Tod durch Kredit

Wenn Lügen eine
Todsünde wäre, stünde die herrschende Klasse vor dem Verschwinden. Im
Fernsehen, im Radio, in den Printmedien usw. überall hört man sie
verkünden : „Jetzt passiert es, schaut genau hin, da hinten sehen wir das
Licht am Ende des Tunnels“. Als Beleg beruft man sich auf scheinbar sinkende
Arbeitslosenzahlen. In den USA und Frankreich ist die Arbeitslosigkeit seit dem
Ausbruch der Krise 2007 am stärksten gesunken. In Deutschland sei die
Arbeitslosigkeit auf das niedrigste Niveau seit 1992 gefallen. Die Asiatische
Entwicklungsbank prognostiziert ein Wachstum von 9,6% für China und 8,2% für
Indien. In Deutschland, Frankreich und den USA rechnet man jeweils mit 2,5%;
1,6 % und 2,8%. Der IWF wagt sogar für Japan ungeachtet des Erdbebens und der
Nuklearkatastrophe eine Prognose von 1,7%.

Als entscheidendes
Argument zur Begründung optimistischer Zahlen werden immer wieder die Aktien
genannt, deren Kurse steigen und steigen… Aber kündigt dieses berühmte Licht am
Ende des Tunnels wirklich einen Aufschwung an? Ist es nicht viel mehr die
klassische Halluzination eines Dahinsiechenden?

Misere, Misere

In den USA, so wird
behauptet, gehe es langsam wieder aufwärts. Das Schreckgespenst des Krachs von
1929 sei verschwunden. Die endlos langen Warteschlangen vor den Arbeitsämtern
in den scheußlichen Zeiten der großen Depression der 1930er Jahre werde man
nicht mehr antreffen. Ende März kündigte McDonals gar die außergewöhnliche
Neueinstellung von 50.000 Leuten an einem Tag an. Am 19. April, dem
schicksalhaften Tag, standen dann ca. Drei Millionen Jobbewerber Schlange vor
den Restaurants, um einen der Jobs zu ergattern!

Die Wirklichkeit
der gegenwärtigen Krise wird so anhand des Leidens, das der Arbeiterklasse
zugefügt wird, deutlich. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist zwar offiziell
rückläufig, aber die staatlichen Statistiken sind ohnehin nur ein gewaltiges
Täuschungsmanöver. So berücksichtigt man beispielsweise bei der
Arbeitslosenstatistik gar nicht mehr die sogenannten NLF („Not in the Labor
Force“, die Nichtaktiven). Dabei handelt es sich um ältere Arbeitslose
Beschäftigte, entmutigte Arbeitslose, Studenten und Jugendliche, Arbeitslose,
die selbst nach einem Job suchen… im Januar betrug diese Zahl 85.2 Millionen!
Der Staat selbst muss eingestehen, dass die Zahl der Armen, die mittlerweile
mit 15% der Bevölkerung angegeben wird, ständig steigt.

Die Explosion der
Verarmung in der weltweiten führenden Macht wirft ein entsprechendes Licht auf
die Weltwirtschaft. In allen Kontinenten werden die Lebensbedingungen immer
unmenschlicher. Schätzungen der Weltbank zufolge leben jetzt schon 1,2
Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze (1,25 Dollar pro Tag). Aber die
Zukunft sieht noch düsterer aus. Für einen wachsenden Teil der Bevölkerung
bedeutet die steigende Inflation, dass es immer schwieriger für sie wird, ein
Dach über dem Kopf zu finden oder sich zu ernähren. Die Lebensmittelpreise sind
im Vergleich zum Vorjahr um 36% gestiegen. Dabei lässt den Aussagen von Food
Price Watch zufolge, einem Institut der Weltbank, eine 10%ige Preiserhöhung
mindestens 10 Millionen Menschen zusätzlich unter die extreme Armutsgrenze
sinken. So sind diesen Berechnungen zufolge allein seit Juni 2010 ca. 44
Millionen Menschen zusätzlich  in die Armut gerutscht. Konkret werden
immer mehr lebenswichtige Güter unerschwinglich: innerhalb eines Jahres ist der
Maispreis um 74%, der Weizenpreis um 69% gestiegen, der für Soja um 36%, Zucker
um 21%
usw.                                       

