Kommunistische Linke

Die Tradition der Kommunistischen Linken, deren verschiedene Gruppen und Organisationen im Laufe der Degenerierung der Dritten Internationalen aus dieser ausgeschlossen worden sind, wird nach der stalinistischen Konterrevolution von zwei Hauptströmungen fortgesetzt: der Italienischen Linken und der Deutsch-Holländischen Linken (auch "Rätekommunisten" genannt).

Der Kampf gegen den imperialistischen Krieg kann nur mit den Positionen der Kommunistischen Linken geführt werden

Die Empörung und Besorgnis der Arbeiterklasse angesichts der Ausbreitung immer zerstörerischerer imperialistischer Kriege findet ihren Ausdruck in kleinen Minderheiten, die eine internationalistische Antwort suchen.

Die Lebenserinnerungen eines Revolutionärs (Agis Stinas): Nationalismus und Antifaschismus

Die Auszüge aus dem Buch von Agis Stinas – einem revolutionären Kommunisten aus Griechenland -, die wir hier veröffentlichen, sind ein Angriff auf den antifaschistischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs. Darüber hinaus enthalten sie eine schonungslose Abrechnung mit drei heillos miteinander verschmolzenen Mystifikationen, die jede für sich für das Proletariat tödlich ist: die Verteidigung der Sowjetunion, der Nationalismus und der demokratische Antifaschismus.

Dokument von 1947: Eine internationale Konferenz revolutionärer Gruppen

Am 25. und 26. Mai hat eine internationale Konferenz für den Kontakt unter den revolutionären Gruppen stattgefunden. Die Konferenz wurde nicht nur aus Sicherheitsgründen nicht groß im Voraus angekündigt, wie wir das von stalinistischer und sozialistischer Seite gewohnt sind. Die Teilnehmer der Konferenz sind sich vollumfänglich der schrecklichen konterrevolutionären Periode, die zurzeit das Proletariat heimsucht, sowie der eigenen Isolation

Worin unterscheidet sich die Kommunistische Linke von der 4. Internationale

Die Bolschewiki standen an der Spitze der Revolution in Russland und der weltweiten revolutionären Kämpfe von 1917-23. Die Bolschewiki diskutierten mit den revolutionären Tendenzen, die sich dem imperialistischen Krieg widersetzten, und trieben den Kampf für die internationale proletarische Revolution voran. Sie debattierten mit den Spartakisten, den Tribunisten, den italienischen Maximalisten, mit all den Tendenzen des linken Flügels der II. Internationale; aber auch mit den revolutionären Anarchisten und Syndikalisten.

Die chinesische Frage (1920–1940)

Die Linkskommunisten gegen den Verrat durch die degenerierte Kommunistische Internationale

Von der Debatte der Linkskommunisten innerhalb der Kommunistischen Internationalen bis zur Ablehnung der nationalen Befreiungskämpfe durch die Italienische Fraktion der LinkskommunistenWir haben in unserer Revue bereits eine Reihe von Artikeln über das sogenannte kommunistische China veröffentlicht (Internationale Revue, Nr. 81, 84, 94, engl., franz., span. Ausgabe) in denen wir den konterrevolutionären Charakter des Maoismus aufzeigten.  Wenn wir hier zu dem Kampf zurückkehren,  den das chinesische Proletariat in den 20er Jahren bis zur furchtbaren Niederlage führte, welche es in Shanghai und Kanton erlitt, dann nicht nur, weil er ein bedeutender Ausdruck des Kräftegleichgewichts zwischen Bourgeoisie und Proletariat auf internationaler Ebene war, sondern auch weil er infolge der von ihm hervorgerufenen entscheidenden politischen Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle in der revolutionären Bewegung selbst spielte.

Marc : Von der Oktoberrevolution 1917 bis zum 2. Weltkrieg

Seit langem hat der Marxismus und gerade gegenüber alle dem bürgerli­chen Individualismus typischen Auf­fassungen aufgezeigt, daß nicht die Individuen die Geschichte machen, sondern daß seit dem Auftauchen von Klassen "Die Geschichte aller bisheri­gen Gesellschaft... die Geschichte von Klassenkämpfen" ist (Manifest der Kommunistischen Partei, MEW, Bd 4, S. 462). Das Gleiche trifft insbesondere zu auf die Geschichte der Arbeiterbewegung, deren Hauptakteur gerade die Klasse ist, die weit mehr als alle anderen auf assoziierte Weise zusammenarbeitet und ihren Kampf kollektiv führt.

