„Es lebe der Kampf der Arbeiterklasse!“
Die Arbeiterklasse richtet ihren Blick auf den Kampf der Airbus-Beschäftigten. In Spanien wie auch in anderen Ländern steigtdie Inflation und unsere Löhne sinken; es drohen Massenentlassungen (wie in der Automobilindustrie in Deutschland) und die Arbeitsbedingungen verschärfen sich. Eine wachsende Unzufriedenheit und die Entschlossenheit zum Kampf breiten sich in allen Branchen und in allen Ländern aus. Aber wie sollen wir kämpfen? Wir haben genug von Mobilisierungen, bei denen wir nur eine „Masse von Statisten“ sind, ohne jeglichen Einfluss auf Vereinbarungen, die hinter unserem Rücken getroffen werden.
Der Kampf bei Airbus ist ein Kampf der Arbeiterklasse. Die Beschäftigten kämpfen gegen die erheblichen Lohnverluste aufgrund der Preissteigerungen und gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen (Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Urlaub und Kantinen). Der Kampf entsteht aus der spontanen Initiative der Arbeiterinnen und Arbeitern; er strebt nach Einheit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, von den Ingenieuren über die Büroangestellten bis hin zur Fertigungslinie; er organisiert sich in Massenversammlungen (mit bis zu 1.500 Arbeiterinnen und Arbeitern), die diskutieren und ihre Beschlüsse per Handzeichen fassen, und entsendet „Beobachterinnen und Beobachter“ zu den Verhandlungen mit dem Unternehmen und der Regierung. Und der Streik breitet sich von Getafe und Sevilla auf alle Werke aus: Cádiz, Toledo, Albacete. Die Beschäftigten organisieren zudem die Diskussion über soziale Netzwerke (Telegram, X) und haben eine Website eingerichtet (Enfadados con Airbus – „Wütend auf Airbus“), auf der sie Nachrichten über den Verlauf des Kampfes und sogar die Dokumente der Versammlungen veröffentlichen.
All das gibt uns Kraft und Zuversicht im Kampf.
Der isolierte Kampf in der Branche verliert an Kraft
Doch diese Kraft kann nicht wachsen und der Vermittlung durch die Regierung die Stirn bieten, wenn sie innerhalb der Branche isoliert bleibt. Nach anderthalb Monaten Streik macht sich Ermüdung bemerkbar, und einige sagen in den Versammlungen: „Ich ziehe mich zurück, weil ich sehr müde bin und für den nächsten Tarifvertrag keine Kraft mehr haben werde.“ Obwohl die Versammlungen über den Schlichtungsvertrag mit Nein abstimmen, ist der Vorsprung sehr knapp: Von 81 % Ablehnung beim ersten Vertragsvorschlag sinkt die Ablehnungsquote auf 51 %, bei einer Gesamtmehrheit von nur 67 Stimmen (hauptsächlich in Madrid und Sevilla).
Zudem beschließt das Streikkomitee (in dem die Gewerkschaften UGT, CGT und UTIL vertreten sind), den Streik „auszusetzen“, obwohl die Entscheidung lautet, die Vereinbarung abzulehnen und den Streik fortzusetzen, was bei vielen Ärger auslöst: „Ich verstehe nicht, worüber wir gestern abgestimmt haben. Man kann es anders nennen, aber wir kehren an die Arbeit zurück und verlieren den Druck.“ „Der Streik ist lebendig und legal, solange keine unterzeichnete Vereinbarung auf dem Tisch liegt. Wenn wir ihn unterbrechen, ist das ein Sieg (der Regierung und des Unternehmens, Anm. d. Red.) durch technisches K.o.“
Trotz Kampfgeist und Entschlossenheit ist die Isolation eine Sackgasse! Der berühmte Bergarbeiterstreik in Großbritannien von 1984–85 dauerte fast ein Jahr, angeführt von den kampferprobten Arbeitern und unter Beteiligung aller Bergwerke, die sich dann nacheinander zurückzogen; doch es gelang nicht, über den Bergbausektor hinauszuwirken. Diese Niederlage spielte eine zentrale (wenn auch nicht die ausschließliche) Rolle bei der Demoralisierung und dem Ausbleiben bedeutender Arbeiterkämpfe in der Folgezeit – bis zum Jahr 2022!
Die Demonstration am 12. September in Madrid: Die Schwierigkeiten bei der Ausweitung des Kampfes
Einige, ja sogar viele, dachten wahrscheinlich, dass diese Demonstration das Ende des Kampfes einläuten würde. Die UGT hatte letztendlich nicht zum Demonstrieren aufgerufen, und man erwartete vielleicht eine äußerst kleine Versammlung der „Radikalen“ (so bezeichnen viele im Unternehmen diejenigen, die den Streik fortsetzen wollen).
Doch in Madrid waren zwischen 5.000 (laut UGT) und 8.000 (laut den Organisatoren) Demonstrierende versammelt (Airbus beschäftigt 14.000 Beschäftigte, davon allein 9.000 in Getafe, dem größten Werk in Madrid), darunter auch Delegationen aus anderen Standorten. Zwar war die Stimmung zu Beginn ruhig, auch dank der solidarischen Anwesenheit der Familien der Arbeiter, doch herrschen weiterhin Wut und Kampfgeist, die sich in der Organisation einer Versammlung von mehr als tausend Menschen um 14:30 Uhr unter der sengenden Sonne Madrids vor dem Industrieministerium äußerten, wo eine der wichtigsten Parolen lautete: „Es hört nicht auf“.