Ein neues
Kapitel der historischen Krise des Kapitalismus hat angefangen

Seit dem Sommer
2007 und dem Platzen der sog. Immobilienblase in den USA hat sich die
Weltwirtschaftskrise weiter zugespitzt; ihr Rhythmus hat sich beschleunigt,
ohne dass die Herrschenden auch nur einen Lösungsansatz gefunden hätten.
Schlimmer noch, ihre verzweifelten Versuche der Begrenzung des Übels bereiten
in Wirklichkeit nur neue Beben vor. Die Geschichte der wirtschaftlichen
Entwicklung in den letzten Jahren sieht wie eine endlose Spirale aus, ein
Strudel, der alles nach unten zieht. Dieses Drama hat sich in den letzten 40
Jahren angebahnt. Seit dem Ende der 1960 Jahre bis zum berühmt berüchtigten
Sommer 2007 hat die Weltwirtschaft nur überlebt dank der systematischen und
wachsenden Verschuldung. Warum? Wir müssen einen kurzen theoretischen Schwenk
machen.

Der Kapitalismus
produziert immer mehr Waren als der Markt absorbieren kann. Es handelt sich
fast um eine Tautologie: Das Kapital beutet seine ArbeiterInnen aus (oder
anders gesagt, ihre Löhne liegen unter dem Wert dessen, was sie durch ihre
Arbeit schaffen). Somit kann das Kapital die hergestellten Waren mit Gewinn
verkaufen. Aber die Frage lautet: an wen kann es verkaufen? Natürlich kaufen
die ArbeiterInnen diese Waren – in dem Umfang der ihnen zur Verfügung stehenden
Kaufkraft. Aber sie alleine können nicht all die Waren kaufen, die den
erzeugten Mehrwert verkörpern. Das würde keinen Sinn machen. Das Kapital kann
nicht, um Profit zu machen, seine eigenen Waren aufkaufen; so als ob man Geld
aus der linken Tasche nähme, um es in die rechte Tasche zu stecken. So könnte
sich niemand bereichern, die Armen können das bestätigen.

Um zu akkumulieren,
um sich zu entfalten muss das Kapital also andere Käufer finden als die
ArbeiterInnen und die Kapitalisten. Mit anderen Worten - es muss Absatzmärkte
außerhalb seines Systems finden, sonst steht es vor einem Berg unverkäuflicher
Waren, die den Markt überfüllen – dann entsteht die berühmte
„Überproduktionskrise“!

Dieser innere
Widerspruch (die natürliche Tendenz zur Überproduktion und der Zwang, unaufhörlich
äußere Absatzmärkte zu finden), ist auch eine der Wurzeln dieser unglaublichen
Dynamik dieses Systems. Der Kapitalismus musste deshalb den Handel mit allen
Wirtschaftsbereichen aufnehmen: den alten herrschenden Klassen, den Bauern und
Handwerkern auf der ganzen Welt. Die Geschichte des ausklingenden 18.
Jahrhunderts und des 19. Jahrhunderts war die der Kolonisierung, der Eroberung
der Welt durch den Kapitalismus! Die herrschende Klasse dürstete nach neuen
Gebieten, in denen sie die Bevölkerung mit verschiedenen Mitteln zwang, ihre
Produkte zu erwerben. Aber dadurch verwandelte sie auch diese
Naturalwirtschaften; sie integrierte sie schrittweise in ihr System. Die
Kolonien wurden langsam auch zu kapitalistisch dominierten Gebieten, die
anfingen, nach den Gesetzen dieses Systems zu produzieren. Somit war die
Wirtschaft in diesen Ländern immer weniger in der Lage, die Waren Europas und
der USA aufzunehmen, sondern dort entstand selbst eine Überproduktion. Das
Kapital musste für seine Entwicklung unaufhörlich immer neue Absatzmärkte
entdecken.

Das hätte zu einer
endlosen Geschichte werden können, aber unsere Erde ist halt eine runde Kugel.
Pech für das Kapital, dass es den Erdball innerhalb von 150 Jahren erobert hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren alle Gebiete erobert; die großen Mächte
des Kapitalismus haben die Welt unter sich aufgeteilt. Dann war es nicht mehr
möglich, neue Gebiete zu entdecken, sondern jetzt ging es darum, den
Konkurrenten deren Gebiete mit Gewalt zu entreißen. Deutschland, das Land mit
den wenigsten Kolonien, musste die aggressivste Rolle einnehmen und den Ersten
Weltkrieg auslösen aufgrund der Notwendigkeit, die Hitler später bei der
Vorbereitung des 2. Weltkrieges deutlich formulierte : Exportieren oder
krepieren! Nach 150 Jahren Expansion trat das System in seinen Niedergang ein.
Der Horror der beiden Weltkriege und der großen Depression der 1930er Jahre
waren unwiderlegbare, dramatische Beweise dieses Niedergangs.

Aber selbst nach
der Zerstörung der noch vorhandenen außerkapitalistischen Märkte in den 1950er
Jahren (wie z.B. die Bauernschaft in Frankreich) versank der Kapitalismus nicht
in einer tödlichen Überproduktionskrise. Warum? Damit kehren wir zu unserem
Anfangsgedanken zurück, den wir erläutern wollten: „Der Kapitalismus produziert
immer mehr Waren als der Markt absorbieren kann.“ Er musste einen künstlichen
Markt schaffen: Von Ende der 1960er Jahre an bis zum berüchtigten Jahr 2007 hat
die Weltwirtschaft nur dank des systematischen und wachsenden Rückgriffs auf die
Verschuldung überleben können.

So kann man die
letzten 40 Jahre als eine Reihe von Rezessionen und Wiederankurbelungen
zusammenfassen, die durch Schuldenaufnahme finanziert wurden. Bei jeder offenen
Krise musste das Kapital immer massiver auf die Verschuldung zurückgreifen.
Dabei geht es nicht nur um die Verschuldung der Privathaushalte mittels
staatlicher Kreditspritzen; nein die Staaten selbst haben sich verschuldet, um
die Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen nationalen Kapitals gegen die Rivalen
künstlich aufrechtzuerhalten (indem z.B. direkt in die Infrastruktur investiert
wurde, Banken zu niedrigen Zinsen Kredite aufnehmen konnten, damit diese
wiederum den Unternehmen und Privathaushalten günstig Kredite einräumen
konnten…). Kurzum indem der Kredithahn weit aufgedreht wurde, floss das Geld in
Strömen; Schritt für Schritt standen dann aber alle Branchen der Wirtschaft vor
der klassischen Überverschuldung. Jeden Tag mussten mehr Schulden aufgenommen
werden… um die Altschulden zu begleichen. Diese Dynamik führte notwendigerweise
in eine Sackgasse.

Im Sommer 2007
begann ein neues Kapitel der Geschichte des Niedergangs. Die Herrschenden auf
der Welt sind nicht mehr dazu in der Lage, die Zuspitzung der Krise zu
verlangsamen, indem man immer massiver zur Kreditspritze greift. Heute kommt es
zu immer mehr Erschütterungen, ohne eine wirkliche Atempause oder einen
Aufschwung in den Zwischenphasen. Die Unfähigkeit der Herrschenden gegenüber
der neuen Lage sticht immer mehr ins Auge. Nach dem Platzen der Blase der
„Subprimes“ 2007 und 2008 mit dem Bankrott des Bankenriesens Lehman Brothers
konnten alle Staaten der Welt nur eins tun: die Finanzwelt mit Liquidität 
versorgen, auch wenn dadurch die öffentliche Verschuldung explodierte. Aber das
war kein einmaliges, begrenztes Einschreiten. Seit 2007 überleben die
Weltwirtschaft, die Banken und die Börsen nur dank der ständigen Transfusion
von öffentlichen Geldern, die durch Neuverschuldung oder das Ankurbeln der
Notenpresse zur Verfügung gestellt werden. Nur ein Beispiel: die USA. Um 2008
den Bankensektor vor dem allgemeinen Bankrott zu retten, beschloss die Fed
einen ersten Plan zum Aufkauf von Aktivvermögen (QE 1 = Quantitative Easing1);
er hatte einen Umfang von mehr als 1400 Milliarden Dollar. Zwei Jahre später,
im Januar 2010, musste ein zweiter Rettungsplan erstellt werden – QE 2: Ca. 600
Milliarden Dollar wurden in die Wirtschaft gepumpt, indem man einfach mehr
Geldscheine druckte. Aber das reichte immer noch nicht. Kaum sechs Monate
später, im Sommer 2010, musste die Fed erneut fällige Schuldtitel zum Preis von
35 Milliarden Dollar pro Monat aufkaufen. Damit hat die Fed seit dem Beginn der
Krise ca. 2300 Milliarden Dollar ausgegeben. Dies entspricht dem BIP eines
Landes wie Brasilien oder Italien! Aber damit war die Sache nicht ausgestanden.
Im Sommer 2011 muss die Fed einen neuen Plan, QE3 verabschieden, dem ein QE4
folgen wird[1]...