Die Internationalen Konferenzen der Kommunistischen Linken (1976 – 1980)

Lehren aus einer Erfahrung für das proletarische Milieu

Vor 25 Jahren endete der Zyklus der internationalen Konferenzen der Kommunistischen Linken in Chaos und Durcheinander, die auf Initiative der Internationalistischen Kommunistische Partei (PC Int. Battaglia Communista) hin einige Jahre zuvor stattgefunden hatten, in Folge eines von Battaglia Communista und der Communist Workers' Organisation gestellten Antrages über die Parteifrage. Dieser Antrag hatte das Ziel, die IKS wegen ihrer angeblichen "spontaneistischen" Haltung zur Organisationsfrage auszuschließen. Diese Konferenzen sind von der IKS als einen positiven Schritt begrüßt worden, um aus der Zersplitterung und den Missverständnissen unter den Gruppen herauszukommen, die das internationale proletarische Milieu geplagt hatten. Sie stellen jetzt noch eine wertvolle Erfahrung dar, aus welcher die heute entstehende neue Generation von Revolutionären viele Lehren ziehen kann. Es ist wichtig für diese neue Generation, sich die Debatten, die an den Konferenzen und um diese stattfanden, wieder anzueignen. Dennoch können wir die negativen Auswirkungen der Art und Weise, wie sie endeten, nicht ignorieren. Ein kurzer Blick auf den jämmerlichen Zustand des politischen proletarischen Milieus heute zeigt, dass wir immer noch unter den Folgen des Scheiterns des Versuchs leiden, einen organisierten Rahmen für eine brüderliche Debatte und eine politische Klärung unter den Gruppen zu schaffen, die der Tradition der Kommunistischen Linken angehören.

Antwort auf einen Leserbrief zur Klassengrenze

7.7.06

Werter Genosse

Du wirfst in deinem letzten Brief verschiedene wichtige Fragen auf und nimmst dazu auch Stellung. Wir können hier nicht auf alle Punkte eingehen, sondern möchten uns auf ein Thema konzentrieren, das uns gerade in der heutigen Zeit, wo linkskommunistische Positionen immer mehr Interesse erwecken, sehr wesentlich erscheint: die Klassengrenze.

Du schreibst dazu: "soweit ich das weiss, sieht die iks den "revolutionären aufbau schweiz" als bürgerlich, anarchisten als kleinbürgerlich an (korrigiert mich, wenn das nicht stimmt). dem setzt ihr personen und gruppierungen gegenüber, die "diesseits der klassengrenze" stehen. ab wann ist denn für euch jemand diesseits oder jenseits der klassengrenze?"

30 Jahre IKS: Von der Vergangenheit lernen, um die Zukunft zu bauen

Die IKS hielt im dreißigsten Jahr ihrer Existenz ihren 16. Kongress ab. In diesem Artikel beabsichtigen wir deshalb, eine Bilanz der Erfahrung unserer Organisation aufzuzeichnen, so wie wir es am 10. und 20. Jahrestag der IKS auch taten. Dies ist kein Zeichen von Narzissmus: Kommunistische Organisationen existieren nicht für sich; sie sind Instrumente der Arbeiterklasse, der ihre Erfahrungen gehören. Dieser Artikel hat deshalb zum Ziel, das Mandat unserer Organisation für ihre 30jährige Existenz sozusagen an die Klasse zurückzugeben. Und wie jedes Mal, wenn man ein Mandat zurückgibt, müssen wir auch diesmal bestimmen, ob unsere Organisation in der Lage gewesen war, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die sie übernahm, als sie gegründet wurde. Wir beginnen daher mit der Frage, worin die Verantwortung der Revolutionäre in der Situation 30 Jahre zuvor bestand und wie sie sich seitdem mit der Änderung der Situation selbst gewandelt hat.

Geschichte der Arbeiterbewegung: Der Antifaschismus – eine Anleitung zur Konfusion

Die heutige Situation gleicht nicht jener in den 30er Jahren, als die Arbeiterklasse gerade die fürchterlichste Niederlage in ihrer Geschichte erlitten hatte, und zwar nicht durch den Faschismus, sondern durch die “demokratische” Bourgeoisie. Genau diese Niederlage ermöglichte es dem Faschismus, in bestimmten Ländern Europas an die Macht zu gelangen. Demzufolge können wir sagen, dass der Faschismus heute keine Notwendigkeit für den Kapitalismus besitzt. Nur indem sie die Unterschiede zwischen der heutigen Situation und jener in den 30er Jahren völlig ignorieren, können Strömungen, die behaupten, zur Arbeiterklasse zu gehören oder gar die Revolution zu favorisieren, wie die Trotzkisten, ihre Beteiligung an den Kampagnen gegen die “faschistische Bedrohung” rechtfertigen. In diesem Sinn bestand Bilan absolut zu Recht darauf, dass die Revolutionäre die Ereignisse innerhalb ihres historischen Zusammenhanges analysieren und dabei besonders das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen berücksichtigen müssen. Während der 30er Jahre entwickelte Bilan insbesondere gegen die Trotzkisten (die im Text als “Bolschewiki-Leninisten” bezeichnet werden, wie sich die Trotzkisten in den 30er Jahren selbst bezeichnet hatten) ihre Argumente. Damals waren die Trotzkisten noch Bestandteil der Arbeiterklasse, aber ihr Opportunismus sollte sie während des II. Weltkrieges in das bürgerliche Lager führen. Im Namen eben jenes Antifaschismus unterstützten die Trotzkisten den alliierten Imperialismus  während des Krieges und traten dabei eines der fundamentalsten Prinzipien der Arbeiterbewegung mit Füßen: den Internationalismus.

Bilan Nr. 10 vom August/September 1934: Krisen und Zyklen in der Wirtschaft des niedergehenden Kapitalismus

Dies ist der erste Teil einer Studie, die 1934 in der Zeitschrift Bilan, Organ der Linken Fraktion der Kommunistischen Partei Italiens, veröffentlicht worden ist. Diese Studie setzte sich damals das Ziel, ”den Sinn der periodisch wiederkehrenden Krisen besser zu verstehen, die immer wieder den ganzen Kapitalismus erschüttert haben, und zu versuchen, mit größtmöglicher Präzision das Zeitalter der definitiven Dekadenz zu charakterisieren und die von ihm ausgehenden tödlichen Zuckungen zu verstehen”.

Zur Geschichte des politischen Milieus seit 1968

 Die Zwei-Jahreskonferenz der IKS in Deutschland, die Ende 1998 stattfand, zog eine Bilanz der Entwicklung des revolutionären Milieus in Deutschland und im deutschsprachigen Raum seit 1968. Diese Frage stand nicht zufällig auf der Tagesordnung dieser Konferenz. Wir leben in einer Zeit des langsam erwachenden Interesses einer neuer Generation von suchenden Leuten, die sich Klarheit verschaffen wollen über die Geschichte revolutionärer Theorien und Organisationen der Arbeiterklasse. Denn während das Klassenbewusstsein und das Selbstvertrauen der Arbeiterklasse insgesamt durch das angebliche „Scheitern des Kommunismus“ ab 1989 stark angeschlagen waren und noch sind, reagieren politisierte Minderheiten der Klasse auf die verlogene, bürgerliche Gleichsetzung des Kommunismus mit dem Stalinismus mit der Suche nach den wahren, proletarischen Traditionen, welche von Anfang an die stalinistische Konterrevolution verstanden und sich im Kampf dagegen bewährt haben.

Die Wiederentdeckung der Kommunistischen Linken

Diese kämpferische Auseinandersetzung mit der Geschichte revolutionärer Minderheiten des Proletariats konzentriert sich notwendigerweise auf zwei unterschiedliche Geschichtsabschnitte. Der erste dieser Abschnitte ist der des Kampfes gegen die Degeneration der Kommunistischen Internationalen - schon Anfang der zwanziger Jahre - sowie gegen die stalinistische Konterrevolution selbst. Jahrzehntelang haben sowohl die stalinistischen wie die bürgerlich-demokratischen Verfälscher der Geschichte alles getan, um die historische Wahrheit über diesen heldenhaften Kampf der Links-Oppositionen gegen den Verrat am Marxismus und an der Weltrevolution unter Verschluss zu halten. Insbesondere die bürgerliche „Demokratie“ des „Westens“ – die gegenüber der Arbeiterklasse bedeutend geschickter ist als ihr stalinistischer Verbündeter - konzentrierte sich darauf, die gesamte proletarische Opposition auf Trotzki zu reduzieren. Trotzki selbst wiederum wurde vom bürgerlichen Trotzkismus der Nachkriegszeit unschädlich gemacht durch einen abstoßenden, an den Praktiken des Stalinismus erinnernden Personenkult Trotzkis, welcher sämtliche Fehler dieses Revolutionärs zu einem neuen, bürgerlichen, quasi-religiösen Dogma erhob. Dabei ging es aber vor allem darum, den großartigen Beitrag der Kommunistischen Linken zu begraben, welche viel früher, entschlossener, klarer und radikaler als Trotzki den Kampf gegen Opportunismus und Stalinismus innerhalb der Internationalen aufnahm, und welche im Gegensatz zum Trotzkismus den proletarischen Internationalismus im 2. Weltkrieg nicht verriet.

14. Kongress der IKS

Bericht über die Wirtschaftskrise (Auszüge)

Vor über 80 Jahren ist der Kapitalismus in seine dekadente Phase getreten. Er überlebt einzig noch dadurch, dass er die Menschheit in eine Spirale der offenen Krise wirft. Diese Spirale setzt sich aus dem generalisierten Krieg, dem Wiederaufbau, und der erneuten Krise zusammen. Die wirtschaftliche Stagnation und die Erschütterungen des Systems im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mündeten schnell in die schreckliche Schlächterei des Ersten Weltkriegs, die grosse Depression von 1929 mündete nach 10 Jahren in das noch wildere Gemetzel des Zweiten Weltkriegs. Die am Ende der 60er Jahre beginnende Krise jedoch mündete nicht in die organische Lösung eines neuen generalisierten Kriegs, weil das Proletariat nicht geschlagen war.

Bilan Nr. 11 vom Oktober/November 1934

Krisen und Zyklen in der Wirtschaft des niedergehenden Kapitalismus II

Vorstellung

Im Folgenden veröffentlichen wir den zweiten Teil einer Studie, die in der Zeitschrift "Bilan" 1934 erschienen ist. Wir haben in der letzten Nummer der Internationalen Revue den ersten Teil publiziert, in dem Mitchell die Grundlagen der marxistischen Analyse des Profits und der Kapitalakkumulation in der Kontinuität von Marx und Rosa Luxemburg untersucht. In diesem zweiten Teil wendet er sich der "Analyse der allgemeinen Krise des dekadenten Imperialismus" zu und erklärt mit einer bemerkenswerten Klarheit die Merkmale dieser allgemeinen Krise des Imperialismus. Diese Studie errichtete damals die theoretische Grundlage für das Verständnis der unausweichlichen Tendenz zum Krieg in der historischen Krise des Kapitalismus. Sie bleibt von brennendem Interesse, da sie einen theoretischen Rahmen gibt für das heutige Verständnis der Wirtschaftskrise.                                                      IKS

14. Kongress der IKS: Bericht über den Klassenkampf: Die revolutionäre Bewegung und das Konzept des Historischen Kurses,Teil 1

Die revolutionäre Bewegung und das Konzept des Historischen Kurses

Seit dem Bericht über den Klassenkampf auf dem letzten Kongress hat es keine unmittelbaren Verschiebungen in der allgemeinen Lage der Klasse gegeben. Das Proletariat hat in etlichen Kämpfen demonstriert, dass seine Kampfbereitschaft intakt ist und dass seine Unzufriedenheit wächst (s. Transportarbeiterstreik in New York, ‚Generalstreik‘ in Norwegen, Kämpfe in zahllosen Bereichen in Frankreich, der Postangestellten in Großbritannien, Bewegungen in peripheren Ländern wie Brasilien, China, etc.). Doch die Situation ist auch weiterhin vornehmlich von den Schwierigkeiten geprägt, denen sich die Klasse gegenübersieht – Schwierigkeiten, die ihr infolge der Bedingungen des zerfallenden Kapitalismus aufgezwungen wurden und die kontinuierlich von den Kampagnen der Bourgeoisie über das ‚Ende der Arbeiterklasse‘, die ‚Neue Ökonomie‘, die ‚Globalisierung‘ und selbst über den ‚Antikapitalismus‘ verschärft wurden. Innerhalb des politischen Milieus des Proletariats verbleiben fundamentale Meinungsverschiedenheiten über das Kräfteverhältnis mit gewissen Gruppen, die die ‚idealistische‘ Sichtweise der IKS über den Historischen Kurs als Grund anführen, um sich nicht an einer gemeinsamen Initiative gegen den Kosovo-Krieg zu beteiligen. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, diesen Bericht nicht so sehr auf die Kämpfe zu konzentrieren, sondern darauf, unser Verständnis für das Konzept des Historischen Kurses, so wie es in der Arbeiterbewegung entwickelt worden war, zu vertiefen: Wenn wir dieser Kritik wirkungsvoll entgegentreten wollen, müssen wir uns an die historischen Wurzeln der Missverständnisse begeben, die das proletarische Milieu infiziert haben. Ein weiterer Grund besteht darin, dass eine unserer Schwächen in unseren eigenen Analysen der jüngsten Kämpfe eine gewisse Neigung zum Immediatismus war, eine Tendenz, sich auf bestimmte Kämpfe zu konzentrieren, um sie als ‚Beweis‘ für die Richtigkeit unserer Position über den Kurs zu verwenden, oder sich auf die Schwierigkeiten des Kampfes zu stürzen, um sie als mögliche Basis für die Infragestellung unserer Auffassungen zu nutzen. Was folgt, ist weit entfernt davon, ein erschöpfender Überblick zu sein; Absicht des Artikels ist es, der Organisation dabei zu assistieren, sich selbst etwas näher mit der allgemeinen Methode bekannt zu machen, mit der sich der Marxismus dieser Frage angenähert hat.

Die italienische kommunistische Linke; Einleitung

Bis heute ist die Italienische Linke (sinistra italiana) selbst in dem Land, wo sie entstanden war, und dort, wo sie sich weiter entwickelt hatte, unbekannt, wenn nicht gar verkannt geblieben. 
Sie war in Italien in den Jahren vor dem I. Weltkrieg um Amadeo Bordiga, ihrem bekanntesten Führer, entstanden und stand von 1921 bis 1925 an der Spitze der Italienischen Kommunistischen Partei (PCI). Damals spielte die Strömung um Gramsci nur eine untergeordnete, zweitrangige Rolle. Als rechtem Flügel gestaltete es sich ihm trotz der Unterstützung durch die Komintern als schwierig, die linke Führung, die von der Mehrheit der PCI-Mitglieder unterstützt wurde, beiseite zu drängen. Doch nach dem Kongress von Lyon 1926 wurde die alte „bordigistische“ Mehrheit langsam aus der Partei gedrängt. Kurz darauf wurde ihr prominentestes Mitglied, Bordiga, ins Gefängnis geworfen. Nach seiner Haftentlassung zog er sich aus allen militanten Aktivitäten zurück und widmete sich seinem Beruf als Ingenieur und Architekt. Erst 1944 brach er sein Schweigen wieder.
So setzten die italienischen Linkskommunisten ihre Aktivitäten ohne Bordiga und außerhalb Italiens fort, wo die „faschistischen“ Gesetze jede organisierte politische Aktivität unmöglich gemacht hatten. 1927 wurden sie linke Fraktion der PCI, 1935 schließlich Fraktion der Kommunistischen Linken. In der ganzen Zeit ihrer Existenz, von ihrer Gründung in Pantin 1927 bis zu ihrer Auflösung 1945, machte sie sich das Erbe der Partei, als Bordiga noch die Führung innegehabt hatte, zu eigen und entwickelte es weiter.

Kapitel 6: Hin zum Krieg oder zur Revolution? (1937 – 1939)

Im Februar 1938 erschien die erste Nummer von Octobre. Bis August 1939 wurden insgesamt fünf Ausgaben dieser Zeitschrift herausgegeben. Sie war das monatlich erscheinende Organ des Internationalen Büros der linkskommunistischen Fraktionen. Wie Bilan wurde sie in Brüssel gedruckt, wo sich auch die Redaktion befand. Verantwortlich für die Zeitschrift war Albert Boyer aus Paris, da in Folge der Ereignisse in Spanien Gaston Davoust (Chazé) nicht mehr die offizielle Verantwortung für die Organe der internationalen Linkskommunisten ausüben konnte.


Es war beabsichtigt, die internationale Zeitschrift Octobre in drei Sprachen herauszugeben, auf Französisch, Deutsch und Englisch. Die Linkskommunisten kündigten an, dass „bald die englische und deutsche Ausgabe veröffentlicht werde“, und appellierten eindringlich an „die deutschen Genossen“, sie sollten „mit Übersetzungen ins Deutsche dazu beitragen, ihre Schwierigkeiten zu überwinden“.


Das Verschwinden von Bilan und das Erscheinen von Octobre war Zeichen eines tiefgreifenden Orientierungswechsels innerhalb der italienischen und belgischen Fraktion. Das Titelblatt war mit einem Kreis versehen, der den Globus stilisierte und auf dem die Worte „révolution mondiale“ (Weltrevolution) standen. Der Titel Octobre zeigt klar und deutlich, dass die Linkskommunisten sich am Vorabend eines neuen „Roten Oktober“ wähnten.


Die Gründung eines internationalen Büros Ende 1937 war Ausdruck der Hoffnung, die Grundlage einer neuen Internationalen zu bilden. Das Beispiel von Zimmerwald, Ausgangspunkt für die Gründung der III. Internationalen, war in den Köpfen der Genossen noch lebendig. Der Verrat, den seit 1933 sämtliche kommunistischen und trotzkistischen Parteien begangen hatten (womit sie dem Beispiel der Sozialdemokraten von 1914 folgten), zeigte der Italienischen Linken, dass es allein an ihr lag, das Zentrum einer neuen Internationalen zu bilden. Die vergangene Arbeit, die „vor allem in der Kontaktaufnahme mit Einzelpersonen in verschiedenen Ländern bestand, welche eine kämpferische Position gegen den imperialistischen Krieg eingenommen hatten“, musste zu einer „anderen Arbeitsphase werden mit der Perspektive der Bildung von linken Fraktionen“ (Bilan, Nr. 43, „Für ein internationales Büro der linkskommunistischen Fraktionen“).


Die Schaffung eines internationalen Büros, das die beiden Fraktionen miteinander verband, bedeutete zweifellos eine Verstärkung der italienischen Linkskommunisten. Die Bildung eines internationalen Zentrums vor Ausbruch des Krieges (die Zimmerwalder Konferenz, der Grundstein für die III. Internationale, wurde erst während des I. Weltkrieges auf Initiative der Bolschewiki organisiert), trug zur Illusion bei, besser vorbereitet zu sein, als es damals die Bolschewiki waren. Bilan war demnach wegen der „Auflösung aller Gruppen, die am Ende ihre Entwicklung gelangt waren“, von der Bildfläche verschwunden. Das Internationale Büro vertrat die Auffassung, dass die Auflösung der verschiedenen Gruppen es ihm ermögliche, dem Proletariat den Verrat der alten Arbeiterparteien vor Augen zu führen, wodurch sich das Proletariat rechtzeitig von ihnen distanzieren könne, ohne einen neuen „4. August 1914“ zu erleben.


Aber war Bilan tatsächlich am Ende ihrer Entwicklung angelangt? Die Diskussionen zwischen den beiden Fraktionen über die Frage des Staates und der Gewerkschaften, die in den internen Bulletins „Il seme comunista“ und Octobre ausgetragen wurden, zeigten im Gegenteil, dass diese „Bilanz“ noch unvollendet war.

 

Kapitel 7: Bilanz der Russischen Revolution, Partei, Gewerkschaften, Klassenkampf, der Staat in der Übergangsperiode

In den 30er Jahren sahen sich sämtliche Revolutionäre veranlasst, über die theoretischen Lehren aus der Russischen Revolution zu diskutieren. Der Triumph des Stalinismus, der sich mit den westlichen „Demokratien“ verbündet hatte, seine Straflager (oder besser: KZs), von denen viele „Freunde“ der Sowjetunion nichts wissen wollten, in die aber nichtsdestotrotz zahllose Kämpfer der Arbeiterklasse gesteckt wurden, die Moskauer Prozesse – all dies zwang die Italienische Linke dazu, eine Bilanz der Oktoberrevolution zu ziehen. Sie musste erklären, wie eine proletarische Revolution binnen weniger Jahre zur Schrecken erregenden Karikatur des Sozialismus werden konnte. War der Sozialismus gescheitert? Oder war im Gegenteil diese schlimme Niederlage die Vorbedingung für den künftigen Sieg?

Kapitel 8: Die Herausforderung des Krieges: Von der Fraktion zur Partei

   Der Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 überraschte die italienische und belgische Fraktion völlig unvorbereitet. Das Internationale Büro bestand praktisch nicht mehr, auch der Kontakt zwischen den verschiedenen Sektionen und Fraktionen war abgebrochen. Einige Wochen zuvor war die letzte Ausgabe von Octobre erschienen. Noch zu einem Zeitpunkt, als die halbamtlichen Kontakte zwischen Russland und Deutschland wiederhergestellt wurden und den bevorstehenden Kriegsausbruch auf dem europäischen Kontinent ankündigten, deuteten beide Fraktionen die fieberhaften Vorbereitung als bevorstehende Wiederaufführung von München. „Die Tatsache, dass der Weltkapitalismus im September 1938 zu einem Kompromiss gekommen ist, statt zu den Waffen zu schreiten, bestätigt möglicherweise die These, dass selbst in der gegenwärtigen angespannten Lage lediglich eine provisorische Lösung in Gestalt eines zweiten München gefunden werden kann.“ (1) Noch unzutreffender war der Einfall, dass es zu einer Solidarisierung unter den Imperialisten kommt, um den Krieg angesichts des gemeinsamen Feindes, der Arbeiterklasse, zu vermeiden. „Wenn man die Zeitungen liest und die Reden hört, hat man stets den Eindruck, kurz vor der Auslösung eines Waffenganges zu stehen (...) Wenn man die verschiedenen imperialistischen, bis an die Zähne bewaffneten Armeen sowie die Kriegswirtschaft, die nicht auf ewig ins Blaue produzieren kann, betrachtet und wenn man andererseits diese schauerliche imperialistische Solidarität feststellt, ist man vielleicht überrascht, sofern man sich nicht vor Augen hält, dass Demokratie und Faschismus einen gemeinsamen Feind haben – nämlich das Proletariat, das wieder auf den Weg zur Klasse zurückfindet.“

Kapitel 9: „IL PARTITO COMUNISTA INTERNAZIONALISTA“ ITALIENS (1943-45)

Trotz der von Mussolini ausgeübten Repression war die „bordigistische“ Strömung nicht verschwunden. Obgleich sich Bordiga nicht mehr an ihr beteiligte und sich vorsichtig zurückhielt, hielten viele „Basismitglieder“ an den Positionen des Kongresses von Livorno fest. Doch war es ihnen nicht möglich, organisierte, legale wie illegale Aktivitäten aufrechtzuerhalten. Vor allem in den Gefängnissen, in den insularen Arbeitslagern (galera) und in den Verbannungsorten (confini) hielt die „bordigistische“ Linke an ihrer Identität und ihren organisatorischen Bindungen fest. Selbst als die letzten, unverwüstlichen Genossen (wie Damen, Repossi und Fortichiari) 1934 aus der PCI ausgeschlossen worden waren, gaben die „bordigistischen“ Militanten den Kampf nicht auf – im Gegenteil.
In Onorato Damen fanden sie ihren entschlossensten und auch wirksamsten Sprecher und Organisator. 1893 in der Provinz Ascoli Piceno geboren, trat er um 1910 ohne Umwege dem linken Flügel der PSI bei. Während des Krieges trug er den Grad eines Unteroffiziers in der Armee, wurde aber 1917 wegen des „Aufrufs zur Fahnenflucht“ und wegen seiner Ablehnung des „imperialistischen Charakters des Krieges“ degradiert und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung war er zunächst in Bologna, dann in Imola und schließlich in Livorno Mitglied der „Abstentionistischen Fraktion“. 1921 wurde er Sekretär der Arbeitskammer in Pistoria und Direktor der kommunistischen Zeitung L’Avenire. Nachdem er im gleichen Jahr auf dem Heimweg von einer Wahlveranstaltung von Faschisten festgenommen worden war, musste er nach einem Proteststreik von Arbeitern wieder freigelassen werden. Einige Zeit später prallte er in Begleitung bewaffneter Kommunisten mit Squadristen zusammen, ein toter Faschist blieb auf der Strecke. Des Mordes angeklagt, musste er nach Paris flüchten, wo er drei Jahre lang Direktor der italienischen Ausgabe von L’Humanité war. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1924 wurde er zum Abgeordneten von Florenz gewählt. In Opposition zu Gramsci und Togliatti gründete er 1925 mit Repossi, Fortichiari und später auch Perrone das „Comité d’Entente“, das eine linke Fraktion in der Partei bilden wollte. Im November 1926 wurde er nach Ustica verbannt. Im Dezember verurteilte ihn ein Sondergericht zu zwölf Jahren Zwangsarrest. 1933 führte er die Revolte der politischen Gefangenen in Civitavecchia an. Gegen Ende 1933 wieder freigelassen, lebte er unter staatlicher Überwachung in Mailand. 1935 und 1937 wurde er erneut verhaftet, schließlich auch zu Kriegsbeginn, und erst unter der Regierung Badoglio wieder freigelassen. (1)

Leserbrief - Die Bedeutung theoretischer Arbeit/II

Wir veröffentlichen nachfolgend den zweiten Teil einer Antwort auf einen Leserbrief aus Süddeutschland, der sich in großen Teilen sehr kritisch, wenn nicht ablehnend mit einem Teil unserer Positionen auseinandersetzte. Aus Platzgründen veröffentlichten wir in Weltrevolution Nr. 133 nur den ersten Teil unserer Antwort. In diesem ersten Teil befassten wir uns mit der “Arbeit des alten Maulwurfs”, der durch die Suche von zahlreichen Leuten zum Ausdruck kommt, die sich mit linkskommunistischen Positionen befassen. Hinsichtlich der Frage des Antifaschismus und dem Wirken der Kommunistischen Linken hatte unser Leser gemeint, die “Fraktionen der kommunistischen Linken [sind] so sang- und klanglos in den 1930er Jahren ausgestorben. Das Proletariat brauchte damals keine Schwätzer und Schreiber.”  

Außerordentliche Konferenz der IKS: Der Kampf für die Verteidigung der organisatorischen Prinzipien

Der Kampf um die Verteidigung organisatorischer Prinzipien

Zu Beginn dieses Jahres beschloss die IKS, den 15. Kongress ihrer Sektion in Frankreich in eine Außerordentliche Internationale Konferenz umzuwandeln. Motiviert wurde der Beschluss durch den offenen Ausbruch einer Krise in der Organisation, die unmittelbar nach unserem 14. Internationalen Kongress im April 2001 folgte. Diese Krise hatte zu einer Abkehr mehrerer Militanter von unserer Organisation geführt, die sich gegenwärtig als, wie sie es nennen, „Interne Fraktion der IKS“ gesammelt haben. Wie wir sehen werden, stellte die Konferenz fest, dass diese Militanten sich selbst vorsätzlich außerhalb der Organisation gestellt haben, auch wenn sie heute jedem gegenüber, der ihnen zuzuhören bereit ist, behaupten, dass sie „ausgeschlossen“ worden seien.

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