An der Demonstration nahmen Delegationen (meist von gewerkschaftlichen und politischen Organisationen) aus dem Bildungssektor teil, der derzeit in verschiedenen autonomen Gemeinschaften (darunter Madrid) streikt, sowie Studierende und Sozialarbeiter. Und alle verteilten Flugblätter riefen zur Ausweitung und Koordinierung der Kämpfe auf. Einige Redebeiträge in der Versammlung forderten sogar einen Generalstreik. Alle waren für eine Ausweitung – aber welche Ausweitung?
Die Falle des Generalstreiks und der „Koordination der Kämpfe“
Die Vertreterin der Bildungsplattform Menos Lectivas (Weniger Unterrichtsstunden) rief dazu auf, „alle Sektoren in einem Generalstreik zu koordinieren“, dass „die Airbus-Beschäftigten ebenfalls die öffentliche Schule verteidigen, indem sie an den Demonstrationen des Sektors teilnehmen“ und dass „in jeder Einrichtung eine Versammlung stattfindet, um über die jeweiligen Bedingungen zu entscheiden“. Auch wenn diese Position zeigt, dass der Wille zur Solidarität und zur Ausweitung vorhanden ist, besteht die große Gefahr, in die Falle einer FALSCHEN AUSWEITUNG zu tappen. Gefordert wurden zwar eine Gleichzeitigkeit und Koordination der Kämpfe; aber im Grunde genommen – jeder für sich! Jeder kämpft „seinen“ Kampf, mit seinen Forderungen, seinen Vertretern und seinen eigenen Versammlungen, und trifft sich dann bei der einen oder anderen Demonstration, jeder hinter seinem eigenen Transparent, bis es schließlich zu einem Generalstreik „nach Sektoren“ kommt. Das haben wir schon erlebt.
Bei den Kämpfen gegen den Angriff auf die Renten in Frankreich im Jahr 2023 war die Mobilisierung enorm, aber wir hatten gewarnt, dass dies nicht ausreicht: Wir müssen unsere Kämpfe selbst in die Hand nehmen – mit Vollversammlungen, die allen Arbeiterinnen und Arbeitern offenstehen. Das ist etwas Anderes als Versammlungen die in jedem Betrieb, in jedem Sektor hinter verschlossenen Türen stattfinden, um „ihren“ Kampf zu verwalten.
Die Ausweitung anstreben, vereint als Klasse kämpfen
Ist das die Ausweitung des Kampfes? Nein! Während des „Sommers der Wut“ 2022 in Großbritannien gab es eine massive Rückkehr der Arbeiterklasse in den Kampf, wobei zahlreiche Sektoren (Eisenbahn, Post, Bildungswesen usw.) gleichzeitig aktiv waren; doch jeder für sich. Die Kämpfe waren nicht in der Lage, sich zu vereinen und eine soziale und politische Kraft zu bilden, die fähig gewesen wäre, dem Staat die Stirn zu bieten und die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter zu verteidigen. Inmitten einer massiven Kampfbewegung haben die Gewerkschaften (und in Großbritannien gibt es eine pro Sektor und Teilsektor) jeden auf die Grenzen seiner spezifischen, besonderen und unterschiedlichen Forderungen beschränkt.
Im Gegensatz dazu haben in Spanien, in Vitoria im Jahr 1976, die Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Kampf vereint und Stadtversammlungen organisiert, um gemeinsame Forderungen zu verteidigen; oder auch in Polen im Jahr 1980, als sich die Arbeiterklasse des ganzen Landes zusammenschloss und Delegierte der Versammlungen (genannt MKS) wählten, die die Arbeiterklasse des gesamten Landes vertraten. Und das sind keine Geschichten, die Großeltern ihren Enkeln erzählen. Die Arbeiterklasse lernt aus ihren Erfahrungen und bewahrt sie von Generation zu Generation. Im Kampf gegen Rentenkürzungen und die Anhebung des Renteneintrittsalters in Frankreich sagten Teilnehmende: „Wenn ihr uns ein 63er gebt (Renteneintritt mit 63 statt wie bisher mit 60), geben wir euch ein 68er“, und erinnerten damit an den Streik vom Mai 1968, an dem sich mehr als 9 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter beteiligten.
Den Kampf auszuweiten bedeutet, Streikposten (wie jene, die in die Airbus-Werke entsandt wurden, um den gesamten Standort lahmzulegen) in alle kämpfenden Sektoren zu schicken, gemeinsame Versammlungen zu organisieren, die Forderungen zu vereinheitlichen und gemeinsame Delegierte zu wählen (die abberufen werden können, wenn sie ihr Mandat nicht erfüllen), die die Versammlung bei den Verhandlungen vertreten. Die Gleichzeitigkeit der Kämpfe in echte Einheit verwandeln!
Bleibt der Kampf bei Airbus auf den Sektor beschränkt, werden Energie und Kampfgeist nachlassen; doch die Gleichzeitigkeit der Angriffe auf die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter und der überall vorhandene Kampfwille schaffen die Voraussetzungen für eine echte Ausweitung des Kampfes. Das ist der einzige Weg, um unsere Forderungen zu verteidigen. Und das gilt für alle Kämpfe der Arbeiterklasse, die sich in allen Ländern entwickeln: Daher ist die Erfahrung aus dem Kampf der Airbus-Beschäftigten für alle von großer Bedeutung.
Internationale Kommunistische Strömung
September 2026