Die Wirtschaft ist
zu einem Fass ohne Boden geworden, oder eher ein schwarzes Loch. Sie saugt
immer astronomische Massen an Schulden auf…

Die Zukunft :
Inflation und Rezession!

Aber es wäre falsch
zu behaupten, dass die gewaltigen Kreditspritzen, die heute von allen Staaten
verwendet werden, keine Wirkung zeigen würden. Sie haben eine doppelte Wirkung.
Ohne sie würde die Wirtschaft sprichwörtlich zusammenbrechen. Aber gleichzeitig
bewirkt die bislang nie dagewesene Zunahme der Geldmenge weltweit, insbesondere
das Aufblähen der Dollarmengen, eine Untergrabung des Systems; sie wirkt wie
ein Gift. Der Kapitalismus ist wie ein todgeweihter Kranker, der von seiner
Morphinspritze abhängt. Ohne diese stirbt er; aber jede neue Dosis schwächt ihn
noch ein wenig mehr. Während die Kreditspritzen von 1967-2007 der Wirtschaft
ermöglicht haben, sich über Wasser zu halten, beschleunigen dagegen die jetzt
notwendigen Dosen ihren Zusammenbruch.

Indem die
Notenpresse angekurbelt wird, produzieren die verschiedenen Zentralbanken das,
was die Ökonomen wertloses Geld nennen. Wenn die Geldmenge schneller wächst als
die Wirtschaft, verliert diese an Wert. Infolge dessen steigen die Preise; die
Inflation zieht an[2]
Natürlich sind die USA in diesem Bereich Sieger aller Klassen! Sie wissen, dass
ihre Währung der Pfeiler der wirtschaftlichen Stabilität seit dem Ende des 2.
Weltkriegs ist. Auch heute noch kann niemand ohne Dollars auskommen. Deshalb
haben die USA seit 2007 die größte bislang dagewesene Geldmenge in Umlauf
gebracht, um ihre Wirtschaft zu stützen. Der Dollar ist deshalb noch nicht
zusammengebrochen, weil China, Japan usw. gegen ihren Willen dazu gezwungen
waren, Dollars zu erwerben. Aber dieses prekäre Gleichgewicht neigt auch seinem
Ende zu. Es gibt immer weniger Käufer für US-Staatsanleihen (T-Bonds), denn
jeder weiß, dass diese in Wirklichkeit nichts wert sind. Seit 2010 kauft die
Fed selbst ihre eigenen T-Bonds auf, um deren Wert künstlich hochzuhalten! Und
in den USA hat die Inflation auch stark angezogen (je nach Quelle zwischen 2%
und 10%; der höhere Wert ist der wahrscheinlichere, jedenfalls ist es die von
den ArbeiternInnen beim Einkaufen gefühlte Inflation).  Der Präsident der
Fed in Dallas, Richard Fisher, der dieses Jahr Mitglied im Komitee der
Währungspolitik ist, warnte jüngst vor der Gefahr der Hyperinflation, die ein
Ausmaß wie die Inflation 1923 in der Weimarer Republik annehmen könnte.

Hierbei handelt es
sich nur um eine grundlegende Tendenz; die Inflation breitet sich mittlerweile
in allen Ländern aus. Und das Misstrauen der Kapitalisten gegenüber allen
Währungen nimmt immer mehr zu. Die zukünftigen Erschütterungen, die
wahrscheinlichen Pleiten von großen Unternehmen, Banken, gar Staaten rufen
große Unsicherheit hervor hinsichtlich des Verhaltens der internationalen
Währungsmärkte. Die Konsequenzen werden ersichtlich: Die Goldpreise
explodieren. Nach einem Anstieg des Goldpreises von 29% 2010 steigt dessen
Preis immer weiter an, zum ersten Mal wird die magische Marke von 1500 Dollar
übertroffen; dies ist fünfmal mehr als vor 10 Jahren. Und auch der Silberpreis
hat den höchsten Preis seit 31 Jahren erreicht. Die Universität von Texas, an der
Ökonomen ausgebildet werden, hat neulich ihre Reserven (es soll sich um eine
Milliarde Dollar handeln) in Gold angelegt. Hier kann man erkennen, wie viel
Vertrauen die Herrschenden in den USA in ihrer eigenen Währung haben! Und dies
ist keine Begleiterscheinung…. Die Zentralbanken selbst haben 2010 mehr Gold
gekauft als sie verkauften; dies geschah zum ersten Mal seit 1988. Dies ist der
jüngste Schritt bei der Beerdigung des Abkommens von Bretton Woods (nicht
offiziell aber in Wirklichkeit), in dem nach dem 2. Weltkrieg ein an die
Stabilität des Dollars gebundenes internationales Währungssystem beschlossen
worden war.

