden war, blieb der Nahe Osten am Rand der weltweiten
imperialistischen Konfrontationen. Der Beginn des Kalten Krieges sollte jedoch
den Nahen Osten in das Zentrum imperialistischer Rivalitäten ziehen. Während
der Koreakrieg (1950-53) eine der ersten großen Konfrontationen zwischen dem
Ost- und dem Westblock  war, sollte die
Gründung des Staates Israel am 15. Mai 1948 einen anderen Kriegsschauplatz
eröffnen, der für Jahrzehnte im Zentrum der Ost-West-Konfrontationen bleiben
sollte.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts im Nahen Osten zeigte, dass
nationale Befreiung unmöglich geworden war und dass alle lokalen
bürgerlichen  Fraktionen in die globalen
imperialistischen Konflikte zwischen den größeren imperialistischen Rivalen
hineingezogen wurden. Mehr denn je hat das Proletariat keine imperialistische
Seite, die es auswählen könnte.

Die Gründung des Staates Israel 1948 markierte die Eröffnung einer
weiteren Runde von 50 Jahren blutiger Konfrontationen. Mehr als 100 Jahre von
Konflikten im Nahen Osten haben unwiderlegbar illustriert, dass das verfallende
kapitalistische System nichts anderes anzubieten hat als Krieg und Vernichtung.            

DE (Herbst 2004)

 

 

 

 

 

 



[1]


Der Schah des Iran
(Vater des Schahs, der später von Khomeini gestürzt werden sollte) wurde 1941
von den Briten wegen seiner vermuteten pro-Nazi Sympathien abgesetzt.

[2]


Im Ersten
Weltkrieg hatte der deutsche Imperialismus aus strategischen Gründen bereits
die Idee eines arabischen “Dschihad” gegen Großbritannien gepflegt, weil er so
hoffte, die britische Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten schwächen zu
können – sogar dann, wenn ein Widerspruch nicht zu überwinden war, nämlich dass
ein arabischer “Dschihad” sich notwendigerweise gegen den türkischen
Imperialismus richten würde, Deutschlands Alliiertem im Nahen Osten.

[3]


Großbritannien zum
Beispiel hinderte ein Schiff mit mehr als 5000 jüdischen Flüchtlingen an Bord
daran, in palästinensische Häfen einzulaufen, weil dies gegen die
britisch-imperialistischen Interessen gewesen wäre. Das Schiff wurde auf eine
Odyssee zurück ins Schwarze Meer gesandt, wo es von der russischen Armee
versenkt wurde – mehr als 5000 Juden ertranken. Im Mai 1939 reisten 930
jüdische Flüchtlinge an Bord des Hapag-Lloyd-Dampfers “St-Louis” nach Kuba.
Sobald sie kubanische Gewässer erreicht hatten, wurde ihnen das Einlaufen
verweigert. Das Schiff wurde von der US-Küstenwache davon abgehalten, in
den  Hafen von Miami einzulaufen – trotz
wiederholter Appelle zahlreicher “Persönlichkeiten”. Schließlich wurde das
Schiff zurück nach Europa gesandt – wo die meisten der jüdischen Flüchtlinge im
Holocaust massakriert wurden. Sogar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, zur
Zeit der Blockade der palästinensischen Küste durch britische Schiffe,
versuchten 4’500 Flüchtlinge auf dem Schiff “Exodus” die Blockade zu
durchbrechen. Die britischen Besatzungskräfte wollten nicht, dass das Schiff
Haifa anlief, die jüdische Terrororganisation Haganah wollte das Schiff mit all
den Flüchtlingen an Bord als ein Mittel benutzen, um die britische Blockade zu
durchbrechen. Die Briten deportierten die Passagiere nach Hamburg.

Den Zynismus der westlichen Bourgeoisie in Bezug auf das Schicksal der
Juden entlarvte der PCI Le Prolétaire in seinem Text Auschwitz – das
große Alibi
).

Geographisch: 

Theoretische Fragen: 

Erbe der kommunistischen Linke: