Die Bourgeoisie handelt
vorbeugend gegenüber der steigenden Wut der Arbeiter
Während des Winters 97/98 gab
es mehrmals in den beiden größten
westeuropäischen Ländern Mobilisierungen zur Frage der Arbeitslosigkeit. In
Frankreich fanden monatelang Straßendemonstrationen in den größten Städten des
Landes und Besetzungen von öffentlichen Gebäuden (insbesondere der
Institutionen, die mit der Auszahlung von Arbeitslosengeldern befaßt sind)
statt. In Deutschland wurde am 5. Februar eine Reihe von Demonstrationen im
ganzen Land abgehalten, zu denen Arbeitslosenorganisationen und Gewerkschaften
aufgerufen hatten. Die Mobilisierung erreichte in Deutschland nicht das gleiche
Ausmaß wie in Frankreich, aber von den Medien wurde sie sehr ausführlich aufgegriffen.
Stellen diese Mobilisierungen einen wirklichen Ausdruck der Kampfbereitschaft
der Arbeiter dar? Wir werden später sehen, daß dies nicht der Fall ist. Dennoch
ist die Frage der Arbeitslosigkeit für die Arbeiterklasse von grundlegender
Bedeutung, denn sie stellt seitens des krisengeschüttelten Kapitals einen der
wichtigsten Angriffe gegen die
Arbeiterklasse dar. Gleichzeitig liefert das Ansteigen und die mittlerweile
permanent gewordene Arbeitslosigkeit einen der besten Beweise des Scheiterns des
kapitalistischen Systems. Und gerade die Brisanz dieser Frage verbirgt sich
hinter den gegenwärtigen Mobilisierungen.