Die Herrschenden
sind sich natürlich dieser Gefahren bewusst. Unfähig, den Kredithahn zuzudrehen
und die Notenpresse anzuhalten, versuchen sie eine Schadens- und
Schuldenbegrenzung, indem sie drastische Sparmaßnahmen auf Kosten der
Arbeiterklasse durchzusetzen versuchen. Fast überall werden die Löhne der
Beschäftigen in der Privatindustrie und der Staatsangestellten eingefroren oder
gekürzt; die Sozialhilfen oder Ausgaben im Gesundheitswesen werden gekürzt,
kurzum die Armut nimmt weiter zu. In den USA hat Obama einen Kürzungsplan von
4000 Milliarden Dollar für die nächsten 12 Jahre angekündigt. Die damit
verbundenen Opfer für die Bevölkerung sind unvorstellbar. Aber dies stellt in
Wirklichkeit gar keine Lösung dar. In Griechenland, Portugal, Irland, Spanien
usw. wird ein Sparpaket nach dem anderen verabschiedet, aber die Defizite
steigen weiter an. Die einzige Wirkung dieser Politik besteht darin, dass die
Wirtschaft noch mehr in die Rezession rutscht. Für diese Dynamik gibt es nur
einen Ausweg: nach dem Bankrott der US-Haushalte 2007, der Banken 2008 rutschen
die Staaten immer mehr in den Staatsbankrott ab. Man darf sich keine Illusionen
machen; die Zahlungsunfähigkeit z.B. Griechenlands lässt sich nicht ewig weiter
aufschieben. Aber selbst amerikanische Bundesstaaten wie Kalifornien werden
davon nicht verschont bleiben.

Es ist unmöglich
irgendwelche Daten ins Auge zu fassen und genau zu wissen, wo und wann die
Weltwirtschaft platzen wird. Könnte die Katastrophe, von der Japan erfasst
worden ist (die Wirtschaftsleistung der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Erde
ist im März um 15% gesunken), der Auslöser sein? Oder welche Rolle spielen die
Erschütterungen im Nahen und Mittleren Osten? Was ist mit dem Zusammenbruch des
Dollars oder dem Staatsbankrott Griechenlands oder Spaniens? Niemand kann dies
vorhersehen. Nur eins ist sicher: Wir stehen vor einer Reihe von äußerst
brutalen Rezessionen! Nach der langsamen Entwicklung der Weltwirtschaftskrise
von 1967-2007 stehen wir heute vor einem neuen Kapitel des Niedergangs des
Kapitalismus, das von neuen, endlosen Erschütterungen des Systems und
explodierender Armut gekennzeichnet sein wird. Pawel, 30.04.2011.


[1]
Aber sie werden es dieses Mal sicher tun, ohne es offiziell zu verkünden, um
nicht das Scheitern all der vorherigen Maßnahmen einzugestehen!

[2]
Pedantische Leser werden sagen: „aber die Geldmenge ist zwischen 1990-2000 auch
gewaltig gewachsen, ohne dass es zu einem Inflationsschub kam“. Das stimmt, der
Grund dafür liegt darin:  die Sättigung der wirklichen Märkte hat das
Kapital dazu gezwungen, in die virtuelle Wirtschaft zu flüchten (Aktien). Mit
anderen Worten: die Geldmenge stieg beträchtlich an, vor allem im Finanzsektor;
nicht die Preise der produzierten Güter sind so stark gestiegen, sondern vor
allem die Aktienkurse. Aber diese Spekulation, so verrückt und losgelöst sie
auch von der Wirklichkeit ist, fußt letzten Endes auf Betriebe, die einen echten
Wert herstellen. Wenn diese massiv von Pleiten bedroht sind (insbesondere die
Banken), wird diese Sache brenzlig. So war es beim Krach 2008, und so wird es
in Zukunft sein. Deshalb flüchten übrigens die Anleger jetzt ins Gold und in die
Spekulation mit Lebensmitteln; sie suchen Fluchtanlagen.

Aktuelles und Laufendes: